Please don`t hate me

A.S. King

Aus dem Amerikanischen von Katharina Bendixen

Arena, Februar 2011

392 Seiten, € 16,99

ab 12 Jahre

Vera hasst Charlie sehr, obwohl er einmal ihr bester Freund war, sie ihn geliebt hat und sie sich seit Kleinkindalter kennen. Vera ist die Einzige, die weiß, was in jener Nacht geschah, als Charlie gestorben ist.

Dieses Buch fand ich sehr interessant zu lesen, weil es aus vielen verschieden Sichten geschrieben wurde. Da ist einmal Vera, die Charlie dafür hasst, dass sie ihm auf einmal egal wurde und nach seinem Tod ihn in 100-facher Menge sieht. Sie glaubt, dass er ihr aus dem Jenseits manchmal Botschaften schickt, die nur sie sehen kann. Das lässt bei ihr Einbildung und Realität verwischen. Aus einer anderen Sicht berichtet ihr Vater, der sein bisheriges Leben in Frage stellt und seine Tochter zu einem besseren Menschen machen will, als er oder ihre Mutter jemals gewesen waren. Er erzählt auch die Geschichte zwischen Veras Mutter und ihm und wie sie sich kennengelernt haben. Ich fand, dass in diesem Buch aus seiner Sicht klar wird, das er sich um Vera sorgt und ihr ein wirklich toller Vater sein will. Besonderen Witz bekommt das Buch durch die „Überlebensschemas“ von Veras Vater und Veras Erinnerungen aus der Zeit mit Charlie. Auch amüsant fand ich, dass der Autor mal kurz aus der Sicht eines Hügels , auf dem besondere Ereignisse stattfanden (z.B. haben sich dort Veras Vater und Mutter dort ineinander verliebt) und aus der des toten Charlies erzählt hat. Besonders gut nachvollziehen kann man Veras Gefühle, wie sie Charlies und ihre Geschichte beschreibt. Er distanziert sich nach und nach immer mehr von ihr, weil er sich mit anderen Leuten einlässt, die behaupten, dass Vera schlimme Lügen über ihr erzählt. Leider glaubt Charlie diesen Unbekannten mehr als seiner besten Freundin. Insgesamt ist es ein Roman, der zum Nachdenken über Freundschaft und Familienprobleme anregt.

Johanna, 14 Jahre

 

Alles, was zwischen Vera und mir vorgefallen ist, tut mir leid. Ich hatte einfach keine Wahl. Zumindest so weit ich die Sache überblicken kann. Wenn man einen solchen Vater und eine solche Mutter hat, kann man sich vieles nicht aussuchen. Das meiste davon ist vorbestimmt. Und genau davor musste ich Vera schützen. Leider bin ich mir gelegentlich selbst in den Rücken gefallen. Zum Beispiel, als ich Vera in der Sivesternacht mitten auf der Straße küsste. Oder als ich ihr am Valentinstag einen riesigen Blumenstrauß schickte. Vielleicht wollte ich die Grenzen austesten. Vera Dietz zu lieben, war beängstigend. In meinem ganzen Leben ist mir nichts widerfahren, was mir mehr Angst gemacht hätte.

Dieses Buch ist einmal eine andere Highschoolgeschichte, die sich vor allem durch ihre interessanten Charaktere auszeichnet: Bill Corso, der draufgängerische Quarterback, der beim Vorlesen in der Schule plötzlich ganz schüchtern wird, weil er nie Lesen gelernt hat; Charlies Eltern, sein ständig besoffener Vater, der wollte, dass Charlie seinen Beruf lernt, seine Mutter, die stumm akzeptiert, dass sie von ihrem Mann geschlagen wird und möchte dass Charlie normal ist; vor allem aber Vera und ihr Vater. Vera, die anders ist als ihre Mitschüler, sie lernt, sie will nicht auffallen, weil sie dann Angst hat, das rauskommt, dass ihre Mutter mal in einem Stripclub gearbeitet hat, wie Charlie sagt, „sie hat Stil“. Ihr Vater, ein trockener Alkoholiker, ist genau auf ihre Entwicklung bedacht: Sie darf keinen Alkohol trinken, weil sie die Neigung zur Alkoholsucht von ihm geerbt hat und sollte, sobald sie konnte, eines Job annehmen. Allerdings hat er die Trennung von seiner Frau, die mit ihrem Fußspezialisten durchbrannte, noch nicht ganz verwunden und ist daher seltsam
gefühlskalt geworden: Ihm scheinen viele wichtige Dinge egal zu sein. Die Beziehung von Vera zu ihrem Vater verändert sich im Laufe des Buches, am Ende sind sie nicht mehr Vater und Tochter, sondern Freunde. Auch das ist es, was sie so interessant macht. Überhaupt erzählt A. S. King so bildlich, dass man das Geschehen vor sich sehen kann, klar umrissene Personen vor einem stehen. Man ist Teil der Geschichte. Das ist bestimmt auch einer der Gründe, weshalb das Buch relativ fesselnd und leicht zu lesen war. Dennoch kann man über die Bedeutung von vielem noch mal nachgrübeln, was jemand gesagt oder getan hat. Auch die Zen-Weisheiten, die Veras Vater immer von sich gibt, laden zum Nachdenken ein, auch wenn viele schwer zu verstehen sind. Es gibt viele Elemente in der Lektüre, die außergewöhnlich sind und mir sehr gefallen haben, z. B. der Sichtenwechsel, bei dem manchmal sogar Pagoda, eine Sehenswürdigkeit, oder Charlie („Hier spricht der tote Typ“) zu Wort kommen. Auch die „Überlebensschemas“, Theorien von Ken Dietz, Veras Vater, sind lustig Ganz besonders toll fand ich, dass Vera immer
wieder von der Zeit erzählt, zu der Charlie noch lebte. So sieht man, wie Charlie wirklich war, und letztendlich wir auch enthüllt, was in der Nacht geschah, in der Charlie starb. Die meisten dieser Erinnerungen sprühen von Charlies Lebenslust. Es wirkt dadurch immer mehr so, als hätte man ihn wirklich gekannt. Was ich dennoch völlig unpassend finde, ist der Übertitel „Nichts ist wichtig, wenn man tot ist“ und der hochdramatische Klappentext. Außerdem ist mir Jenny Flick, die größte Feindin Veras, etwas zu trivial „abgrundtief böse“, denn es gibt keinen Grund, weshalb sie so ist und das alles tut.

Trotzdem –ein schöner Roman, den ich empfehlen kann!

Isabel, 14 Jahre

Dieser Beitrag wurde unter Rezensionen von Jugendlichen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.