Reckless – Das goldene Garn

Reckless Das goldene Garn

Cornelia Funke

Innenillustrationen von Cornelia Funke

Dressler, Februar 2015

480 Seiten, € 19,99

ab 14 Jahren

 

Nachdem es Jacob im letzten Band gelungen ist, mit der magischen Armbrust sein Leben zu retten, muss er nun zusammen mit Fuchs in unserer Welt nach einem Versteck für diese suchen. Hier begegnet ihm auch der Erlelf Johann Norebo wieder, der einen schrecklichen Preis für seine Hilfe im Labyrinth des Blaubarts fordert. Auf der Flucht vor ihm gelangen Jacob, Fuchs und ihr neuer Weggefährte Sylvain durch einen magischen Spiegel auf die östliche Seite der Märchenwelt, wo ein Zar mit einem Bären und weitere wunderliche Wesen sie erwarten. Dabei ahnen sie nicht, dass der Erlelf ihnen seine Handlanger Sechzehn und Siebzehn auf den Hals hetzt und auch Will in die Spiegelwelt zurückgekehrt ist, um das Leben seiner Freundin Clara zu retten.

Im dritten Band der Reckless-Reihe werden viele Geschichten erzählt. Natürlich ist Jacob nach wie vor immer noch als Hauptcharakter der Reihe zu erkennen, doch man merkt in diesem Band deutlicher als je zuvor, dass auch die anderen ihre Geschichte in dieser Reihe erzählen wollen.

So trifft man wieder auf die Dunkle Fee und den König der Goyl Kami’en, deren Liebesgeschichte durch die Geburt des Mondsteinprinzen eine überraschende Wendung nimmt. Man sieht, wie Nerron (auch Bastard genannt) voller Rachegedanken auf eine Gelegenheit wartet, es Jacob heimzuzahlen, wobei die Begegnung mit Will ihm völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Man merkt, wie sehr sich Will, nun auf der anderen Seite des Spiegels, verändert und seine Liebe zu Clara immer schwächer wird. Gemeinsam mit Jacob, Fuchs, Chanute und ihrem neuen Weggefährten Sylvain begibt man sich auf die Suche nach Will in die östliche Gegend der Spiegelwelt.

Der dritte Band wartet mit vielen neuen Überraschungen und Wendungen auf. Man trifft  endlich auf Jacobs und Wills Vater (der sich im Übrigen als ein großer, egoistischer Feigling herausstellt und den man schon nach wenigen Seiten zu hassen beginnt und Jacob und Will als seine Söhne bemitleidet) und lernt diesmal die „russische“ Version der Spiegelwelt kennen.

Dabei ist einmal wieder die Fantasie der Autorin zu bewundern, der es raffiniert gelingt, Russland in der Spiegelwelt in eine märchenhaftere Version zu verwandeln, wobei bestimmt jeder Leser, der sich etwas mit russischen Märchen auskennt, auf bekannte Figuren stoßen wird (ich sage nur: Baba Jaga 🙂 ). Jedes Mal, wenn man in die Spiegelwelt tritt, freut man sich auf bekannte Dinge oder Personen aus Märchen zu stoßen, auch wenn die Spiegelwelt in diesen Märchen eine Spur düsterer erscheint. Aber genau das macht die Reckless-Reihe für mich aus, dass sie so gefährlich und gleichzeitig auch spannend ist. Neben der Spannung gibt es aber auch ein echtes Liebesdrama im dritten Band (und nein, diesmal hat es nichts mit der Dunklen Fee und ihrem Geliebtem zu tun, auch wenn es zwischen den beiden in diesem Band auch genügend Herzschmerz gibt). Diesmal sind Jacob und Fuchs dran, ihre Gefühle zueinander zu sortieren, wobei der Preis des Erlelfs ein erhebliches Problem für die beiden bei dieser Sache darstellt. So wie Jacob und Fuchs bringt es daher auch den Leser zum Verzweifeln, wenn man mit ansehen muss, wie Jacob Fuchs auf Abstand bringt, um sie zu schützen und Fuchs daraufhin dementsprechend verwirrt und verletzt reagiert.

Ja, die Liebe kann echt wehtun und niemand bekommt es hier deutlicher zu spüren als Jacob und Fuchs. Und was wäre ein gutes Liebesdrama ohne das passende Liebesdreieck, das diesmal zwischen Jacob, Fuchs und Orlando entsteht, den sie in Moskva treffen.

Will und Nerron sind ja an sich schon ein total gegensätzliches Paar. Während Will keiner Fliege was zuleide tun kann, ist Nerron voller Rachegedanken und dementsprechend sind die Hälfte seiner Seite voll mit wüsten Mordvorstellungen. Doch man merkt, dass er Will gegen sein Naturell mag, auch wenn er sich das nicht selbst eingestehen will. Will ist derjenige, der wohl die größte Wandlung während der Geschichte durchläuft und der am Ende des dritten Bandes nicht mehr derselbe ist wie am Anfang.

Derjenige, der in unserer Welt die Fäden der Geschichte zieht, ist ganz eindeutig der Erlfelf Johann Norebo. Obwohl wir zwar einiges über ihn, seine Art und seine Beweggründe erfahren, bleibt er trotz allem am Ende immer noch undurchsichtig, wie seine Handlanger Sechzehn und Siebzehn. Sie sind gleichzeitig Beschützer von Will und Verteidiger seiner Mission.                                                                                                                 Auf jeden Fall hat Frau Funke mit Sechzehn und Siebzehn interessante Kreaturen erschaffen, die in der Spiegelwelt bestimmt noch für einigen Trubel sorgen werden.

Insgesamt bietet der dritte Band erneut eine großartige Fortsetzung  der Spiegelwelt mit viel Spannung, Abenteuer, Witz, dem Treffen alter und neuer Freunde und Feinde und macht neugierig auf den nächsten Band.

Johanna, 18 Jahre

Dieser Beitrag wurde unter Rezensionen von Jugendlichen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.