Graffiti Moon

graffiti moon KLEIN

Cath Crowley

Übersetzt von Henning Ahrens

Carlsen, April 2013

256 Seiten, € 16,90

ab 14 Jahre

 

 

Inhalt:

Lucy ist unsterblich in den Graffiti-Sprayer Shadow verliebt. Seine faszinierenden Zeichnungen haben eine magische Ausstrahlung auf sie. Nur ganz knapp hat sie ein Zusammentreffen verpasst, nicht schnell genug war sie mit ihrem Fahrrad bei  ihrem Lehrer Al, der ihr eine SMS geschickt hatte, dass Shadow und sein bester Kumpel und ebenfalls Graffiti-Sprayer Poet bei ihm gewesen sind. Shadow ist für die Graffitis zuständig, Poet für die Worte unter den Malereien. Bei Al macht Lucy neben ihrer Schule, die kurz vor dem Abschluss steht, eine Ausbildung zur Glasbläserin. Durch ihre Kunstlehrerin hat Lucy die Liebe und ihr Talent zu dieser handwerklichen Kunst entdeckt. Auch wenn ihre Eltern nicht viel Geld haben, sind sie doch der Meinung, dass Kunst immer gefördert werden muss und bringen irgendwie das Geld für diese Ausbildung auf. Lucy ist Shadow noch nie begegnet, trotzdem glaubt sie, dass es für beide eine große Liebe werden könnte – wen sie sich endlich einmal kennen lernen würden. Neben der Jagd nach ihrer Phantomliebe muss sich Lucy in der Realität mit einem ganz anderen Jungen erneut auseinander setzen: Ed, dem sie beim ersten Date die Nase gebrochen hat, weil er ihren Po betatschte. Doch Ed behauptet Shadow zu kennen und ein Kennenlernen mit ihm zu ermöglichen. Dafür folgt Lucy Ed eine Nacht lang, geht mit ihm auf eine wilde Party und lässt sich von ihm die Orte zeigen, an denen Shadows besondere Graffitis zu sehen sind. Dabei begegnen sich die beiden auf neue Weise. Hat Ed eine zweite Chance und kann gegen die Phantomliebe Shadow ankommen?

Rezension:

Der Leser weiß schon sehr früh, dass Ed der gesuchte Shadow und sein Kumpel Leo der Wortzauberer Poet ist. Lucy ahnt davon natürlich nichts und so ist der Clou des Buches, die Frage, wann und wie sie dahinter kommt, dass Ed ihre Phantomliebe Shadow ist. Eine einzige Nacht braucht es, bis diese Frage beantwortet wird. Eine Nacht, die sich alles andere als temporeich und wirklich spannend entwickelt. In abwechselnden Kapiteln erzählen Lucy und Ed den Ablauf der Handlung aus ihrer Sicht, dabei greift der Erzählende am Anfang seines Kapitels die letzten Szenen des vorherigen noch einmal aus seiner Sicht auf. Das hat am Anfang einen gewissen Reiz, doch im Laufe des Buches ermüden und langweilen diese ständigen Wiederholungen. Die Charaktere bleiben oberflächlich, denn dann, wenn sie tiefer beleuchtet werden könnten, setzt der andere Protagonist das Geschehen fort. Das, was bei anderen Romanen die Figur(en) entwickeln lässt und gleichzeitig Tiefe aufbaut, gelingt hier nicht. Das ist schade, denn damit geht der Geschichte leider Potential verloren. Die Handlung ist in weiten Teilen von weitschweifenden Dialogen geprägt, in denen sich Ed und Lucy zwar über Kunst im Allgemeinen und der Graffiti-Kunst im Besonderen austauschen oder poetisch-philosophischen Gedanken nachhängen, allerdings plätschern sie ohne Nachhall nur dahin und haben teilweise einen sentimentalen Beigeschmack. Ed und seine Kumpels planen in der Nacht einen Einbruch, was wohl zusätzlich eine gewisse Dramatik bringen soll. Doch wie soll es anders sein, am Ende der Nacht  Lucy bewahrt natürlich Ed davor. Weder erhöht das die Spannung, denn auch das ist vorhersehbar, noch ist es für die Rahmenhandlung wichtig. Gelungen und passend zur jeweiligen Situation in dieser Nacht sind einigen Kapiteln Gedichte von Poet vorangestellt, die die Atmosphäre stimmig widerspiegeln. Während dieser, für den Leser, langen Nacht erkennt Lucy, dass sie nicht glücklich wird, indem sie versucht, den unbekannten Shadow dem Bild gleichzustellen, das sie sich von ihm gemacht hat. Dabei übersieht sie fast den realen Menschen, der sie wirklich mag.

Was bleibt ist eine mäßig spannende und vorausschaubare Liebesunterhaltungskost zwischen Graffiti-Kunst und Poesie ohne Nachhall. Für einen Spitzentitel, wie der Verlag das Buch bewirbt, fehlt mir bei den Protagonisten, dem Handlungs- und Spannungsaufbau die nötige Tiefe, die von gefühlsduseligen und poetisch dahinplätschernden Szenen überlagert werden.

Der Schutzumschlag und der mit einem anderen Motiv im Graffiti-Stil bedruckte Buchdeckel dagegen sind ausgesprochen gelungen.

Sabine Hoß

Bewertung:

 

 

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