Interview mit Thorsten Nesch

 

(c) Thorsten Nesch

(c) Thorsten Nesch

Thorsten Nesch wurde 1968 in Solingen geboren. Von 1998 bis 2003 lebte er in Kanada, wo er ein Jahr lang als offiziell registrierter Straßenmusikant in Vancouver nicht nur das Gitarrenspielen erlernte, sondern dabei im home-recording-Verfahren auch zwei Alben aufgenommen hat, die man sich über seine Webseite downloaden kann. Doch neben der musikalischen Raffinesse lernte Thorsten Nesch in Kanada auch zwei Jahre lang Srciptdoctoring = Drehbuchdoktor. Bekannt wurde der Autor mit seinem Roadmovie „Joyride Ost“, das unter anderem vom Oldenburger Jugendbuchpreis zum besten Deutschsprachigen Debut, vom Landshuter Jugendbuchpreis zum besten Jugendbuch nominiert wurde. Sein aktuelles Buch bei rororo „Verkehrt!“ überzeugt wieder mit einer herrlich schrägen und temporeichen Geschichte, mit witzigen Dialogen.

Auch seine Romane im self-publishing-Format über Epubli/Verlagsgruppe Holtzbrinck finden viel Zuspruch. So zum Beispiel „Flirren“ (2011), der zum Jubiläumspreis des Eichborn Verlages nominiert war oder „Helden – oder: Warum Kometen nicht auf Idaho stürzen“, was eine ganz unkonventionelle und nicht so ganz ernst gemeinte Anleitung für Jugendliche ist, wie sie Romane schreiben können.

Doch Thorsten Nesch ist nicht nur Autor von Romanen und Hörspielen, Drehbuchdoktor, er begeistert auch als moderner Geschichtenerzähler bei Lesungen, Workshops und als Kabarettist.

Zwischen seinen zahlreichen Aktivitäten habe ich den sympathischen und kreativen Tausendsassa zwischen Buch und Deckel für ein Mail-Interview erwischt:

Thorsten Nesch, Du bist 1968 in Solingen geboren und 1998 mit 30 Jahren für drei Jahre nach Kanada gegangen.

Was hast Du vorher gemacht und mit welchem Ziel bist Du nach Vancouver gegangen?

Thorsten Nesch:

In den 90er Jahren drehte sich alles darum, wie ich mir meine Zeit finanzieren konnte, um zu schreiben, Party zu machen und ein-zweimal im Jahr mit dem Rucksack loszuziehen. Erst jobbte ich als Computertastaturreinigungsfachkraft, dann als Pizzataxifahrer, und dann arbeitete ich für das Pentagon. Also das hier in Leverkusen, gute Kneipe. Dort organisierte ich auch regelmäßige Lesungen. Außerdem arbeitete ich 20 Stunden für einen galaktisch großen Mediamarkt in der CD-Abteilung. Einmal die Woche sollte eine CD besprochen werden im Radio Leverkusen. Weil mein Chef wusste, dass ich mich weniger blöde mit Worten als mit CD-Türmen anstellte und mich noch einigermaßen artikulieren konnte, schickte er irgendwann mich hin. Ein paar Wochen später fragte man mich beim Radio, ob ich da als freier Mitarbeiter jobben wollte, ich sagte klar, und kündigte bei der CD Abteilung, denn ebenso rezensierte ich mittlerweile CDs für ein Kulturmagazin. Schließlich machte man mir das Angebot, als Redakteur bei dem Magazin einzusteigen. Ein Kulturmagazin, wunderbar, dachte ich. War dann aber nicht so. Nach einem halben Jahr (indem ich auch die erste Fassung von FLIRREN im Büro geschrieben hatte, weil es bei einem Monatsmagazin 10 Tage etwas zu tun gibt und 10 Tage nicht) kündigte ich und ging wieder in die CD Abteilung. Das war auch viel lustiger.

Mein Ziel war eigentlich gar nicht Vancouver sondern Seattle. Aber ein netter Kollege aus der CD Abteilung meinte, wenn ich dort schon hinfliegen würde, dann sollte ich nach Vancouver, das wäre nicht weit weg, der Kanadische Dollar dafür weitaus billiger und ich könnte sagen, ich wäre mal in Kanada gewesen. Ich flog also nach Vancouver und wollte eigentlich sofort Richtung Süden runter nach San Francisco, aber Vancouver war der Kracher, also entschied ich mich gen Norden zu reisen, die Küste hoch anstatt runter. Und es wurde immer besser. Einige Erlebnisse tauchen nun in dem Roman auf, den ich gerade beendet habe: BASTI ERLEBNISMILLIONÄR.

