Wie ich das Überleben überlebte – und Mathe doch noch kapierte

 

Jordan Sonnenblick

Aus dem Englischen von Gerda Bean

Carlsen, Februar 2011

192 Seiten, €  12,90

ab 12 Jahre

 

Inhalt:

Jeffrey steht in der kurz vor den Abschlussprüfungen, um auf die Highschool zu gehen. Vor ein paar Jahren erkrankte er an Krebs und er ging drei Jahre mit dieser Krankheit durch die Hölle. Sein älterer Bruder Steven war damals sein größter Halt und ist es eigentlich noch immer, doch dieser hat sich zu einem Selbstfindungstrip nach Afrika begeben und ist damit außer Reichweite. Sein bester Freund in der Schule ist Tad und sie verbindet das gemeinsame Schicksal, den Kampf mit der schrecklichen Krankheit Krebs. Tad sitzt durch die Krankheit im Rollstuhl, doch jeder von den beiden hat noch andere, mehr oder weniger sichtbare Handicaps. Da Jeffrey nicht der beste Schüler ist und wegen seiner schlechten Mathenoten droht, die Abschlussprüfungen nicht zu schaffen, haben die zwei Freunde einen Deal ausgemacht: Tad gibt Jeffrey Nachhilfe in Mathe und Jeffrey will seinen Freund mit Lauftraining so weit bringen, dass er ohne Rollstuhl bei der Abschlussfeier über die Bühne gehen kann. Dieses Vorhaben schweißt die beiden zu einem festen Team zusammen. Aber da gibt es ja auch noch die Mädchen und die Sache mit dem Verlieben, was für die beiden ein zusätzliches Problem bedeutet und auch zu Eifersucht führt. Eine zusätzliche Komplikation, die die beiden eigentlich gar nicht gebrauchen können.

Rezension:

Rein optisch schließt dieses Buch mit seiner Covergestaltung dem Debütroman von Jordan Sonnenblick „Wie ich zum besten Schlagzeuger der Welt wurde – und warum“ aus 2008 (Carlsen) originell und perfekt an. Im ersten Buch erzählt der ältere Bruder Steven die Krebserkrankung und Entwicklung von Jeffrey. Im zweiten Band nun setzt Jeffrey seine Geschichte acht Jahre später aus seiner Sichtweise fort. In dieser Geschichte geht es um Jeffrey und seinen besten Freund Tad, zwei völlig unterschiedliche Charaktere, die beiden den Kampf gegen den Krebs noch nicht gewonnen haben und mit den beeinträchtigenden Begleiterscheinungen, die gerade für Teenager unglaublich belastend sind, irgendwie leben müssen. Jeffrey humpelt nach den schweren Medikamenten stark und Tad sitzt im Rollstuhl, nachdem das erste Mädchen, für das er sich interessiert hat, eine hämische und tief verletzende Bemerkung über seine humpelnde Gangart und seinen Gesichtsausdruck gemacht hat. Außerdem leiden beide an starken Konzentrationsstörungen, was den Schulalltag zusätzlich erschwert. Jeffrey ist tief enttäuscht über die Einstellung seiner Eltern zu seinen Schulnoten und das mangelnde Vertrauen. Er belauscht ein Gespräch zwischen den beiden und glaubt, dass seine Mutter ihn durch den Krebs und die starken Medikamenten für „geistig zurückgeblieben“ hält, während sein Vater davon überzeugt ist, dass Jeffrey die Prüfung schafft. Aber Jeffrey weiß, dass er nicht mit seinem Vater Mathe lernen kann, weil dieser kaum die nötige Geduld dafür aufbringt. Deswegen schließen Tad und Jeffrey einen Pakt: Tad gibt Jeffrey Nachhilfe in Mathe und Tad trainiert seinen besten Freund auf dem Laufband, damit er bei der Abschlussprüfung ohne Hilfe alleine über die Bühne gehen kann. Doch da gibt es noch die Sache mit den Mädchen. Jeffrey hat sich in die neue Mitschülerin Lindsey verliebt und dieses Gefühl wird auch von ihr auf eine sehr liebevolle und verständnisvolle Art erwidert. Oft ist Jeffrey ratlos, verwirrt und wünscht sich den Rat seines Bruders Steven, während sein Freund Tad sehr aggressiv und streitbar auf sein Umfeld reagiert, denn auch Eifersucht ist ein Thema in dieser Freundschaft. In einer klaren Sprache wird ein Innenleben von Jeffrey gezeigt, dass eine Spannbreite von direkt, nüchtern bis zu hilflos, chaotisch besitzt. Die Geschichte zeigt, dass diese Erkrankung nie ganz besiegt ist und die „Stagnation“ bei den jungen Heranwachsenden zu noch intensiveren und nachhaltigeren Fragen nach dem Sinn des Lebens, den Wertigkeiten und Zukunftsgedanken führt und die ganz kleinen Dinge eine hohe Bedeutung haben. Jordan Sonnenblick hat die Themen Krankheit, Freundschaft, Liebe und Tod mit Humor, manchmal natürlich auch Galgenhumor, und ebenso viel Gefühl kombiniert. Es wird zwar ein realitätsnaher Einblick in das turbulente Innenleben eines, an einer schweren Krankheit leidenden, Pubertierenden gegeben, dennoch empfand ich bei dieser Fortsetzung  Längen und leider nicht mehr die Originalität des ersten Buches. Vielleicht liegt es aber auch an der Tatsache, die Krankheit acht Jahre später etwas bemüht „weiterleben“ zu lassen?

Sabine Hoß

Bewertung:

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