Das Jahr, nachdem die Welt stehen blieb

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Clare Furniss

Aus dem Englischen von Andrea O`Brien

Hanser, Juli 2014

272 Seiten, € 16,90

 

 

 

Als die Mutter von der 15-jährigen Pearl bei der Geburt ihrer Schwester stirbt, bricht für sie eine Welt zusammen. Sie fällt in ein tiefes Loch, in der ihr alles egal ist. Schulnoten, ihr Leben, all das interessiert sie nicht mehr. Doch am größten ist der Hass auf ihre neugeborene Schwester Rose, der sie die Schuld an dem Tod ihrer Mutter gibt und sie nur noch „die Ratte“ nennt. Doch kurz nach der Beerdigung ihrer Mutter erscheint diese ihr immer wieder und sehr langsam versucht Pearl sich ins Leben zurück zu kämpfen.

Ein sehr trauriges Buch, das voller Schmerz und Verlust steckt. Pearls Trauer wirkt während des Lesens ansteckend und auch ihre in ihrer Trauer umgewandelte Wut auf ihre kleine Schwester ist nachvollziehbar. Da das Buch immer in Monatsabschnitte eingeteilt ist, die zusammen ein Jahr erfassen, kann man die Entwicklung von Pearls Trauerzustand immer bestens verfolgen. Auch wenn ich anfangs die Idee, Pearls Mutter nach dem Tod immer wieder in Gespräche mit ihrer Tochter auftauchen zu lassen etwas zu kindlich für ein Jugendbuch fand, muss ich am Schluss zugeben, dass es doch eine schöne Idee gewesen ist. Dadurch bekommt Pearl die Gelegenheit, sich von ihrer Mutter zu verabschieden und auch die Gespräche zwischen den beiden haben die meist düstere und traurige Stimmung, die fast das gesamte Buch beherrscht, aufgelockert. Natürlich ist die Tatsache, dass die Mutter nach ihrem Tod in den Gesprächen nahezu real Pearl gegenüber sitzt, völlig surreal, aber man mag es der gelungenen Geschichte gerne verzeihen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich Pearl nach einer Weile am liebsten aus ihrem Trauerzustand wachgerüttelt hätte. Einerseits kann ich verstehen, dass sie sehr traurig über den Tod ihrer Mutter ist und in ein tiefes depressives Loch fällt. Jedoch schlägt sie oft die kleinsten Dinge aus, die ihr Leben hätten fröhlicher machen können und sei es auch nur für ein paar Minuten oder Stunden. Doch ich glaube, dass es genau das, was dieses Buch so gut macht, denn es ist die Geschichte eines jungen Teenagers, der mit 15 Jahren fast noch ein Kind ist und der versucht über den Tod seiner Mutter hinwegzukommen. Den Gefühlszustand von Pearl fand ich realitätsnah beschrieben und ich denke, dass sich jeder Mensch, der schon einmal einen geliebten Menschen verloren hat, sich sehr gut in Pearl hineinversetzen kann.

Johanna, 17 Jahre

 

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