Du bist dran

Charles Benoit

Aus dem Amerikanischen von Mareike Weber

cbt, August 2011

224 Seiten, €  12,99

ab 13 Jahre

 

 

Inhalt:

Der knapp sechzehn Jahre alte Kyle Chase hat es in der achten Klasse verpasst, auf gute Notenhinzuarbeiten, damit er gemeinsam mit seinen Kumpels auf die angesagte Odyssey Highschool gehen kann. Stattdessen ist er auf der Midlands High gelandet und hängt ziemlich durch. Er fühlt sich als Verlierer und gibt sich im Grunde für nichts wirklich viel Mühe. Der einzige Lichtblick auf seiner Schule ist Ashley, in die sich Kyle verliebt hat. Doch auch hier bleibt er mehr als zurückhaltend und kommt nicht aus sich heraus. Kyle ist ein „Hoodie“ und hängt entweder alleine oder mit gleichgesinnten Kumpels ab. Mit seinen Eltern gerät Kyle ständig aneinander: Die Mutter redet ständig davon, dass er Verantwortung übernehmen und sich endlich für einen Job bewerben soll, der Vater ignoriert ihn meistens. Nur Paige, seine fünf Jahre alte Schwester will, wenn sie groß ist, so sein wie Kyle. Als der neue Schüler Zack in seine Klasse kommt, erwacht Kyle aus seinem Dornröschenschlaf, denn Zack verwirrt und provoziert ihn gleichermaßen. Seine Provokationen sind zunächst noch anregend und neu, doch im Laufe der Zeit entwickelt Zack ein perfides Spiel daraus. Ein Spiel, bei dem Kyle immer als Verlierer dasteht.

Rezension:

Mobbing – nicht nur in der Schule – und Manipulation bei Jugendlichen sind leider durch ihre Aktualität angesagte Themen.  Diese Tatsache hat auch Charles Benoit für sein erstes Jugendbuch gewählt, das reißerisch als intelligenten Psychothriller beworben wird. Das Buch beginnt mit dem Ende der Geschichte, was stilistisch gewagt, jedoch interessant sein könnte, wenn sich der Inhalt zwischen Anfang und Ende fesselnd entwickeln würde. Vielleicht liegt es an der Erzählposition der zweiten Person in der Gegenwart als weitere stilistische Note, dass genau diese Form im Laufe des Buches langweilt, ja nahezu nervt. Benoit ist es zwar gelungen, ein transparentes Charakterbild von Kyle zu schaffen, trotzdem bleibt der Protagonist hölzern und unnahbar. Kyle schwankt zwischen den Gefühlen, ein absoluter Loser zu sein, dem Wunsch nach völliger Unabhängigkeit und Freiheit und dem mangelnden Willen, über seinen Schatten zu springen und sich seinen Zielen, Träumen in der Realität zu nähern. Von seinen Eltern bekommt er außer  Vorwürfen und Zurechtweisungen keinen wirklichen Rückhalt, was ihn demütigt und kränkt. Kyle reagiert spontan und emotionsgeladen und schießt durch sein unbedachtes Verhalten oft über das Ziel hinaus. Dass der Autor ehemaliger Highschool-Lehrer war, erkennt man in der wirklichkeitsnahen Wiedergabe der Gefühle und Gedanken von Kyle und anderen Personen seiner Generation. Der Autor nimmt aber auf humorvolle Weise auch seine eigene Altersklasse nicht zu ernst, was man an der Überlegung von Kyle sieht, dass es wohl auch eine Erwachsenen-Pubertät geben muss, die im Gegensatz zu der jugendlichen bis zum Ende des Lebens andauert. Leider sind das aber nur seltene Momente, die sich aus dem Roman hervorheben. Ansonsten nähert sich die Spannung wenig einem Psychothriller, dafür sind zu viele Nebensächlichkeiten eingestreut. Der Höhepunkt am Schluss ist schon relativ schnell vorhersehbar, vor allem, nachdem man ihn bereits am Anfang schon lesen durfte. Zack ist als ätzender Charakter und Kyles Kontrapunkt gelungen und wie er sich perfide Kyles Vertrauen erschleicht und dabei Kyles unkritische Wehrlosigkeit ausnutzt, beobachtet man fassungslos. Diese Beziehungsschlacht ist zwar gelungen, trotzdem verliert sich der Appell, dass jeder Mensch immer die Möglichkeit hat, seine Handlungen zu überdenken, bevor er eine Entscheidung trifft. Auch wenn sich am Ende die Beziehung zwischen Kyle und Zack zu einem dramatischen Finale zuspitzt, gehört dieses Buch nicht zu denen, die beim Weglegen nachhallen. Trotz einiger wirklich guter Ansätze ist die Thematik nicht spannend genug strukturiert, die Charaktere bleiben flach und der Schluss ist zu absehbar. Das Cover ist auffallend, der Inhalt leider weniger.

Sabine Hoß

Bewertung:

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