Remain – Was von uns bleibt

Nicholas Sparks mit M. Night Shyamalan

Aus dem Amerikanischen von Astrid Finke

Heyne Verlag, ET 15.10.2025

384 Seiten, € 22,00

 

 

 

Wer einen Roman von Nicholas Sparks liest, kann sicher sein, dass er eine leichte, unterhaltsame Herz-Schmerz-Lektüre bekommt, die für ein paar Wohlfühl-Lesestunden sorgen, ohne sich mit tiefgründiger Handlung und gleichermaßen Charakteren auseinandersetzen zu müssen. Als Nicholas Sparks sein neues Buch plante, wurde er von dem Drehbuchautor und Regisseur M. Night Shyamalan, bekannt für mystische Filme wie „The Sixth Sense“, angesprochen, der ihm anbot, das Drehbuch zu seinem neuen Film als Stoff für seinen nächsten Roman zu verwenden. Nicholas Sparks war zunächst zögerlich, aber dann von dem Thema des surrealen Films „Remain“ mit seiner Frage, was von uns nach dem Tod bleibt, so begeistert, dass er das Angebot annahm. Unabhängig vom Drehbuch verfasste er also den vorliegenden Roman. Der Film „Remain“ sollte bereits im Oktober 2026 erscheinen, aktuell ist Anfang 2027 geplant.

Der Architekt Tate Donovan reist reist nach Cape Cod, um für seinen besten Freund Oscar und seine Familie ein Ferienhaus zu entwerfen und den Bau zu überwachen. Ein Jahr zuvor hat er seine geliebte fünf Jahre ältere Schwester Sylvia verloren und ist kurz danach an einer langen, schweren Depression erkrankt. Oscar war es, der ihn überredet hat, sich Hilfe in einer psychiatrischen Klinik zu suchen, wo er einige Zeit verbracht hat. Mit Sylvia hatte Tate ein inniges Verhältnis, obwohl sie eine extrovertierte Menschenfängerin und Naturliebhaberin war, während Tate deutlich introvertierter und zurückgezogener lebt. Beide wuchsen in einem sehr reichen Elternhaus auf und wurden von den mittlerweile verstorbenen Eltern von Kindheit an unterschiedlich gesehen. Bevor Tate nach Cape Cod aufbricht, bekommt er von Mike, dem Ehemann von Sylvia, die Nachricht mit auf den Weg, dass es für ihn drei Video-Botschaften von Sylvia gibt. Die erste Video-Botschaft erhält er sofort, für die beiden anderen soll er sich bei Mike melden, wenn er bereit dazu ist.

In Cape Cod hat Oscar seinen Freund Tate und seine Katze Paulie in dem kleinen Ort Heatherington in einer leerstehenden riesigen Villa im viktorianischen Stil, ehemals ein Bed & Breakfast, untergebracht, wo auch das Grundstück für das zu bauende Ferienhaus liegt. Um die Villa kümmern sich die Hausverwalterin Louise Gaston und ihr Mann Reece, der sich um den Garten und technische Hausarbeiten kümmert. Früher hat hier die junge, hübsche Wren gelebt und das Bed and Breakfast geführt, bevor sie durch einen Unfall im Haus gestorben ist. Es dauert nicht lange, bis sie sich Tate erstmals zeigt, mit ihm spricht und unvermittelt wieder verschwindet. Tate ist von Wren fasziniert und hofft, dass sie sich ihm wieder zeigt, was auch völlig willkürlich geschieht. Ohne Einfluss darauf zu haben, freut sich Tate über jede Begegnung mit der mysteriösen Wren, in denen sie sich immer näher kommen. Es gibt aber einen gravierenden Unterschied zu der Wren, die sich Tate tagsüber zeigt als zu der, die ihm nachts erscheint. Da sein bester Freund Oscar merkt, dass sich Tate verändert hat, seitdem er in Heatherington in der Villa ist und ihn darauf anspricht, erzählt ihm Tate von Wrens Erscheinungen und Gespräche, aus denen sich tiefe Gefühle zwischen den beiden entwickelt hat. Oscar warnt seinen Freund zwar, eine Beziehung zu einem Geist einzugehen, glaubt ihm aber. Er unterstützt sogar Tate bei seiner Spurensuche, wie Wren zu Tode gekommen ist, denn sie bittet Tate mysteriös um Hilfe. Tate und Oscar geraten in einen Strudel voller dunkler Geheimnisse um Wren und um menschliche Abgründe der Bewohner in Heatherington, das in einem dramatischen Showdown endet.

Das Thema hatte mich neugierig gemacht und auch der werbende Hinweis, dass Nicholas Sparks trotz Zögern ein Filmdrehbuch mit surrealen, übernatürlichen Thema als Roman umgesetzt hat. Beim Lesen hatte ich aber immer wieder das Gefühl, dass die Erzählweise von Sparks in ein hartes Korsett gepresst ist, da sie kantig und leblos wirkt. Die Protagonisten Tate Donovan und Wren blieben für mich oberflächlich und blass, ebenso sein Freund Oscar. Sparks gibt sich mit viel unbedeutender Rahmenerzählung ab, die reines Füllmaterial sind, aber der Story keine Tiefe bringen. Da wird Boef bourguignon und Coq au vin gekocht, viel Pinot noir getrunken und zur philosophischen Garnierung immer wieder Fetzen aus amerikanischer Lyrik und Literatur eingestreut, wie z.B. aus Grashalme von Walt Whitman, der Weihnachtsgeschichte von Dickens, von Wilbur und Charlotte von Elwin Brooks White oder Über den Tod von Percy Bysshe Shelley. All das hilft leider nichts, um die langatmige, starre Story mit leblosen Figuren, die sich unablässig bemühen, die Grenze zwischen Realität und Surrealität zu verwischen, mit mysteriöser Spannung zu füllen. Die platte Handlung verwurschertelt sich zusehends zu eine Art Thriller, die mit einem typisch amerikanischen effekthascherischen Machtkampf endet. Ich hatte beim Lesen immer wieder den Eindruck, die Nacherzählung eines Films zu lesen, aber nicht eine eigene Erzählweise. Zudem hatte ich oft Assoziationen zum Film „Ghost – Nachricht von Sam“ aus dem Jahr 1990 mit Patrick Swayze und Demi Moore. Inwieweit Nicholas Sparks sich dann vielleicht doch zu sehr vom Konzept des Drehbuchs beeinflussen ließ, wird man erst feststellen, wenn man den Film gesehen hat.

Die großartige Idee der Zusammenarbeit von Shyamalan und Sparks, die vom Verlag und in den Medien viel beworben wurde, stellt sich für mich mit diesem Roman als wenig überzeugend dar. Die Erkenntnis, dass wir wenig über unser Dasein wissen, verbunden mit den verzweifelte Sinn- und Lebensfragen auf den letzten Seiten, ob es einen Gott gibt, was da draußen sonst noch sein könnte und wohin wir kommen, wenn wir sterben (Buch Seite 364) beantwortet diese konfuse, schwache und starre (Nach-)Erzählung erfreulicherweise auch nicht. Und es ist von daher nicht schlimm, dieses Buch nicht gelesen zu haben.

Das Cover ist stimmig.

Sabine Wagner

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