Wir wollten nichts. Wir wollten alles

Wir wollten nichts wir wollten alles KLEIN

Sanne Munk Jensen & Glenn Ringtved

Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg

Oetinger, Januar 2015

336 Seiten, € 16,99

ab 16 Jahren

 

Als sich Liam und Louise zum ersten Mal sehen, ist es für sie beide Liebe auf den ersten Blick. Schon nach kurzer Zeit ziehen sie zusammen. Doch als Liam nicht abhängig vom Geld anderer leben will und mit Drogen zu dealen beginnt, geraten er und Louise in einen Teufelskreis, aus dem es irgendwann nur noch einen einzigen Ausweg gibt…

Schon gleich zu Anfang fragt man sich, was das Paar in den Selbstmord getrieben hat. Die gesamte Geschichte wird aus der Sicht von Louise erzählt. Dabei sind die Kapitel unterteilt zwei Zeitebenen: Die Gegenwart, in der Louise berichtet, wie ihre Eltern und Liams Vater mit dem Tod der beiden umgehen und Vergangenheit, in der Louise die stürmische Zeit mit Liam beschreibt.

Dabei startet alles noch relativ harmlos, als Liam und Louise sich treffen und sich Knall auf Fall ineinander verlieben. Für beide ist es die ganz große Liebe, sodass es einen nicht verwundert, dass sie nach kurzer Zeit zusammenziehen. Da die beiden nicht mehr länger von Louises Eltern finanziert leben wollen und um, wie Liam es nennt, „ein eigener Herr zu sein“, beginnt er mit Drogen zu dealen, wodurch die Geschichte erst richtig ins Rollen kommt. Denn obwohl Louise weiß, dass Drogendeal eine gefährliche und strafbare Sache ist und ihr der mysteriöse Johannes, für den Liam und sein bester Freund Jeppe die Drogen verticken, nicht gerade geheuer erscheint, lässt sie sich von Liam alles verharmlosen. Schon bald ist sie begeistert davon, wie viel Kohle man damit verdient.

Das Buch geht also deutlich über eine Liebesgeschichte hinaus und beschreibt die Abgründe von Drogenkonsum und dem Handel von Rauschmitteln. Deswegen möchte man Louise aufgrund ihrer Naivität und ihrer Angst am liebsten schütteln, damit sie endlich aufwacht und merkt, in welcher Situation sie und Liam stecken. In den Rückblenden erlebt die Beziehung von Louise und Liam  eine große Wende, als Liam nach einem furchtbaren Ereignis immer mehr und mehr beginnt, sich von Louise abzuschotten. In der Gegenwart indessen erfährt man, wie die Erwachsenen versuchen mit der Situation umzugehen.

Während in den Vergangenheitsblenden mehr auf die Beziehung zwischen Louise und Liam eingegangen wird, wird in der Gegenwart der Fokus auf die Gedanken und auch etwas auf das Leben der Erwachsenen gerichtet. Aus Louises Rückblenden tritt deutlich hervor, dass sie schon immer eine bessere Verbindung zu ihrem Vater hatte. Dies spiegelt sich auch in der Gegenwart wieder, da Louises Vater Gorm als Einziger versucht herauszufinden, was hinter dem Tod seiner Tochter steckt, während Louises Mutter Ulla und Liams Vater Ian der Situation mit Hilflosigkeit und Depressionen begegnen. Deswegen wird in den Gegenwartsblenden hauptsächlich von Gorms akribischer und detektivischer Suche nach Antworten erzählt, die Louise beobachtet und auch kommentiert. Indem sie noch in der Gegenwart vorhanden ist, kann sie die Handlungen ihrer Eltern, zu denen sie nie eine besonders enge Beziehung hatte, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart besser verstehen und schließt ihren Frieden mit ihnen.

Eine besondere Sympathie in diesem Buch erzeugt Ian, da er sich durch seine Herkunft aus Dublin und seinem Verhalten von Louises Eltern abhebt. Durch seine Hilflosigkeit und Unbeholfenheit gegenüber anderen Mitmenschen kann man ihn nicht als vollwertigen Erwachsenen betrachten, sodass er in seinem Verhalten manchmal wie ein Kind oder Teenager wirkt. Seine Art, wie er mit dem Tod von seinem Sohn umgeht, hat mich sehr berührt. Zwar ist er nicht gerade ein fürsorglicher Vater, aber man merkt, dass er sich am Ende mehr um seine Sohn Jonathan bemüht.

Auch wenn die Geschichte kein typisches Happy-End hat, finde ich das Buch dennoch großartig, da es eine tolle, spannende und berührende Geschichte über die große Liebe ist und die Gefahren des Drogenkonsums kritisch betrachtet. Der Autor weckt zwar Verständnis für das junge Liebespaar und der Vorstellung von einem freien Leben ohne finanzielle Probleme, zeigt aber auch die Abgründe, die sich für die beiden ergeben, als sie naiv in einen Strudel von Drogen und Gewalt hineingezogen werden.

Johanna 17 Jahre

 

 

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