Ach ja, nach fünf Wochen habe ich dann meine Frau kennen gelernt.

Was genau macht ein Scriptdoctoring/Drehbuchdoktor, wo genau hast Du das in Kanada erlernt?

Thorsten Nesch:

Das Arbeitsfeld ist weit gestreut: Dramaturgie, Exposees überarbeiten, das sind Zusammenfassungen von Geschichten, oder diese in Langform verfassen (Treatment), ebenso unfertige Drehbücher beenden, umschreiben, oder einfach auch nur mündlich Input geben.

Nachdem ich nach Kanada gegangen war, meine Frau ist ja Kanadierin, war das erstmal so, als hätte mir jemand den Teppich unter den Füßen weggezogen, denn mit meiner Sprache konnte ich dort erstmal nichts anfangen. Arbeiten durfte ich auch nicht, gut, das konnte ich verschmerzen. Deshalb schlenderte ich mit Gitarre durch die Straßen, bis ich vor einem unabhängigen Filmhaus stand. Eigentlich dachte ich, Thorsten, der Zug ist abgefahren, zu alt, bin ja schon 30, aber ich hatte auch noch irgendwie 30 Minuten, bis mein Bus kommen würde, also bin ich rein. Mir wurde erklärt, dass ich mir ehrenamtliche Dollar durch ehrenamtliche Mitarbeit verdienen konnte, die ich für Equipment oder Fortbildung ausgeben konnte. Zeit hatte ich satt. Und es war meine Chance, mein Defizit an Sprache mit Bildern und Ton ausgleichen zu können. Ich habe dann gleich angefangen zu fegen. Das war der erste Tag. Am zweiten habe ich die 16 mm Filmbibliothek sortiert und so weiter.

Ich habe dann Workshops und Seminare besucht, schließlich auch von John Frizzell, der in L.A. arbeitet und in Vancouver eine Skriptdoctoring-Schule leitet. Ich habe ein Dutzend Kurzfilme gedreht und vier Spielfilme und eine Dokumentation. Nichts brachte Geld, aber die Filme liefen auf Festivals und einer wird bis heute regelmäßig als Beispiel gezeigt, wie man einen No-Budget Film machen kann.

Am Ende saß ich im Vorstand des Filmhauses, gab selber Workshops und war Jurymitglied bei einem internationalen Filmfest.

Warum bist Du wieder von Kanada nach Good old Germany zurückgekehrt?

Thorsten Nesch:

Habe ich erwähnt, dass nichts Geld brachte? Also arbeitete ich in Kanada nebenher als technischer Assistent in einem Museum. Viele Schlüssel, viele Surrealisten, viel Verantwortung, wenig Geld. Und weil weder dort noch irgendwo anders mehr Arbeit in Aussicht war, wir aber noch mindestens ein weiteres Kind haben wollten, sind wir dann zurück nach Deutschland. Wir haben dann noch zwei weitere Kinder bekommen, aber viel mehr Geld wurde es auch nicht.

Ist es Zufall oder Heimatverbundenheit zum Rheinland, dass Du heute in Leverkusen lebst?

Thorsten Nesch:

Leverkusen lebt. Was ich damit sagen will, die Stadt klammert sich an deine Knöchel, sie ist wie eine gestaltlose Kreatur aus einem 80er Jahre Science-Fiction-Film.

(Hey, ich glaube, noch nie hat jemand etwas so Schönes über Leverkusen gesagt)

 Du schreibst gerne temporeiche Roadmovies: „Strandpiraten des Lebens“, „Flirren“, „Joyride Ost“. (Wieso heißen die eigentlich im Buchformat auch Roadmovie und nicht Roadbook??)

Was fasziniert Dich gerade an diesem Format?

Thorsten Nesch:

Vor allem bin ich selber immer gerne gereist. Eine gute Reise ist wie ein kleiner Tod des alten Ichs, ist eine kleine Wiedergeburt, wenn man sie alleine oder mit der richtigen Person unternimmt, wenn man sich treiben lässt und mit den Menschen spricht und ihnen zuhört. Und die Grundidee zu allen drei Romanen entstand bei eigenen Reisen.

Deine Romane sind in einem dynamischen Tempo geschrieben, schnelle Szenenwechsel, schlagfertige und witzig-ironische Dialoge, dabei dramaturgisch spannend aufgebaut. Du projezierst Bilder „wie ein Film“ im Kopf des Lesers.

