Nanas Liebe

Sonwabiso Ngcowa

Aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Lutz van Dijk

Peter Hammer Verlag, ET 2014

188 Seiten, € 15,90

 

 

Die 16-jährige Nana lebt auf dem Land in dem Dorf Mpozisa bei ihrer Oma, Makhulu,  mit ihrer Cousine Nolu. Ihre Eltern haben Nana bereits als Kind bei der Oma gelassen, als sie mit ihrer älteren Tochter Asanda nach Kapstadt gegangen sind, um Geld zu verdienen. Mit der älteren Nolu versteht sich Nana nicht wirklich gut, denn sie wird von ihr mit Eifersüchteleien geärgert.Nana trifft eines Tages während einer Busfahrt auf die etwas jüngere Phelokazi und sie spürt, dass auch sie isitabane (Xhosa für homosexuell) ist. Die beiden kommen nur kurz ins Gespräch, bei dem auf beiden Seiten ein gewisser Funke des gegenseitigen Verstehens überspringt, da trennen sich schon ihre Wege, ohne dass sie ihre Handynummern ausgetauscht haben. Das ist der Auslöser für Nana, dass, was sie in Kapstadt mit ihrer großen Liebe Agnes erlebt hat für sie aufzuschreiben.

Als Makhulu mit ihrer kleinen Rente finanziell nicht mehr im Stande ist, Nolu und Nana durchzubringen, bittet sie Nana zu ihren Eltern nach Kapstadt zu gehen. In der großen Stadt wird sie sicher bessere Möglichkeiten haben nach der Schule eine Arbeit zu finden und Geld zu verdienen. Mit dem letzten Geld bekommt Nana das Busticket nach Kapstadt.

In Kapstadt wohnt Nana bei ihren Eltern und Asanda in einem gemieteten Shack, einer windschiefen Wellblechhütte mit nur dem notwendigsten, denn das eigene Shack ist einem großen Brand zum Opfer gefallen. Die Eltern versuchen mit jedem Job, den sie bekommen können, sich über Wasser zu halten und Asanda arbeitet in einem Hotel in Noordhoek und ist nur selten zuhause. Während Tata, Nanas Vater früher viel getrunken und sich wenig bis gar nicht um die Familie gekümmert hat, auch gewalttätig war, hat er sich in den Jahren in Kapstadt in einen sich sorgenden, zugewandten und fleißigen Vater entwickelt.

Die 19-jährige Agnes wohnt mit ihrem Bruder Chino im Shak neben der Familie von Nana. Chino ist wie Asanda wegen seiner weiter entfernt gelegenen Arbeitsstelle nicht oft bei Agnes, während diese bei einem KFC in Schichten arbeitet. Die beiden lernen sich kennen, als Nana gerade damit hadert, dass sie in der Schule zu einem Modellwettbewerb angemeldet wurde, obwohl sie das gar nicht will. Da sie auf der neuen Schule irgendwie ankommen will, versucht sie aus der Situation für sich das Beste zu machen. Agnes versteht ihren Widerwillen und hilft ihr gleichzeitig, sich für den Wettbewerb vorzubereiten. Dabei kommen sich Nana und Agnes immer näher und verlieben sich. Während die ältere Agnes schon länger weiß, dass sie isitabane ist, wird auch Nana mit ihren Gefühlen zu Agnes klar, dass sie Frauen liebt. Doch wie werden es ihre Eltern aufnehmen, wenn sie erfahren, dass Agnes und sie ein Paar sind? Was sagt ihre Schwester Asanda, die in ihren Freund Sive sehr verliebt ist?

Der 1984 in dem Dorf Mpozisa geborene und im Township Masiphumele südlich von Kapstadt aufgewachsene Autor Sonwabisco Ngcowa hat mit Nanas Geschichte ein Buch geschrieben, dass in seiner Aktualität bei Erscheinen im Jahr 2014 leider nichts verloren hat. Der junge Autor beschreibt ungeschönt die Umstände und das schwierige Leben auf dem Land in dem kleinen Dorf Mpozisa, dass für uns schwer vorstellbar ist. Ebenso das harte Überleben und der Kampf um jeden Job in Kapstadt in einer Wellblechhütte. Mit viel Einfühlungsvermögen und Empathie erzählt Sonwabisco von dem Entstehen der tiefen Liebe zwischen Nana und Agnes, der großen Vorsicht, sie nicht nach außen hin zeigen zu dürfen und dem Wissen, dass sie füreinander bestimmt sind. Es ist keine einfache Liebe für die beiden und eine ständige Zerreißprobe gegenüber der Außenwelt. Doch neben Unverständnis innerhalb der Familie und einem brutalen Übergriff gibt es für die beiden auch offene, verständnisvolle und liebevolle Erlebnisse, die den beiden Mut machen, zu sich und ihrer Liebe zu stehen.

Auch zwölf Jahre nach dem Erscheinen in Deutschland ist der Roman von Sonwabisco Ngcowa nach wie vor berührend, aufwühlend und aktuell. In Südafrika wie in Deutschland werden queere Menschen immer vorsichtiger, da die homophobe Einstellung der Gesellschaft auch durch Aussagen von führenden Politiker und Parteien leise aber spürbar größer wird.

Der Menschenfreund Lutz van Dijk hat diesen wertvollen Roman ins Deutsche übersetzt und schließt es mit einem bemerkenswerten Nachwort ab, dass nachdenklich macht und nachhallt – wie die Geschichte von Nana und Agnes.

Ein Rap-Gedicht der 2014 17-jährigen Zinzi Klaas aus dem Masiphumele Township stimmt aufrüttelnd in das Buch ein: „Jeder hat ein Recht auf Liebe.“

Ein feines, stimmiges Cover rundet das zeitlose Buch ab.

Sabine Wagner

 

 

 

 

 

 

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