König, Dame, Joker

Louis Sachar

Deutsch von Werner Löcher-Lawrence

Bloomsbury, August 2011

368 Seiten, €  16,90

ab 14 Jahre

 

„Was können sie schon spielen?“, fragte mich Leslie später in meinem Zimmer. „Quartett? Sie fragt: Hast du die Karo-Sieben? , und was dann? Toni guckt in seine Karten, ob er sie hat, und kann dabei so leicht mogeln!“ „Warum sollte sie einen blinden
alten Mann betrügen, der nicht mehr lange zu leben hat?“, fragte ich. „Wahrscheinlich geht es genau andersrum. Er fragt sie, ob sie die Karo-Sieben hat, und sie sagt:
Verflixt, da hast du mich schon wieder erwischt, und gibt ihm den Pik-König.“ „Und dann ändert er sein Testament und hinterlässt ihr sein ganzes Geld“, sagte Leslie.

König Dame Joker ist ein Buch mit einem außergewöhnlichen Thema, über das ich bisher noch nie etwas gelesen habe: über Bridge, dem Kartenspiel, bei dem man an Frauen über 60 beim wöchentlichen Kaffeekränzchen denkt. In diesem Buch erfährt man, dass Bridge keinesfalls nur für alte Leute interessant ist, man beginnt mehr über das Spiel erfahren zu
wollen. Das macht der Autor Louis Sachar allerdings fast zunichte, denn bis auf einige Grundregeln sind seine Erklärungen kompliziert und trocken, weshalb es schwer ist, von ihnen zu lernen. Immer, wenn eine der Erklärungen kommt, ist die übrige Handlung in vollem Gange, und durch die teilweise langweilige Theorie wird die Spannung, die ohnehin oft nur mühsam aufrechtzuerhalten ist, vernichtet. Überhaupt hat das Buch wenig wirklich fesselnde Handlung, obwohl das humorvolle Erzählen aus der Sicht von Hauptperson Alton gut ist. Einzig Onkel Lesters Vergangenheit und seine Person lassen die Geschichte aufleben. Anfangs zeigt er sich Alton gegenüber schweigsam, zynisch und verbittert, doch als er merkt, dass Alton sich wirklich für Bridge und das große Talent seines Onkels zu interessieren scheint, kommt er allmählich hinter seiner Fassade hervor und erzählt von Wettkämpfen, Meisterschaften und schließlich auch von seiner Liebe und ehemaliger Bridgepartnerin Annabel, der Frau eines berühmten Politikers. Obwohl Alton den Job, für seinen blinden und reichen Onkel die Karten zu legen zuerst widerwillig macht und nur, weil seine Familie scharf auf eine Geldvererbung ist, schließt er Lester ins Herz. Schließlich treten er und Tony, die gleichaltrige und hübsche Nachbarin seines Onkels, sogar bei einer landesweiten Meisterschaft an. Manche Personen kann man sich oft schlecht vorstellen, weil der Autor sich nicht oft einer bildlicher Sprache bedient. Gerade Alton ist eine verschwommene Person, man kann ihm keine richtige Charaktereigenschaft zuschreiben, und das, obwohl er die Hauptperson der Geschichte ist. Außerdem finde ich den Namen der deutschen Ausgabe völlig unpassend, da man im Bridge überhaupt keine Joker benutzt, was zeigt, wie unbekannt Bridge doch ist. Der Name der englischen Fassung „The Cardturner“ ist da viel passender. Auch das Cover steht nicht in der geringsten mir erkennbaren Verbindung zur Geschichte und ist auch ansonsten nicht besonders toll.

Insgesamt ist dieser Roman kein herausragendes Buch, aus dem man – gerade wegen des besonderen Themas – etwas Besseres hätte machen können. Trotzdem ist es bestimmt interessant, dieses unbekannte Kartenspiel kennen zu lernen.

Isabel, 14 Jahre

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