Rosie und der Urgroßvater

Monika Helfer & Michael Köhlmeier

mit Bildern von Barbara Steinitz

Hanser, August 2010

144 Seiten, € 14,90

ab 10 Jahre

Inhalt:

Rosie lebt in Williamsburg in den USA und besucht einmal in der Woche ihren Urgroßvater. Dann erzählt er ihr traurige aber auch komische jüdische Geschichten aus der kleinen Stadt Hohenems in Österreich, in der er aufgewachsen ist bis er auswandern musste um sein Leben zu retten, denn auch er ist Jude. Rosie ist ein typisches modernes, amerikanisches Großstadtkind und liebt ihren Urgroßvater und seine fabelhaften Erzählungen aus der Vergangenheit. Sie hört z.B. die Geschichte von Reikle, der in einem sehr kalten Winter seine Tiere vor dem Erfrieren ins Haus einlud, von dem christlichen Erlöser und dem jüdischen Messias oder von Sophie Meyer, die nie gelogen hat. Obwohl es ihre Mutter und Großmutter  verboten haben, traut sich Rosie eines Tages den Urgroßvater nach seiner eigenen Geschichte zu fragen und er antwortet ihr in seiner wunderbaren Erzählweise.

Rezension:

In elf Geschichten erzählt der Urgroßvater seiner Urenkelin Rosie Geschichten aus jüdischem Leben und seiner Tradition. Es sind Geschichten, die alle in der Vergangenheit spielen und für ein modernes, amerikanisches Mädchen aus der Großstadt fremd und schwer nachvollziehbar sein könnten. Doch der eigentümliche Humor und die Ironie, die manchmal auch traurigen Episoden dieser Erinnerungen spiegeln in der warmherzigen Erzählweise des Urgroßvaters nicht nur ein wichtiges Stück Kulturgut jüdischen Lebens wieder, sie lassen Rosie auch die Gegenwart besser verstehen. Ganz geschickt wird Rosies Alltag und ihre Probleme mit dem Vergangenen und den Geschichten des Urgroßvaters miteinander verwoben. Obwohl die Großmutter wie die Enkelin glauben, dass der Urgroßvater keine Schwarzen mag und er daher den neue Freund von Rosies Mutter nicht kennenlernen will, weiß Rosie es besser und kann die Familie vom Gegenteil überzeugen, was die innige Beziehung zwischen den Beiden und den Bezug zur Aktualität zeigt. Die hervorragenden Illustrationen mit Schattenfiguren in warmen Tönen von Barbara Steinitz unterstreichen die einzelnen Geschichten treffend. Mit diesem Buch wird auf eine ganz eigene Weise ein Stück jüdischer Geschichte über viele Generationen hinweg nahegebracht. Was mich leider oft gestört hat war die oft verschachtelte Ausdrucksweise, die sprachlich nicht ausgefeilt sondern eher aufgesetzt wirkt.

Es ist sicher kein Buch, das ein Kind ab zehn Jahre als mitreißenden Schmöker lesen wird. Aber es ist ein wunderbares Vorlesebuch, um mit den weisen und witzigen Erzählungen ins Gespräch zu kommen und auf ein wichtiges Stück jüdischer Tradition hinzuweisen.

Denn eines haben die Geschichten, so alt sie auch sein mögen, gemeinsam: Im Kern sind sie heute so aktuell wie damals.

Sabine Hoß

Bewertung:

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