Als gäbe es einen Himmel

Els Beerten

Aus dem Niederländischen übersetzt von Mirjam Pressler

FJB, Oktober 2011

624 Seiten, € 19,95

ab 14 Jahre

 

 

Die Geschichte spielt in den Jahren 1942-1947 in Belgien, das von den Nationalsozialisten besetzt ist. Jef, seine Schwester Renée und ihr kleiner Bruder Remi leben mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf in Flandern. Jefs bester Freund Ward verliebt sich in Renée und sie sich in ihn. Als die Deutschen an der Ostfront immer höhere Verluste erleiden, rufen der Pfarrer und der Lehrer die Jugendlichen auf zum Kämpfen – gegen die Russen. Die Russen seien nämlich „gottlos“, barbarisch und metzelten alles nieder was ihnen in den Weg kommt. Der Pfarrer und der Lehrer erzählen den Jungs, dass es eine Heldentat sei, wenn man an der Seite der Deutschen gegen die Russen kämpfe. Welcher Junge möchte nicht ein Held sein? Jef und Ward möchten sich zur deutschen Armee melden. Jefs Eltern sind strikt dagegen sodass sich Jef nicht traut einfach mitzugehen. Ward kann sich gegen seine verwitwete Mutter durchsetzen und zieht in den mörderischen Krieg. Er glaubt an die Versprechungen der Anwerber und erhofft sich eine heldenreiche Zukunft. Renée wendet sich enttäuscht von ihm ab. Ward wird von allen als ein Mörder beschimpft und seine Mutter wird verachtet. Erst 1947 treffen die Schicksale von Jef und Ward wieder aufeinander. Ward, der zwischendurch untergetaucht war, bekommt Heimweh, stellt sich der Polizei und möchte sich mit der Welt aussöhnen, auch wenn er einen schweren Prozess wegen seiner SS-Zugehörigkeit vor sich hat. Der Leser erfährt erst allmählich von der „wahren“ Geschichte und von den wirklichen Gesichtern der einzelnen Personen.

Das Buch gewinnt im Laufe der Zeit immer mehr an Dramatik. Man ahnt, dass da mehr sein muss als eine Freundschaftsgeschichte. Wie groß ist die Schuld des Einzelnen? Wieweit darf eine Lebenslüge gehen, besonders wenn auch die Familie betroffen ist? Nehmen wir Familien in „Sippenhaft“, auch wenn sie selbst an einem Verbrechen unschuldig, ja sogar ahnungslos sind? Jef löst seine aussichtslose Lage durch eine dramatische Aktion.

Els Beerten erzählt in kurzen Kapiteln aus den Perspektiven der Kinder Jef, Renée, Remie, Ward und von Martin Lenz, der eine besondere Rolle spielt. Am Anfang fand ich es etwas schwierig, die erzählenden Personen zu erkennen, zumal sie nicht vorgestellt wurden. Die Autorin schildert sehr anschaulich und gefühlvoll die Beziehungen der einzelnen Personen. Sie stellt Fragen, die man diskutieren sollte.

Wer sich für Geschichte interessiert und sich den moralischen Fragen stellen möchte, den wird dieses Buch berühren. Allerdings sollte man sich mit der Geschichte und den Geschehnissen des 2. Weltkriegs etwas auskennen. Ich empfehle dieses Buch ab 14 Jahren. Es ist auf jeden Fall hilfreich, wenn man eine Person hat mit der man über dieses Buch und über die geschichtlichen Ereignisse diskutieren und sich austauschen kann.

Rixa, 14 Jahre

 

Dieser Beitrag wurde unter Rezensionen von Jugendlichen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.