
Sophie Jordan
Aus dem amerikanischen Englisch von Julia Sroka
Fischer Sauerländer Paperback, ET 29.04.2026
384 Seiten, € 14,90
ab 14 Jahre
Die vorliegende Trilogie erschien zum ersten Mal in Deutschland 2010 beim Kinder- und Jugendbuchverlag Loewe in Bindlach. Da sich das Drachen-Thema gepaart mit Liebe hervorragend in dem von den Verlagen wieder einmal „originell“ erfundenen und aktuell gehypten Genre „Romantasy“ oder „Fantasy-Romance“ einreihen lässt, hat sich Fischer-Sauerländer die Rechte für eine Neuauflage gesichert. Der erste und vorliegende Band ist frisch erschienen, die Fortsetzung „Vanish“ erscheint am 24.06.2026 und den Abschluss macht „Hidden“ am 26.08.2026.
Über ein bereits vor 16 Jahren allgemein mehrfach besprochenes Buch noch einmal ausführlich zu erzählen ist überflüssig. Nur soviel:
Jacinda und Tamra sind 17-jährige Zwillige und leben versteckt in einem Rudel Menschen, die sich in verschiedene Drachen verwandeln können. Während Tamra keine Fähigkeiten zur Drachenverwandlung hat, ist Jacinda der einzige Feuer speiende Drache in der Gruppe und damit sehr wertvoll. Sie soll mit Cassian, dem Sohn und Prinz des Rudelsführers und als Onyx-Drache ebenfalls eine Seltenheit den Nachwuchs sichern, was Jacinda jedoch ablehnt, da sie Cassian nicht ausstehen kann.
Als Jacinda sich während eines Flugs nur knapp in einer Höhle vor den gefürchteten Drachenjägern flüchten kann, begegnet sie Will, der statt sie einzufangen, nur ihre Anmut und Schönheit als Feuerdrache bewundert. Jacinda kann zwar unbehelligt zu ihrem Rudel zurückkehren, muss aber für dieses knappe Entkommen einen hohen Preis zahlen, denn es sollen ihre Flügel gestutzt werden. Da ihre Mutter das nicht zulässt, flieht sie mit ihren beiden Töchtern bei Nacht und Nebel aus dem Rudel. Die Mutter hat schon lange ihre Verwandlungsfähigkeit zum Drachen bewusst verkümmern lassen und glaubt, dass das auch das Beste für Jacinda ist. Sie lässt sich mit ihren Töchtern in Chaparral, einer Großstadt mitten in der Wüste nieder, neunzig Meilen hinter Las Vegas. Während Tamra in der Hitze und Trockenheit und inmitten anderer „normaler“ Teenager in der High School auflebt, ist dieser Ort ohne Nebel, Kühle und Feuchtigkeit für Jacinda eine Qual. Es dauert nicht lange und sie begegnet Will in der High School wieder. Zwischen den beiden entspinnt sich eine ambivalente Beziehung zwischen Anziehung und Abstand, Verliebtheit und Zweifel. Will Rutledge gehört zu der Familie der Drachenjäger, die Jacindas Rudel auf der Spur sind und wahrscheinlich auch ihren Vater vor einiger Zeit getötet haben. Zwischen den beiden entwickelt sich eine spannende Story um die Wahrung Jacindas Eigenschaft als Feuerdrache und einer schwierigen Liebesgeschichte mit natürlich offenem Ende.
Die Sprache der im Grunde spannenden Story ist einfach einfach und schwankt zwischen kitschig-sentimentalen Beschreibungen und schlicht gewöhnlichen Ausdrücken, z.B., wenn in der Übersetzung gesagt wird, dass „Jacinda ums Verrecken kein Auto fahren kann.“ (Seite 88) Es mag sicher an meinem Alter liegen, dass weit über das der Zielgruppe hinausgeht, dass ich mich an dieser Sprache und oberflächlichen Charakteren während des Lesens gerieben habe. Auch wenn die Handlung trotz Wendungen vorhersehbar ist, hat sie Sophie Jordan mit entsprechenden Cliffhängern zumindest so aufgebaut, dass ich den ersten Band tatsächlich bis zum Schluss gelesen habe. Dennoch hat mich das in verschiedener Hinsicht offene Ende nicht neugierig genug auf die Fortsetzungen gemacht.
Ich hätte mir persönlich mehr spannende Drachengeschichte und weniger seichte Lovestory gewünscht, aber hier entspreche ich sicher nicht der von den Verlagen gewünschten Fantasy-Romancy-Zielgruppe. Wer sich eine Drachengeschichte ähnlich wie „Eragon“ von Christopher Paolini erhofft, der wird enttäuscht werden. Wenn man aber in eine romantisch-schnulzige Sprache samt Liebesgeschichte plus Drachen im Hintergrund fallen will, bei der man beim Lesen nicht groß nachdenken muss, wird hiermit gut bedient.
Das neu aufgelegte Cover zu diesem ersten Band mit Klappenbroschur ist sehr schön gewählt.
Sabine Wagner
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