Fließen da Erfahrungen, technische Raffinesse aus Deiner erlernten Drehbucharbeit mit ein?

Thorsten Nesch:

Danke! Das könnte man vermuten. Tatsächlich ist es eher anders herum, ich habe schon als Teenager derartige Geschichten gelesen und ziehe sie heute noch 600 Seiten-Wälzern vor. Da fiel mir das Umschalten von Prosa auf Drehbuch in Kanada leicht, schwierig war dort, glaubwürdige Dialoge zu schreiben, wo jede Figur ihren eigenen Ton hat. Daher lasse ich nun meine Romane ins Englische übersetzen.

In Deinem aktuellen Roman aus dem rororo-rotfuchs-Verlag „Verkehrt!“ geht es um Körpertausch. Durch einen misslungenen Physikversuch landet Frank im Körper von Elizabeth und umgekehrt. Das alleine ist schon ein Wahnsinn, wäre da nicht die zwei völlig unterschiedlichen sozialen Schichten, die die Beiden jetzt kennenlernen und mit fertig werden müssen.

Es gibt ja schon einige Filme, die dieses Thema mehr oder weniger erfolgreich und amüsant umgesetzt haben. Hattest Du deswegen keine Bedenken, dieses Thema als Roman umzusetzen?

Thorsten Nesch:

Ja, hatte ich. Bis zu dem Moment, als mir die Idee kam, Mensch, was ist, wenn einer der beiden gar nicht mehr zurück tauschen will? Das hob die Idee für mich über andere. Dann habe ich mir einige Romane und Filme als Recherche reingepfiffen und dachte als nächstes: Da ist aber noch einige Luft nach oben, da geht noch einiges, wenn ich mir das vorstelle, wenn das wirklich möglich wäre!

Würde es Dich selber mal reizen, den Körper mit einer Frau zu tauschen – aber mit gesicherter Rückkehr?

Thorsten Nesch:

Mein Vertrauen hat Grenzen! Nachher läuft am nächsten Tag der Arzt mit seiner Geliebten weg und die Firma geht in Konkurs. Dann stehe ich dumm da, so als Frau. Wäre auch schwer, meinen Kindern das zu erklären. Die Arbeit würde mir auch niemand abnehmen. Ich hab’s schon schwer genug. Außerdem reicht ein mal Pubertät.

Wenn ja, was würdest Du auf jeden Fall dann einmal ausprobieren?

Thorsten Nesch:

Testen, wie es sich anfühlt, wenn man nicht Luft ist.

Die Tatsache, dass Du zwei extrem gegensätzliche soziale Schichten bei Frank und Elizabeth gewählt hast, kommt sicher nicht von ungefähr?

Thorsten Nesch:

Dass eine entspricht meinem Wunsch, das andere meiner Realität. Na, ganz so ist es nicht. Nachdem ich wusste, welche Geschichte ich erzählen wollte, überlegte ich mir die möglichen Figurenkonstellationen, die das am glaubhaftesten und am extremsten spielen konnten. Heraus kamen die beiden – und dazu noch ihre großartigen Elternteile …

Du veröffentlichst auch bei Epubli/Verlagsgruppe Holtzbrinck im Format self-publishing Bücher, was ja zunächst einmal eine finanzielles Risiko darstellt.

Ist das eine bessere Möglichkeit, evtl. eine Eintrittskarte, einen etablierten Verlag zu finden oder wird es eher negativ betrachtet?

Thorsten Nesch:

Ein finanzielles Risiko? Ein finanzielles Risiko bin ich mit DIE LOKOMOTIVE und FLIRREN eingegangen, weil sich verschiedene Verlage, in beiden Fällen über drei Jahre überlegt haben, die Bücher zu veröffentlichen, und ich darauf vertraut habe. Das wird nicht wieder vorkommen. Das kann ich mir nicht leisten bei meiner Familie. Ich wünschte, ich hätte so viele Ersparnisse und könnte das ganz cool sehen, weil sich das so gehört, aber das geht leider nicht. Eine Möglichkeit, auf diese Weise einen etablierten Verlag zu finden, besteht nur bei entsprechenden Verkaufszahlen. Darüber mache ich mir keine Illusionen.

Ich biete diese vier Publikationen als Ebooks für 1,50 € an. Ist das mein Ausverkauf? Nein, keineswegs, ich verdiene an einem Download sogar etwas mehr als an einem verkauften Buch. Der einzige, der finanziell gewinnt, ist der Leser oder die Leserin. Die könnten sich wiederum fragen: Ist das Buch nicht mehr wert, wenn es so wenig kostet? Natürlich glaube ich, dass jede dieser vier Publikationen jeweils genau so viel wert sind wie eine vergleichbare aus einem großen Verlag, aber wer mir das nicht so abnimmt, den möchte ich fragen: Glaubst Du, gemessen am Preis, die anderen Romane sind zehnmal besser?

