AKJ und Der Deutsche Jugendliteraturpreis – Wieder einmal in der Kritik

Mit der alljährlichen Vergabe des Deutschen Jugendliteraturpreises gehört es in den letzten Jahren schon fast zur Normalität, dass mit der Bekanntgabe der Nominierungen auch Kritik  laut wird.

So auch in diesem Jahr. Anstoß für die jüngste Diskussion gab folgender Briefwechsel:

Der erste offene Brief von Astrid van Nahl:

 http://www.alliteratus.com/pdf/offener_brief.pdf

Die Antwort von Frau Dr. Weinkauff

http://www.alliteratus.com/pdf/offener-brief_gina.weinkauff.pdf

Die Antwort von Astrid van Nahl zurück:

 http://www.alliteratus.com/pdf/offener_brief_2.pdf

 

Wenn die Diskussion und die Kritik um den Deutschen Jugendliteraturpreis nicht darum geht, dass Titel aus nicht klassischen Kinder- und Jugendbuchverlagen nominiert oder prämiert werden, dann ist es die Auseinandersetzung über die Tatsache, dass der „Deutsche“ Jugendliteraturpreis überwiegend übersetzte Bücher präsentiert.

Letzteres ist auch der Ausgangspunkt der aktuellen Diskussion, die Frau Dr. Astrid van Nahl mit ihrem Offenen Brief an die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Frau Kristina Schröder, angegangen ist.

In der Tat ist es so, dass der Deutsche Jugendliteraturpreis in den letzten Jahren in die Kritik gekommen ist, die der AKJ jedoch stoisch von sich weist.

Vor ca. 15, 20 Jahren hatte dieser Preis noch eine besondere Bedeutung und wurde entsprechend vom Buchhandel hervorgehoben und war bei den jungen wie auch erwachsenen Lesern bekannt. Heute ist es aber nachweislich Fakt, (und das belegen zahlreiche meiner Interviews mit Autoren), dass dieser Preis in dem letzten Jahrzehnt an Renommee und Wichtigkeit verloren hat. Auch wenn das der AKJ nicht so sieht und bestreitet, die Realität sieht schlicht anders aus. Fragen Sie doch heute mal im Querschnitt Jugendliche oder deren Eltern, was Ihnen zum Begriff „Deutscher Jugendliteraturpreis“ einfällt. Die Antwort ist in der Regel ein Achselzucken, wenn sie Glück haben, weiß zumindest die Generation der Großeltern ein paar grobe Informationen. Immerhin. Von daher müssen der AKJ und alle Beteiligten sich zunächst einmal damit abfinden, dass dieser viel diskutierte Preis nur eine ganz kleine, interne Gruppe in Wallung bringt. Auch wenn die Preisverleihung stets einen proppenvoll gefüllten Saal präsentiert, sagt dies überhaupt nichts über die Kenntnisnahme darüber hinaus bei der Zielgruppe oder die Verbreitung der Buchhandlungen aus.

Da ist sicher der erste Ansatz, hier künftig etwas zu ändern.

Ich gehe selbstredend davon aus, dass die Jury aus den von den Verlagen zur Auswahl eingereichten Büchern „unabhängig und mit hohem Anspruch auf sachliche Angemessenheit“ (Zitat PD Dr. Gina Weinkauff in ihrem Brief vom 25.03.2013) auswählt und ich finde im Grunde auch, dass die „Weltoffenheit dieses Preises richtig ist und sie in erster Linie vom Leser und nicht von den Autoren her gedacht ist“. (Zitat von ehem. Jurymitglied Ulf Cronenberg aus dem genannten Brief von PD Dr. Gina Weinkauff).

Trotzdem hat es auch mich ein wenig sprachlos gemacht, dass bei den diesjährigen Nominierungen nicht ein einziges Kinderbuch aus Deutschland dabei ist.

Natürlich ist der Deutsche Jugendliteraturpreis 1956 als internationaler Preis konzipiert worden, wohl aber auch unter dem Kontext, „dass das Angebot an deutscher Kinder- und Jugendliteratur nach der Zeit des Nationalsozialismus nur sehr begrenzt gewesen ist, daher spielten Übersetzungen aus anderen Sprachen eine große Rolle und gaben wichtige Impulse.“ (Zitat Doris Breitmoser, AKJ, in dem genannten Brief von PD Dr. Weinkauff)

Mittlerweile sind 57 (!) Jahre vergangen und folglich hat sich in dieser Zeit ein breites Angebot an qualitativ guter deutscher Kinder- und Jugendliteratur entwickelt, so dass die Übersetzungen in der Kinder- und Jugendliteratur heute nicht mehr unbedingt wichtige Impulse liefern müssen, aber natürlich eine unverzichtbare Bereicherung sind. Von daher sollten weiterhin Übersetzungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und prämiert werden, (auch wenn in anderen Ländern nationale Literaturpreise auch nur nationale Preisträger erhalten und nicht internationale…). Trotzdem ist seit einigen Jahren nicht von der Hand zu weisen, dass deutsche Autoren es deutlich schwerer haben, einen Platz auf der Nominierungs- oder Preisträgerliste zu finden.

Der Vorschlag von Frau Dr. Astrid van Nahl in Ihrem Antwortbrief vom 31. März 2013, künftig den Preis für ein deutsches und ein übersetztes Buch zu teilen, halte ich für klug wie konstruktiv.

Schade, dass dieser Vorschlag nicht vom AKJ gekommen ist, dessen Antwort vom 25.03.2013 sich auf eine trockene, wissenschaftliche Abhandlung beschränkt und sich im Grunde über alle Kritik hinweghebt.

Das hätte jedenfalls endlich einmal ein erstes Zeichen für ein Aufeinander zu gehen und die Bereitschaft für nötige Veränderungen und Entwicklungen gezeigt.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden…

Sabine Hoß

 

 

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