three women – drei frauen

Lisa Taddeo

Aus dem Amerikanischen von Maria Hummitzsch

Piper Verlag, 13.01.2020

416 Seiten, € 22,00

 

 

 

 

Lisa Taddeos Roman wurde in den USA als Sensation gehypt und Autoren-Kolleginnen und Zeitungen ließen sich zu gerade hymnischen Kritiken herab. Mit Erscheinen platzierte sich das Buch direkt auf Platz 1 der Bestsellerlisten der New York Times und Sunday Times. Daher war man hierzulande ziemlich neugierig auf dieses Buch, „das als Buch der Stunde über weibliche Sexualität zwischen Lust und Macht, anziehend und verstörend, gewaltig und schön“ im Klappentext der deutschen Ausgabe beschrieben wird.

Die Autorin stellt die Biografien von drei unterschiedlichen Frauen in den Vordergrund. Doch vorneweg stellt sie sich die Frage, warum ihre damals noch junge Mutter sich nie zur Wehr gesetzt hat, als ihr eine Zeit lang ein Mann auf dem Weg zur Arbeit gefolgt war, der hinter ihr masturbierte. Vielleicht gefiel es ihr sogar?

Die Autorin recherchierte laut Prolog acht Jahre lang für dieses Buch, ist in verschiedene Bundesstaaten gereist und hat mit vielen Frauen gesprochen. Vorgestellt wird das Leben von drei Frauen, in denen es um eigenes Begehren geht und wie man als Objekt der Begierde ausgenutzt wird.

Da ist Maggie, die mit 17 Jahren mit ihrem ehemaligen Lehrer eine Affäre hatte und die ihn sechs Jahre später vor dem Bezirksgericht in Cass County wiedersieht, da sie ihn heute verklagt. Dieser Fall ist tatsächlich in den USA allgemein bekannt geworden.

Die Hausfrau und zweifache Mutter Lina aus South Dakota ist mit Anfang dreißig mit einem gefühlskalten Postboten verheiratet und während der Ehejahre mit ihm emotional leer und ausgebrannt, da er sich weigert, sie zu küssen. Sex ja, aber nur auf den wesentlichen Akt reduziert. Lina beginnt eine Affäre mit einem Ex-Freund, der auch verheiratet und Familienvater ist, aber auch hier erfährt sie keine Liebe, sondern nur Schmerz.

Die dritte Frau ist die sehr gut aussehende Sloan, die mit ihrem ebenfalls attraktiven Mann Richard gemeinsam ein Feinschmeckerlokal auf Rhode Island führt. Ihrem Mann wird das Sexleben à Deux irgendwann zu langweilig und wählt eine Kollegin aus dem Restaurant für das zukünftige Sexleben zu Dritt aus. Sloan macht zwar zunächst mit, doch nur mit der gewissen Portion Alkohol (beschwipst ja, betrunken nein). Sie ist überfordert von einem Sexleben zu Dritt, da es sich für sie falsch anfühlt, anzuschauen, wie es ihren Mann antörnt, vor ihren Augen eine andere Frau zu vögeln, verbunden mit der Frage, was denn die „anderen davon halten, würden sie es erfahren“.

Diese drei Frauen erzählen in sich abwechselnden Kapiteln von ihrem Leiden, ihrer Liebe, ihrem Sexleben, ihrem eigenen Begehren und wie es ist, ein Objekt bzw. Opfer der Begierde von Männern zu sein.

Obwohl Lisa Taddeo versucht, jeder Frau eine eigene Stimme zu geben und sie in verschiedenen Perspektiven erzählen lässt, blieben mir alle drei Figuren unnahbar.  Immer dann, wenn es in die Tiefe der drei Frauen gehen sollte, ergeht sich die Autorin in ausufernden Beschreibungen von trivialen Nebensächlichkeiten und Lamentos der einzelnen Frauen und ich habe nicht verstanden, warum Taddeo die Frauen nie gefragt hat, wie sie zu solch Erleiden kommen konnten, was sie zu derartigen Abhängigkeiten geführt hat und warum es ihnen so unendlich schwer fällt, sich davon zu lösen? Stattdessen schmückt sie die, an der Oberfläche wabernden Geschichten der drei unterschiedlichen liebenden Frauen, mit detailliert beschriebenen Sexszenen aus, die trotz aller gewollter Offenheit oder vielleicht gerade deswegen, voyeuristisch und verkrampft prüde wirken.

Bei allen drei mühseligen Versuchen, das Leid um Liebe, Lust und Begierde zu präsentieren, hatte ich immer das Gefühl, die Autorin schreibt im Sinne von „ich will und kann es aber nicht“. Was will die Autorin mit diesen unter Männer leidenden vorgestellten Frauen als Botschaft vermitteln? Soll das Leiden der drei Frauen, die alle fremdbestimmt lieben und sich so lieben lassen, das Vorbild für weibliches Begehren und weibliche Sexualität sein? Warum wird dies auf erniedrigende Fremdbestimmtheit reduziert? Warum gibt es kein einziges Beispiel einer Frau, die selbstbewusst und selbst bestimmt liebt? (Selbst wenn sie – huch –  gleichgeschlechtlich liebt?)

Ich habe mich wirklich gefragt, wie eine junge amerikanische Frau nach acht Jahren Recherchearbeit quer durch die USA bei diesem Thema mit drei unterschiedlichen und doch stereotypen Beispielen so dermaßen spröde und gehemmt oberflächlich an der facettenreichen weiblichen Sexualität vorbei schreiben kann und dabei in ihrem Land auf eine derartige Furore stößt. Selbst für die in den USA ausgelöste „MeeToo“-Debatte ist dieser Roman kein wertvoller Beitrag.

„Das Buch der Stunde über weibliche Sexualität“, wie es im Klappentext angepriesen wurde, ist es nun wahrlich nicht, denn ansonsten müsste „Frau“ sich hierzulande verstörend fragen, was an Emanzipation und Bewusstsein über das weibliche Begehren verloren gegangen ist – und in den USA offenbar noch immer, aus welchen gehemmten Gründen auch immer, nicht gefunden wurde.

Das Cover zeigt leider eine recht simple frivole Sicht der weiblichen Begehrlichkeit und zieht sicher vor allem Männer auf sich.

Sabine Wagner

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