Ganz objektiv: Sorry, but no, Sir.

Ein Beispiel:

Für SCHOOL-SHOOTER habe ich auf Basis der ersten 40 Seiten das Literaturstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen erhalten, das Treatment bekam die besondere Belobigung der Jury beim Filmfest Münster, mir wurde das Stipendium zur Erstellung eines Hörspielmanuskriptes der Film- und Medienstiftung NRW auf Basis des Romans zugesprochen und es wurde gerade vom WDR angefordert, und die Agentur Anotherstory in Berlin bietet den Stoff zur Zeit den Produktionsfirmen an.

Wie grützig kann da der Roman sein?

(Hinweis der Fragenstellerin: die ebooks gibt es bei amazon, Apple Ibookstore und bei epubli)

Du nennst Dich selber hauptberuflicher moderner Geschichtenerzähler. Ich gehe einfach mal davon aus, dass Du bei einer Lesung nicht nur aus Deinem Buch vorliest und die Veranstaltung mit „Hat noch jemand eine Frage?“ beendest? –  Bist Du im positiven Sinne eine „entertainende Rampensau“? 😉

Thorsten Nesch:

Mir machen Lesungen einfach Spaß. Angefangen hat das ganz anders, bei meiner ersten Lesung war ich so nervös, dass sich das Blatt Papier mit meinem Gedicht in meinen klatschnassen Händen zersetzt hat. Zum Glück war es nicht allzu lang, und die Reaktionen gaben mir Mut, weiter auf die Bühne zu gehen. Dadurch hatte ich bereits mehrere 100 Lesungen, bevor JOYRIDE OST im Rowohlt Verlag erschien und es so richtig losging mit Lesungstouren. Super. Das genieße ich, und durch meine Erfahrung weiß ich, was funktioniert und was nicht.

Um etwas gut vorzulesen, muss es aber auch gut sein. Einen schlechten Roman kann kein Christian Brückner gut vortragen. Quark bleibt Quark.

Thorsten Nesch live und in action (c) Th. Nesch

Thorsten Nesch live und in action (c) Th. Nesch

 

Du bietest auch Workshops an. Was sind das für Workshops und für welche Zielgruppe?

Thorsten Nesch:

Ich gebe unterschiedliche Workshops: Creative Writing, dessen Inhalt ich in hoffentlich auf ebenso unterhaltsamer Weise in HELDEN – ODER WARUM KOMETEN NICHT AUF IDAHO STÜRZEN (Wie Jugendliche Romane schreiben können) zusammengefasst habe, multimediales, medienübergreifendes Schreiben, oder wie zur Zeit für Bayer Kultur einen halbjährigen Workshop, in dem Jugendliche gemeinsam einen Roman schreiben. Ein wunderbares Projekt, weil selten und die Gruppe sehr motiviert ist, und ich freue mich schon auf die neuen Texte und unser nächstes Treffen.

Du hast ja ganz viele verschiedene Projekte: Hörfunk, Film, Romane, Lesungen, Workshops, Bühne…

Wie disziplinierst Du Dich für das Schreiben?

Thorsten Nesch:

Vor jedem Anfang steht die Auswahl. Ich habe stets zwei bis vier ausgearbeitete Ideen, aus denen ich diejenige aussuche, nach der ich mich fühle. Dann recherchiere ich noch ein bisschen weiter und lege parallel los. Nach der Erstfassung folgt eine zweite, dann mache ich die Endkorrektur des vorherigen Romans, schicke den ab und widme mich wieder dem aktuellen.

Gibt es ganz regelmäßige und feste Schreibtischarbeitszeiten oder fließt das so nebenbei?

Thorsten Nesch:

Nebenbei? Nein. Früher musste ich schreiben, wenn es meine Jobs mir erlaubten. Arbeitete ich in der Nacht, schrieb ich tagsüber und umgekehrt.

Heute ist es so, dass ich morgens um 6.30 Uhr mein Frühstück mache und sofort ins Schreibzimmer gehe, mittags hole ich Charlie von der Schule ab, wir essen alle lecker zusammen, und dann schreibe ich wieder, vielleicht eine Stunde oder zwei, dann Emails und Anrufe bis 16h oder 17h. Morgens vor 11.30 Uhr braucht man mich in der Regel nicht anrufen, ich gehe nicht ran, und ich lese auch keine Email.

