Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß

Der Ernst des Lebens KLEIN II

Christoph Wortberg

Beltz & Gelberg, August 2014

192 Seiten, € 12,95

ab 14 Jahre

 

 

 

Für Lenny war sein großer Bruder Jakob ein Held, sein Beschützer. Doch nun ist Lenny tot, ein Unfall heißt es. Während seine Eltern in ihrer Trauer versinken, versucht Lenny zu begreifen, warum sein Bruder sterben musste. Als er beginnt, über den Unfall von Jakob nachzuforschen, entdeckt er eine völlig unbekannte Seite seines Bruders, die immer mehr Fragen in ihm aufkommen lassen. Und er trifft auf Rosa, die seinen Bruder an der Unfallstelle gefunden hat und die anfängt Gefühle in ihm zu wecken; nichtsahnend, dass sie Jakob möglicherweise besser gekannt hat, als er.

Ein Buch das unter die Haut geht. Es ist wirklich sehr emotional geschrieben ohne dabei kitschig zu sein. Man spürt die Einsam- und Traurigkeit, die Lenny erfasst, als er vom Tod seines Bruders erfährt. Von seinen Eltern kann er jedoch keine Unterstützung erwarten, da diese versuchen, jeder auf seine eigene Art, über den Tod ihres Erstgeborenen hinwegzukommen und in Lenny sowieso immer nur den Zweitplatzierten sehen. Dabei merkt man, wie kalt und abweisend Lennys Elternhaus ist, da sie  Jakob immer bevorzugt haben und alle ihre Hoffnungen in ihn gesetzt haben, während man von Lenny so gut wie gar nichts überragendes erwartete. Während Lenny versucht, mehr über den Unfalltod seines Bruders herauszufinden, lernen der Leser und er eine völlig neue Seite seines Bruders kennen, die voll Verzweiflung und Dunkelheit war, durch den immensen Druck, der auf ihm lastete. So wirkt Jakobs Selbstmord auf den Leser nicht mehr so rätselhaft, sondern vollkommen schlüssig. Einen philosophischen Touch bekommt die Handlung durch die einzelnen Monologe, die Lenny mit seinem toten Bruder führt, in denen sie versuchen Fragen zu klären, wie und ob man Gott begreifen kann oder was Wahrheit überhaupt bedeutet. Außerdem beginnt Lenny durch den Tod seines Bruders sich gegen seine Eltern zu wehren und sich nicht mehr in die Rolle des „unsichtbaren“ zweiten Sohnes quetschen zu lassen, was ihn reifer und selbstbewusster macht. Dadurch und durch die Tatsache, dass er nicht mehr unter dem Schutz seines Bruders steht, wird er während der Handlung von einem durch Trauer und Verzweiflung gequälten Jungen, der versucht, den Selbstmord seines Bruders zu verstehen und zu verarbeiten, erwachsen. Ein wirklich großartiges Buch, das ich jedem empfehlen würde, sich mit dem Thema der Trauerbewältigung beschäftigen muss oder möchte.

Johanna, 17 Jahre

Dieser Beitrag wurde unter Rezensionen von Jugendlichen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.