Für niemand

Tobias Elsäßer

Sauerländer, März 2011

154 Seiten, € 12,95

ab 14 Jahre

Inhalt:

Samy, Marie und Nidal sind drei Jugendliche, die sich in einem Internetforum anonym als Sailor, Train und Wisper zum gemeinsamen Selbstmord verabreden. Während sie sich noch über Tag, Uhrzeit und Ort noch einigen müssen, ist aber schon klar, wie sie ihr Leben beenden wollen: Gemeinsam wollen sie vom Dach eines Hauses springen. Jeder der drei hat eigene Gründe für seinen Freitod, doch wollen sie diese auf keinen Fall den anderen preisgeben. Yoshua ist ein Computerhacker, es gelingt ihm durch ein Internetcafé, in dem er seine Programme unerkannt laufen lassen kann, in den Chat der Drei hindurchzudringen und alles mitzulesen. Er schafft es sogar, die wahre Person hinter einem der Nicknamen herauszubekommen. Yoshua möchte natürlich verhindern, dass es zu der abgesprochenen Tat kommt, doch er weiß nicht, wie er das anstellen soll. Als er eines Tages in dem Internetcafé ein Mädchen kennenlernt, glaubt er aus dem Gespräch heraus zu erkennen, dass sie zu den drei Chattern gehört. Yoshua hat nun Angst, dass durch seine vorsichtige Annäherung das Mädchen seine Absichten erkennt und die anderen warnen wird, trotzdem will er irgendwie helfen. Es liegen drei Schicksale in seiner Hand und eine unbedachter Satz, eine unbedachte Handlung kann alles und nichts verändern.

Rezension:

Ein geplanter, verabredeter Selbstmord unter Jugendlichen per anonymen Chat in einem Internetforum ist für ein Jugendbuch schon ein heißes Eisen. Die Geschichte kann aufgrund des tragischen Themas entweder sehr erdrückend werden oder aus Angst, die Brisanz real anzusprechen, reißerisch und damit oberflächlich. Tobias Elsäßer ist es mit einer geschickt aufgebauten Episoden-Struktur gelungen, die aus der Sichtweise der verschiedenen Protagonisten erzählt, eine eindringliche Atmosphäre aufzubauen. Mal wird von den Gedanken, Leben der drei Jugendlichen erzählt, ebenso auch von Yoshua, der als Beobachter von außen immer ein wenig abseits steht. Aber auch andere Personen, wie z.B. der S-Bahnführer, der total verzweifelt ist, weil er sich nicht sicher ist, ob er einen Menschen oder ein Tier überfahren hat. Ergänzt werden diese fesselnden, bewegenden und sehr gut aufeinander aufgebauten Einblicke der Charaktere durch die Chat-Protokolle der drei Jugendlichen. Das jeder der drei Jugendlichen verzweifelt ist, manchmal nur einen Strohhalm bräuchte, um wieder Hoffnung für einen Neuanfang zu finden, spürt man als Leser, lässt ihn aber manchmal auch ratlos zurück. Der Grund für diese Ratlosigkeit ist sicher die Tatsache, dass die wahren Gründe für den geplanten Selbstmord leider (fast) verborgen bleiben. Es hätte sicher noch eine nachhaltigere Tiefe und eine verständlichere Nachvollziehbarkeit gebracht, wäre hier mehr Hintergrund der einzelnen drei Schicksalen beschrieben worden. Trotzdem ist der Aufbau der Episoden spannend gelungen wie auch die Angst  und Unsicherheit Yoshuas, was er denn nun mit seinem Wissen machen soll, ohne einen verhängnisvollen Fehler zu begehen. Obwohl es kein wirkliches Happy-End gibt, was die Geschichte nur ehrlich macht, bleibt der Leser mit dem konsequenten Tun der Jugendlichen nicht erstarrt zurück. Die unverkrampfte und gerade Schreibweise des Autors über ein tragisches und brisantes Thema regt ein Weiterdenken und Gespräch mit Jugendlichen an.

Sabine Hoß

Bewertung:

Ein Interview mit dem Autor findet Ihr hier:

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