Sommer war gestern


Ute Wegmann

dtv, Januar 2011

263 Seiten, € 8,95

ab 12 Jahre

Inhalt:

Ela und Kati sind beste Freundinnen seit den Kindergartenjahren. Sie leben seit 16 Jahren in einem kleinen Kaff in der Nähe von Köln. Beide träumen von einem aufregenderen Leben als dem immer gleichen, vorhersehbaren Ablauf ihres Alltags. Elas Eltern führen eine Spedition und geben ihrer Tochter nicht allzu viel Freiraum. Katis Eltern dagegen sind fast nie zu Hause und beschäftigen sich nur mit sich selbst und ihren Hobbys, Interessen. Kati bleibt meist sich selbst überlassen. Der große Traum der beiden Mädchen ist es, dieser Tristesse zu entfliehen und ihr Glück als Modedesignerinnen in New York zu machen. Nach einem Tennismatch, dass Ela stolz gewinnt, freundet sich Kati mit der Tennisgegnerin Anouk an. Ela versteht die Welt nicht mehr, kann und will nicht akzeptieren, dass sie nicht mehr die einzige Vertraute für Kati ist. Sie fühlt sich in ihrer egoistischen Eifersucht verraten. Doch da ist auch noch Lars, ihr Freund. Kann er ihr einen Weg zeigen, wie man trotzdem beste Freundinnen bleiben kann oder finden sie selbst wieder einen Weg zueinander?

Rezension:

Wenn man den Klappentext liest, stellt man sich eine ausgefeilte Dreiecksgeschichte zwischen zwei bester Freundinnen und einer neuen und interessanten Person vor. Doch diese Geschichte zerfasert sich in einem langgezogenen Plot, in dem viel zu viele Ideen eingebaut werden, aber keine wirklich gründlich ausgearbeitet und reflektiert wird.  Die unterschiedlichen Charaktere der beiden Protagonistinnen werden treffend beschrieben, einmal die stets bestimmende, immer das letzte Wort haben und stets siegen wollende Ela und Kati, die immer zurücksteht und nachgibt. Das langweilige und öde Leben in einem kleinen Dorf am Rande von Köln ist ebenfalls nachempfindbar, doch die häufigen Wiederholungen von immer wiederkehrenden Radtouren über trockene Feldstraßen langweilen irgendwann nur noch.

Ebenfalls werden mehrfach Kleinigkeiten bis ins Detail erzählt, wie z.B. die Zubereitung einzelner Gerichte und die Art und Weise, wie der Tisch gedeckt wird. Wichtige Erzählstränge dagegen bleiben in ihrer Entwicklung auf der Strecke. So wird eine unsittliche Annäherung des Schlossers mit einem Rachefeldzug beantwortet, der aber immer wieder durch neue Einbindungen weiterer Personen und Handlungsverläufen ins Stocken gerät und in einer Dramatik endet, die weder nachvollziehbar noch letztlich durchdacht ist.  Die Handlung springt von der Beziehung zwischen Ela und Kati zu Anouk, der eigentlichen Dritten im Bunde, dann tritt mal Lars, Elas Freund, ein wenig in den Vordergrund, bald abgelöst von Elas Oma, Katis Opa, dem Schlosser Schoner, den Eltern von Katie und Ela usw. Von der ursprünglichen Idee einer Dreiecks-Mädchen-Freundschaft bleibt nicht mehr viel übrig und das Ende der Geschichte überrascht dann auch nicht mehr wirklich.

Schade, die Autorin besitzt eine bilderreiche Sprache, die eigentlich faszinieren könnte. In dieser Geschichte hat sie jedoch zu viel eingebaut. Es gibt zu viele uninteressante Wiederholungen von unwichtigem und zu viele immer neue Handlungseinfällen, die oberflächlich bleiben, somit verliert sich der rote Faden. Den stolzen 363 Seiten hätten eine Straffung gut getan, damit das Wesentliche deutlicher und intensiver herausgestellt wird.

Schade, mit ihrem Buch „Never alone“ (dtv) hat Ute Wegmann eine überzeugende Handlung kompakt und spannend festgehalten. Mit diesem Buch ist ihr das leider in keiner Beziehung gelungen.

Sabine Hoß

Bewertung:

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