Die Welt wie wir sie kannten

Susan Beth Pfeffer

Übersetzt von Annette von der Weppen

Carlsen, 2010

412 Seiten, € 17,90

ab 14 Jahre

Ich war in die Stadt gekommen um zu sterben. Es hatte keinen Sinn, wieder nach Hause zu gehen, nur damit mir die anderen auch noch dabei zusehen mussten. Ich sackte auf dem Boden zusammen. Der größte Gefallen, den ich ihnen tun konnte, war es, hier liegen zu bleiben, bis die Kälte mich umbringen würde.  Und dann fiel mein Blick auf etwas Gelbes. Meine Welt besteht schon so lange nur noch aus verschiedenen Schattierungen von Grau, dass mir das Gelb schon fast in den Augen wehtat. Aber da war etwas Gelbes. Ich erinnerte mich, dass die Sonne gelb war. Im Juli hatte ich sie zuletzt gesehen. Es tat weh in die Sonne zu schauen, und genauso weh tat es, dieses leuchtende Gelb anzusehen. Doch es war nicht die Sonne. Es war ein Blatt Papier, das vom Wind durch die Straßen getrieben wurde. Und ich musste es haben. Ich zwang mich, wieder aufzustehen und dem Zettel hinterherzujagen. Er tanzte voller Hohn vor mir her, aber ich konnte ihn überlisten, und mit letzter Kraft stellte ich meinen Fuß darauf und hielt ihn auf dem Gehweg fest.  Es standen Worte darauf. Eine Mitteilung. Irgendwann hatte irgendjemand irgendetwas gesagt, und jetzt würde ich erfahren, was das war. DAS RATHAUS IST JEDEN FREITAG  VON 14 BIS 16 UHR GEÖFFNET. Kein Datum, kein einziger Hinweis darauf, wann der Zettel verteilt worden war und warum. Aber die Worte sagten mir, wo ich hingehen musste. Ich hatte nichts zu verlieren.

Dieses Buch ist der absolute Knaller. Durch den Schwung, mit dem die Geschichte erzählt wird, fegt es alle anderen, die bisher meine Lieblingsbücher waren, weg, damit DIE WELT WIE WIR SIE KANNTEN an  erster Stelle stehen kann. Mirandas Tagebucheinträge haben mich sehr fasziniert und tief berührt, denn schließlich könnte so etwas tatsächlich passieren. An manchen Stellen habe ich sogar geweint, aber an manchen Stellen konnte man trotz der ganzen Katastrophen schmunzeln, weil diese Welt, wie Miranda sie beschrieb, so anders als unsere ist und doch so etwas eintreten könnte. Ich war völlig drin in der Geschichte, sodass ich,  wenn ich mich mal von dieser fesselnden Lektüre losreißen konnte ( es gibt ja auch noch Frühstück, Mittagessen und Abendessen), erst einmal ein paar Minuten brauchte, um wieder in die Wirklichkeit zurückzukommen. Und doch blieb der Hintergedanke „Oh Gott, haben wir´s gut!“ im Kopf hängen und ließ sich nicht mehr wegschieben, bis man wieder zu lesen anfing und völlig in die Geschichte eintauchte. Um so etwas zu schaffen, muss man schon eine sehr gute Autorin sein, und diesen Titel verleihe ich Susan Beth Pfeffer ohne zu zögern. Auch wie die Stimmung sich vor und nach dem Asteroideneinschlag verändert hat und dann alle Wünsche und Träume immer tiefer gesunken sind, fand ich fantastisch. Vor der Mondkatastrophe wünschte sie sich, dass jemand sie zum Abschlussball einlud, kurz danach wünschte sie sich, ihre Mutter wäre nicht so albern und kaufe so viel  Essen und Anderes, und ganz am Ende träumte sie davon, mehr Essen zu haben und keinen Hunger mehr leiden zu müssen. Die einzige Kleinigkeit, die ich an diesem Buch zu bemängeln weiß, ist, dass der Schluss etwas zu abrupt  aufhört. Allerdings hatte man dann noch Zeit, sich selber die Geschichte zuende zu denken und sich auszumalen, wie alles wieder gut wird. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja noch einen 2. Teil… Erfolg würde ich  Susan Beth Pfeffers erstem ins Deutsche übersetzten Roman auf jeden Fall sehr gönnen, und ich hoffe, ich habe  alle, die diesen Bericht lesen, davon überzeugen können, dieses Buch zu lesen und genauso toll zu finden wie ich!

Isabel, 14 Jahre

 

Eine interessante Zukunftsversion, obwohl wir natürlich hoffen sollten, dass uns das erspart bleibt. Wer will schon eine komplett aus dem Gleichgewicht geratene Welt. Obwohl einige dann einen sehr guten Überlebensratgeber hätten, dieses Buch. Susan Beth Pfeffer hat nämlich sehr fesselnd und eindrucksvoll geschrieben, sodass man richtig mitfühlt und dabei ist. Auf einmal lernt man das Essen zu schätzen, das man hat und dass man nicht überlegen muss, ob man das jetzt essen kann. Das ein Leser, selbst wenn er nicht liest, noch so in einem Buch gefangen ist, dass er sich so etwas überlegt, ist schon bemerkenswert. Dadurch ist es natürlich teilweise sehr deprimierend und anstrengend zu lesen. Die Geschichte dieses Mädchens und seiner Familie ist ja nicht einfach. Aber sie meistern das gut, wobei sie ja keine realen Menschen sind, aber das vergisst man leicht. Sie sind nämlich keine unmenschlichen Helden, die alles durchstehen ohne auch nur einen Tiefpunkt. Sie leiden, zeigen das auch und wachsen an den Ereignissen. Und der Leser mit ihnen. Miranda (unsere Hauptfigur) wird von einem naiven Teenager zu einer jungen Frau. Sie macht sich ihr Leben so schön es geht und findet ihren Lebenswillen immer wieder. Das hat mich sehr berührt. Auch die anderen Figuren, also hauptsächlich Mirandas Familie, wirken real. Man leidet auch mit ihnen. Und am Ende erkennt man sie eigentlich nicht wieder, denn sie haben sich alle durch die Härte des Lebens wahnsinnig  verändert. Die Menschen, wie wir sie kannten und die Welt, wie wir sie kannten, haben sich in diesen Buch zu etwas schrecklichem verwandelt. Aber es ist hier auch eine wahnsinnig positive Veränderung, da die Menschen sich wieder auf das besinnen, auf was es wirklich ankommt. Echt interessant, traurig und richtig dramatisch. Außerdem ein wenig poetisch und philosophisch. SCHÖN!!!

Mona, 15 Jahre

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