Kinshasa Dreams

Kinshasa Dreams KLEIN

Anna Kuschnarowa

Gulliver (Beltz & Gelberg), 2012

384 Seiten, € 14,95

ab 14 Jahre

 

 

 

Auch wenn das Buch schon auf der „Backlist“ genannt wird, ist es nach wie vor topaktuell und immer wieder empfehlenswert.

Vor ein paar Tagen habe ich von einer meiner Jugendleseclub“Leszeichen“ – Jugendlichen aus Würzburg diese begeisterte Rezension erhalten, obwohl sie gerade mitten in den Abiturvorbereitungen steckt:

„Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“                               (Bertolt Brecht)

Mit diesem Sprichwort kann man den Inhalt dieses Buches sehr gut beschreiben, denn der Protagonist der Geschichte kämpft für seinen Traum, obwohl sich ihm viele Schwierigkeiten in den Weg stellen. Jengo, die Hauptfigur, verfolgt seit seiner Kindheit das Ziel, erfolgreicher Boxer zu werden, wie sein großes Vorbild Muhammad Ali, der seinen größten Kampf in den Hallen von Jengos Geburtsstadt, Kinshasa in der demokratischen Republik Kongo, hatte. Die Bestrebung danach, der „Champ“ zu werden, treibt ihn bis nach Europa, doch die Flucht dorthin ist viel schwieriger als gedacht und so kommt er erst nach einigen Komplikationen, allerdings auch nach dem Kennenlernen einiger, sein Leben prägender, Menschen und seiner großen Liebe zum großen Boxring und dem Kampf seines Lebens.

Die Geschichte wird in Rückblenden aus seiner Zeit in Kinshasa und dem Weg nach Europa erzählt, während er sich gleichzeitig auf seinen Fight vorbereitet. Das macht das Buch fesselnder und bringt es dem Leser näher. Diese Nähe wird jedoch nicht nur durch die Spannung erzeugt, sondern auch durch die Authentizität, mit der die Geschichte erzählt wird. Sie lässt vermuten, dass das Buch auf einer wahren Begebenheit beruht, obwohl weder die Autorin noch sonstige Hinweise darauf schließen lassen.

Die Detailgenauigkeit und der raue Erzählton des ich-Protagonisten ziehen den Leser in die Welt eines begnadeten Boxers,  der endlich eine Möglichkeit finden will, seine Berufung leben zu können, denn das ist in seiner Heimat nicht möglich, wo er wegen diverser kulturell bedingter abergläubischer Ansichten als „Hexenkind“ ausgeschlossen wird und sogar umgebracht werden soll.

Die Reise nach Europa ist auch gleichzeitig eine Reise des Lernens und eine zu sich selbst, wo Jengo seine Familie und alles, was ihm bekannt ist, hinter sich lässt und ihm nur der Wille, sein Ziel zu verwirklichen, bleibt.

Durch die Beschreibung der Schwierigkeiten, die der Flüchtling Jengo mit seiner Reise nach Europa gerade durch die Schleuser und die europäische Grenzpolizei hat, wird ein aktuelles Problem verdeutlicht: Dass Flüchtlinge, von denen die meisten, wie Jengo, dem sonst der Tod gedroht hätte, wirklich einen Grund haben, diesen langen und beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen, trotzdem zurückgeschickt werden. Das alles passiert, nachdem sie beispielsweise die Tortur des Ausharrens auf einem funktionsuntüchtigen Boot mitten auf dem Meer und ohne etwas zu trinken, während alle anderen und selbst so langsam dahin siecht, nachdem sie diese Tortur durchgestanden haben-  wieder zurückgeschickt werden und noch einmal von vorn anfangen müssen.

Dass dieser Sachverhalt in einem Jugendbuch thematisiert wird, hat mich von der Geschichte und der Autorin noch mehr überzeugt. Auch sonst enthält die Geschichte alle Elemente, die für ein Jugendbuch typisch sind: Eine große Liebe, viel Action, Party…

Gerade für Jungs wird das Buch wegen der Hauptthematik Boxen noch ansprechender, doch empfehlenswert ist es für alle ab 14 Jahren, die mal wieder ein spannendes Buch, das zum Nachdenken anregt, lesen wollen.

Isabel, 18 Jahre

Dieser Beitrag wurde unter Rezensionen von Jugendlichen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentare sind geschlossen.