Drachenvolk – Aufbruch ins Ungewisse (Band 1)

Paul Stewart

Chris Riddell (Bilder)

Aus dem Englischen von Friedrich Pflüger

Sauerländer, August 2011

464 Seiten, € 19,95

ab 14 Jahre

Inhalt:

Nachdem Micahs Liebe zur Tochter seines Herrn nicht erwidert wird und sie ihn der Lächerlichkeit preisgibt, macht er sich auf den gefährlichen Weg ins Land der Drachen. Dort hofft er auf einen Schatz und mit viel Geld wieder zurückzukehren. Doch der Weg dorthin birgt viele Gefahren. Micah muss sich nicht nur gegen angriffslustige Drachen zur Wehr setzen, auch Drachenjäger machen ihm das Leben schwer. Als er durch den Angriff eines Drachen außer Gefecht gesetzt wird, rettet ihn der Zinnensteiger Eli Halfwinter. Obwohl der grummelige Steiger nicht viel von Gesellschaft hält, ziehen die beiden gemeinsam weiter, nicht zuletzt weil die Kinfrau Jura aus dem Drachenvolk und Elis Freundin ihm den weisen Rat gibt, den Jungen zu unterrichten. Denn nur Eli kann ihm weit mehr beibringen als nur stehlen, rauben und töten, was er unweigerlich von den Drachenjäger lernen würde. Das stellt Micah ebenfalls fest, als er auf andere Jäger stößt, die auf brutale Weise ein wertvolles Drachenjunges gestohlen haben. Er lernt Thrace kennen, die eine Kin ist und fest mit ihrem Drachen verbunden ist. Micah verliebt sich die Kriegerin und neben der Frage, wie er Thrace für sich gewinnen kann, wird er immer tiefer in den Kampf gegen die Drachenjäger hineingezogen.

 

Rezension:

Wer ein Buch im humorvollen und ironischen Stil der „Klippenland-Chroniken“
oder „Muddelerde“ erwartet, der wird sicherlich etwas enttäuscht. Denn der kauzige Humor ist hier nur oberflächlich zu erkennen, was die Geschichte nicht wirklich abwertet, sie ist nur anders als die bisherigen Bücher des bewährten Duos von Autor Paul Stewart und Illustrator Chris Riddell. Spektakuläre oder wirklich neue Ideen rund um das Thema Drachen werden in der Geschichte nicht präsentiert. Es bleibt beim bewährten Gerüst Drachenjäger, der Diebstahl eines wertvollen Dracheneis, Drachenkrieger und das Drachenvolk, die Kin, als Besonderes. Diese Bausteine hat Paul Stewart jedoch spannend in einer sehr bilderreichen Sprache umgesetzt, was mich bis zum Schluss am Buch festgehalten hat. Dramatische Kampfszenen wechseln sich ab mit ruhigen Abschnitten, die die Welt der Jäger und des Drachenvolks anschaulich beschreiben oder in denen Micah um die Zuneigung der Kinkriegerin Thrace kämpft, so dass die Story männlichen wie weiblichen Lesern gefallen wird. Neben dem fehlenden satirischen Biss gibt es in diesem Buch auch die detailverliebten und unverkennbaren Schwarz-Weiß-Illustrationen von Chris Riddell nur in einem schmalen Rahmen am Beginn eines jeden neuen Kapitels, die sich aber thematisch perfekt einfügen und ihren eigenen optischen Reiz haben. Die wenigen großen Zeichnungen zeigen auf bekannte Weise herrliche, skurrile Drachengeschöpfe. Das Buch wird sicher auch Lesemuffel begeistern können, die sich sonst mit dicken Wälzern eher schwer tun, denn es ist in einem breiten Zeilenabstand und einer leicht lesbaren Schriftgröße gedruckt. Obwohl man die Geschichte am Ende des Buches für abgeschlossen halten könnte, lässt sie genügend Freiheit, sie weiterzudenken. Man darf daher gespannt sein, wie der erste Band fortgesetzt wird. Insgesamt eine solide Drachengeschichte mit bekannten Elementen, spannend und in einer ansprechenden Sprache umgesetzt. Ein typisches Stewart-Riddell-Werk ist es aber nicht.

Neben der stimmigen und bilderreichen Übersetzung von Friedrich Pflüger ist das gelungene Cover mit der Illustration von Chris Riddell ein optischer Hingucker; auf dem ein Weißdrache, je nach Lichteinfall, durch eine Silberfolienprägung entsprechend schimmert.

Sabine Hoß

Bewertung:

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