Der einhändige Briefträger

Der Einhändige Briefträger KLEIN

Gudrun Pausewang

Ravensburger, März 2015

192 Seiten, € 14,99

ab 12 Jahren

 

 

 

1944: Johann ist Postbote und jeden Tag bangen Mütter, Ehefrauen und ihre Familien bei seiner Ankunft um Nachricht von den Männern an der Front. Jedes Mal hoffen sie dabei, dass nicht ein schwarzer Brief dabei ist, der vom Tod ihres Ehemanns oder ihres Sohns berichtet. Keine leichte Aufgabe also für Johann, der manchmal, wenn er einen dieser Briefe austrägt, als Tröster für die klagenden Mütter und Ehefrauen dasein muss. Eine besondere Beziehung hat er zur alten Försters-Witwe, der er jeden Tag beibringen muss, dass ihr Enkel Otto gestorben ist, da sie diese Tatsache immer wieder vergisst. Als der Zweite Weltkrieg vorbei ist, wird ihm gerade diese Beziehung zu seinem großen Verhängnis.

Mit „Der einhändige Briefträger“ schafft es Gudrun Pausewang eine Brücke des Verständnisses zwischen einer Generation, die sich die damaligen Verhältnisse nur schwer vorstellen kann und einer Zeit, in der große Armut und Angst herrschte, zu schlagen. Johann ist 17 Jahre alt und selbst ehemaliger Soldat, der im Krieg linke Hand verloren hat. Seine Arbeit als Postbote macht ihn zufrieden und füllt ihn aus. Trotzdem ist er immer nervös, wenn er seinen Poststapel abholen muss, aus Angst, dass ein schwarzer Brief dabei sein könnte. Trotz der großen Freundlichkeit, die Johann in den Dörfern, wo er die Briefe austrägt, entgegengebracht wird, sind es auch sehr gemischte Gefühle, die die Leute bei seinem Anblick empfinden, da er ja jeden Tag die Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen von der Front bringen kann. Aber man erfährt nicht nur wie die Menschen auf solch einen schwarzen Brief reagieren (wobei die Reaktionen sehr unterschiedlich sein können), sondern auch was für Auswirkungen der Zweite Weltkrieg auf das Leben in den Dörfern hatte (Stichwort: Zwangsarbeiter aus Polen, Flüchtlinge aus den Städten, Kinder, die ihre Schulklassen in Baracken hatten, etc.). Ebenso erfährt man etwas zu der Geschichte in den Dörfern und etwas über nahezu jede einzelne Person, der Johann die Briefe überbringt. Der Autorin gelingt es, dass der Leser leicht einen Bezug zu den Leuten bekommt und ihnen nahe ist. Besonders hat mir gefallen, dass Johann zu Anfang der alten Försters-Witwe immer die Wahrheit über den Tod ihres Enkels sagt, obwohl er sie ja auch hätte anlügen könnte. Dies ändert sich jedoch im Verlauf der Geschichte, was am Schluss auch zu seinem großen Verhängnis wird. Das Ende ist ziemlich überraschend und erschreckend, fügt sich aber in die Handlung gut ein.

Johanna, 18 Jahre

Dieser Beitrag wurde unter Rezensionen von Jugendlichen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.