Ich sammle quer durch alle Autoreninterviews Meinungen zum Deutschen Jugendliteraturpreis.

Welchen Wert hat dieser Preis für Dich – stellt er etwas besonderes da?

Thorsten Nesch:

Auf jeden Fall! Wobei mein Geschmack eher durch die Jugendjury reflektiert wird.

 Glaubst Du, dass er sich in seiner Wertigkeit in den letzten Jahren verändert hat?

Thorsten Nesch:

Dazu kann ich wirklich nichts sagen. Die Welt ist zu weit weg von mir. Bis JOYRIDE OST in 2010 war ich noch nicht mal Jugendbuchautor. Ich hatte ja nie vor, einen Jugendroman zu schreiben. Es war zu dem Zeitpunkt einfach nur die beste Idee. Davor habe ich mich gar nicht damit beschäftigt. Es gibt viele Kollegen, die sicherlich besser darüber Auskunft geben können.

Was wäre für Dich wichtiger – die Nominierung der Kritikerjury oder die der Jugendjury (bestehend aus sechs Jugendleseclubs)?

Thorsten Nesch:

Lach … dann erwähne ich hier einfach mal, dass ich auch bei Emailinterviews jede Frage nacheinander beantworte und nicht erst alle durchlese, denn sonst hätte ich die Antwort nicht schon oben gegeben. Jugendjury.

Wird er überhaupt und bemerkenswert vom Buchhandel repräsentiert?

Thorsten Nesch:

Jetzt muss ich zur Bestürzung vieler wahrscheinlich zugeben, dass ich gar nicht so oft im Buchhandel bin, wie ich gerne sein möchte, um das festzustellen. Neue Bücher kaufen wir nur für unsere Kinder, für die Schule und als Geschenke. Sämtliche meine Bücher sind aus dem Antiquariat. Leider verdiene ich nicht so viel. Das letzte Buch, das ich mir neu gekauft habe? Ich gucke mich gerade um … Ich erinnere mich nicht. Echt. Soll jetzt aber auch nicht nach Jammern klingen, ich tue den ganzen Tag, was ich am liebsten und am besten tue. Ich habe mich nie besser gefühlt!

Sind kleinere, vielleicht manchmal auch unbekanntere Preise vielleicht wichtiger oder zumindest genauso wichtig?

Thorsten Nesch:

Genauso wichtig! Ja, und es kann gar nicht genug davon geben. Aus meiner Sicht natürlich vor allem mit ausschließlich Jugendlichen in der Jury. Jetzt mal ehrlich: Wenn Erwachsene Jugendbüchern Preise verleihen, warum gibt es dann keine Jugendjury für Erwachsenenromane?

Auch für Dich zum Abschluss die drei berühmten Fragen:

Wann schreibst Du? (morgens, mittags, abends, immer)

Thorsten Nesch:

Ups, siehste, die habe ich auch schon oben beantwortet. Montag bis Freitag, kann aber auch mal Samstag werden. Ideen notiere ich mir immer, egal wo, wie, wann und auf was.

Wie schreibst Du? (Laptop, per Hand, PC)

Thorsten Nesch:

Ja, ja und ja, und die Erstfassung diktiere ich immer. Ich arbeite mit einem Spracherkennungsprogramm. Gerade auch, ich stehe, und gucke aus dem Fenster, und nun schaue ich auf den Bildschirm, um zu überprüfen, ob auch alles richtig geschrieben ist. Super, sieht gut aus, nächste Frage.

Wo schreibst Du? (Arbeitszimmer, Küche, Baumhaus, überall)

Thorsten Nesch:

Hui, auch schon beantwortet, aber beim Reisen habe ich per Hand stets viele Aufzeichnungen gemacht: im Zelt, am Strand, in Cafés, im Zug, im Bus, auf Schiffen und in einem Baum in Westkanada, zwar ohne Baumhaus, aber der war auch mal dabei. Ich habe Seiten, da knirscht der Sand zwischen, andere sind gewelllt vom Regen, sie riechen nach Spiritus (ausgelaufener Campingkocher), nach Kaffee, Sonnencreme, Leben. Wunderbar.

Lieber Thorsten, vielen Dank für Deine Zeit und ausführlichen Antworten. Ich wünsche Dir bei all Deinen kreativen Projekten viel Spaß und Erfolg! 🙂

Sabine Hoß

Thorsten Nesch:

Vielen lieben Dank, Sabine, Dir auch!!!

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