Der Krieg ist ein Menschenfresser

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Elisabeth Zöller

Hanser, 03.02.2014

288 Seiten, € 15,90

ab 14 Jahre

 

 

 

1914 in Leipzig: Es herrscht Volksfeststimmung auf den Straßen, denn der Krieg hat begonnen. Auch Ferdinand und August werden erfasst von der Freude darauf ,im Krieg Helden zu werden und sind auch schon bald darauf auf den Weg ins Frankenreich. Im Gepäck: Eine braune Ledertasche und ein Fotoapparat, mit denen Ferdinand seiner Familie daheim vom Krieg berichten soll.

Berlin im März 1918: Nachdem Sophie ein Telegramm von ihrem Jugendfreund Max erhalten hat, fährt sie sofort zu ihm. Doch bei ihm angekommen, erfährt sie, dass er unter der Krankheit „Kriegsverrückt“ leidet. Doch das ist noch nicht mal das Schlimmste. Er soll wichtige Beweismittel versteckt halten, wobei eine braune Ledertasche eine geheimnisvolle Rolle darin spielt.

Authentisch und ohne zu übertreiben beschreibt die Autorin zwei Leben: eins vor und eins nach dem Krieg. Das Leben vor dem Krieg handelt von dem jungen Ferdinand, dessen Familie, was eigentlich eher untypisch für diese Zeit war, gegen den Krieg ist und sich nicht von der allgemeinen Heiterkeit anstecken lässt.Ferdinand zögert auch eher davor, für sein Vaterland zu kämpfen, ist er doch in die Schwester seines besten Freundes August verliebt. Dennoch lässt er sich von ihm überreden, sich für den Kriegsdienst anzumelden.

Besonders überzeugend gelungen ist die Beschreibung der damaligen Stimmung und die Situation um Ferdinand. Zum einen ist da die große Freude auf Ruhm und Ehre für das Vaterland. Als Ferdinand aber im Kriegsgetümmel merkt, dass doch nicht alles so toll ist, wie es in der Heimat vermittelt wird, fängt er an die Wahrheit über den Krieg mit Hilfe von Fotos zu dokumentieren. Eine gefährliche Aufgabe, die dem Hauptcharakter des ersten Teils des Buches eine Menge Mut abverlangt, denn mehr als einmal steht er davor erwischt zu werden. Im zweiten Teil des Buches erfährt man aus der Sicht von dem kriegfreudigen Max, wie er, ohne es zu ahnen, auf Friedrich trifft und wie sein Weg während des Krieges aussieht. Auch Max merkt schnell, dass der Krieg eine gefährliche Sache ist, vor allem als er unbeabsichtigt  einen Mord begeht, der ihn mit der braunen Ledertasche in Verbindung bringt. Im dritten Teil trifft man auf Sophie, die ihren Jugendfreund Max nach dem Krieg in einer vollends psychisch geschändeten Verfassung wieder sieht. Hier spiegelt die Autorin mit Max sehr gut das Bild eines Kriegsverrückten wider, der nach seiner Rückkehr psychisch total am Ende ist. Er zertrümmert seine Möbel und laute Geräusche erinnern ihn an furchtbare erlebte Situationen aus dem Krieg. Es wird nicht nur die Person, ihre Gefühle und ihre Geschichte einfühlsam geschildert, sondern auch, wie das Umfeld reagiert und die politische Lage aussieht. Zusätzliche Informationen sind im Glossar am Ende des Buches zu finden,  das unbekannte Wörter ausführlicher erklärt. Zudem gibt es eine Zeittafel, die die Abläufe des Ersten Weltkrieges dokumentiert und kurz zusammenfasst.

Ein absolut spannendes Buch, das ich jedem empfehlen kann, der sich für den Ersten Weltkrieg interessiert und mehr darüber erfahren möchte.

Johanna, 16 Jahre

 

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