Der Sommer der silbernen Wellen

Amanda Howells

Aus dem Amerikanischen von Stefanie Schäfer

FJB, Juli 2012

384 Seiten, € 17,99

ab 14 Jahre

 

 

Inhalt:

Mia freut sich sehr: Nach drei Jahren fährt die 16-Jährige endlich wieder in den Sommerferien mit ihren Eltern und der Schwester zu ihren gleichaltrigen Cousinen in das Familienstrandhaus. Mia freut sich auf ihre Cousinen, mit denen sie immer unbeschwerte Ferientage verlebt hat, obwohl sivon ihren Persönlichkeiten unterschiedlich sind. Sie braucht gerade jetzt Abstand und Aufheiterung, denn erst vor kurzem hat sie sich von ihrem Freund getrennt. Das Strandhaus gehört ihrer Tante, die einen wohlhabenden Mann geheiratet hat, während Mias Mutter sich abseits von Protz und Schickeria „nur“ für einen Baumarktbesitzer entschieden hat. Doch statt vertrauter Nähe stellt Mia schnell fest, dass sich ihre Cousinen verändert haben. Sie interessieren sich nur noch für Mode, Schminke und reiche, coole Typen, unterstützt von regelmäßigem und ausgiebigen Genuß alkoholischer Getränke. Mia fühlt sich überflüssig und unwohl, die erhofften leichten Sommerferien mit ihren Cousinen scheinen für sie zu einem Alleingang zu werden. Nach einer Party, bei der sie sich völlig fehl am Platz fühlt, lernt sie bei einem nächtlichen Strandspaziergang Simon kennen. Er scheint aus einer anderen Welt zu kommen, denn er kleidet sich altmodisch schick und ist eher schweigsam als die aufgedrehten Freunde, mit denen Mias Cousinen sich umgeben. Zunächst ist Mia distanziert als Simon ihr vorschlägt, sich regelmäßig nachts am Strand zu treffen. Doch irgendwie bezaubert er sie mit seinem Charme und der richtigen Balance zwischen Hartnäckigkeit und Abwarten. Er fängt sie mit seiner ganz eigenen Art auf und im Laufe ihrer nächtlichen Strandbegegnungen lernen sie sich durch tiefgründige Gespräche immer näher kennen – und verlieben sich. Simons Leichtigkeit wird immer wieder von den Plänen seines Vaters überschattet. Dieser möchte, dass sein Sohn, wie seine älteren Brüder ein Wirtschaftsstudium beginnen soll. Aber Simons Liebe und Leidenschaft gehört der Kunst und er möchte erst einmal ein wenig von der Welt kennen lernen. Es gelingt den beiden, sich gegenseitig aufzufangen und verleben eine wunderschöne Sommerzeit – bis ein Unglück geschieht, dass Mia verändert und sie trotzdem immer wieder gerne an diesen Sommer zurückdenken lässt.

Rezension:

Den ein oder anderen Leser wird vielleicht der blümerant-kitschigen Titel mit entsprechendem Cover etwas abschrecken, doch es lohnt sich bei diesem Buch über den berühmten Schatten zu springen. Denn statt einer typisch amerikanisch-schmalzigen Lovestory liest man einen wunderschön aufgebauten und sprachlich einfühlsam übersetzten Roman, der natürlich im Grunde eine Liebesgeschichte ist, aber fernab von triefendem Kitsch und Sentimentalität. Das liegt hauptsächlich an der klugen Protagonistin Mia, die sich kluge Fragen über die Liebe und das Leben stellt und sich darüber in intelligenten Gesprächen mit Simon austauscht. Es sind Gedanken, die sich nicht nur auf die Jugend beschränken, sondern denen man in verschiedenen Lebensabschnitten immer wieder mal begegnet. „Wer kennt nicht die Gedanken, sich ständig beweisen zu müssen, mit den Gezeiten zu strömen und dabei unfähig zu sein, die eigene Richtung zu finden? Woher weiß man, dass es die sogenannte wahre Liebe ist und woran erkennt man sie? Dafür gibt es keine klare und eindeutige Antwort, man muss den Mut finden, sich fallen zu lassen und das momentane Gefühl zu genießen.“

Aber es sind nicht nur die klugen und philosophischen Überlegungen, die das Buch durchziehen und nachhallen, es sind auch die Bilder der beiden Familien, die nachdenklich machen. Mia, die sich immer von ihrer jüngeren Schwester in den Hintergrund gedrängt fühlt, weil diese genau den Wunschvorstellungen ihrer Mutter entspricht und sie selber mit ihrem Äußeren und Vorstellungen das Gegenteil präsentiert. Mia versucht der Mutter gerecht zu werden, weiß aber, dass es vergeblich ist. Ihre Tante dagegen verkörpert für sie das Idealbild einer Mutter und beneidet daher ihre Cousinen heimlich. Als ihre Cousine Mia erzählt, wie das Verhältnis wirklich ist, ist Mia desillusioniert und entsetzt. Auch ihre Cousine scheint nur eine Schachfigur ihrer Mutter zu sein, was nicht ohne Konsequenzen bleibt.

Ja, es ist ohne Zweifel eine Liebesgeschichte und wird sicher in erster Linie hauptsächlich  von Mädchen/Frauen gelesen werden. Aber trotzdem es ist ein intelligenter, vielschichtiger Roman, der neben tiefsinnige Gedanken über die Liebe und das Leben zwei Familien widerspiegelt, deren äußerer Schein auf ganz unterschiedliche Weise trügt.

Manchmal ist es nötig und tut gut, über seinen Schatten zu springen. Bei dieser amerikanischen Lizenz muss auch der Übersetzerin Stefanie Schäfer für ihre sensible und einfühlsame Übersetzung ein Lob ausgesprochen werden. Diese silberne Welle wird den Leser bzw. die Leserin mit einer wunderschönen Geschichte über den Sommer hinweg auch noch in den Herbst tragen.

Sabine Hoß

Bewertung:

 

 

 

 

 

 

 

 

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