Schattenspieler

Michael Römling

Coppenrath, Juni 2012

352 Seiten, €  14,95

ab 12 Jahre

 

 

Inhalt:

Berlin in den letzten Wochen kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges. Leo ist Jude und lebt von seinem Freund Wilhelm gut versteckt in einem leer stehenden Haus. Bei einem Bombenangriff suchen die beiden Schutz auf dem Dachboden, was allerdings ein trügerischer Schutz für die beiden ist, denn eine Bombe reißt die Hälfte des Daches mit sich. Als Leo unverletzt wieder zu sich kommt, ist Wilhelm spurlos verschwunden. Leo ist ratlos, denn es passt gar nicht zu Wilhelm, ihn einfach so im Stich zu lassen, schließlich riskierte er bisher sein Leben, um ihn zu schützen. Leo findet auf Wilhelms Schreibtisch geheime Unterlagen der Gestapo, auf die er sich keinen Reim machen kann: Wie kommt Wilhelm an diese Dokumente? Steckt er mit der Gestapo unter einer Decke? Das kann und will sich Leo nicht vorstellen. Leo entschließt sich, Berlin zu verlassen, was für ihn lebensgefährlich ist. Dabei beobachtet er, wie ein Mann mehrere Kisten eines offenbar geheimnisvollen Schatzes heimlich beiseiteschafft. Ein Schatz, für den sich auch die russischen Alliierten interessieren, denen Leo prompt in die Arme läuft. Die russische Truppe hat sich in einer Villa einquartiert, in der Leo dem Jungen Friedrich wieder begegnet, den er bereits einmal flüchtig kennengelernt hat. Die Villa ist das Zuhause von Friedrich, seiner Mutter und blinden Schwester und es wird auch das neue Zuhause von Leo, denn die beiden Jungen freunden sich schnell an und auch Friedrichs Mutter nimmt ihn gerne auf. Friedrichs Vater ist im Krieg gefallen, als „Erbe“ hat er ein gestohlenes Bild hinterlassen, dass die Mutter auf keinen Fall behalten will. Leo und Friedrich wollen gemeinsam herausfinden, wem das Bild gehört und was sich hinter bzw. in diesen versteckten Kisten verbirgt. Diese Suche ist sehr gefährlich für die beiden Jungen, denn sie wissen nicht, wem sie vertrauen können und was sie wem sagen dürfen.

Rezension:

Die Tatsache, dass die Nationalsozialisten, aber auch andere Plünderer, während des zweiten Weltkrieges, hemmungslos und ohne Rücksicht auf die wahren Besitzer, so viele Kunstgegenstände wie möglich zu raubten, findet man kaum in Jugendbücher thematisiert und ist das Besondere an dieser Geschichte. Der Erzählstil mit kurzen, knappen Sätzen ist einfach zu lesen, wirkt aber nicht besonders geschliffen und etwas holprig. Mit dem jüdischen Jungen Leo hat der Autor einen ganz besonderen Protagonisten auf die Detektivreise nach den gestohlenen Kunstgegenstände geschickt. Dass Leo ein sogenanntes U-Boot ist, also zu den wenigen Überlebenden des Holocaust gehört, weil er über zwei Jahre in einem Keller versteckt worden ist, wird zwar erwähnt, aber nur oberflächlich, was mich persönlich sehr gestört hat. Es wird nicht wirklich nachvollziehbar erzählt, welche Qualen, Ängste diese Menschen unter, für uns völlig unvorstellbaren, dramatischen Umständen aushalten mussten. Sicher, das ist nicht das Hauptthema dieses Buches, wenn man aber eine solche Problematik mit einbezieht, darf sie nicht leichtfertig und flüchtig eingesetzt werden. Warum Michael Römling ausgerechnet einen jüdischen Protagonisten in den Vordergrund gerückt hat, bleibt zweifelhaft, denn diese Tatsache bekommt im weiteren Handlungsverlauf keine herausragende Bedeutsamkeit. Insgesamt liegt über diesem Buch ein Hauch von Abenteuer-Atmosphäre, dass den realistischen Umständen nicht immer gerecht wird. Die Protagonisten Leo und Friedrich wirken sympathisch, eine wirkliche Intensität bekommen sie, wie die andern Figuren, leider nicht. Zwar versucht der Autor und promovierte Historiker in verschiedenen Szenen die furchtbaren Zustände des völlig zerbombten Berlins und die gewaltvollen Übergriffe durch die russischen Alliierten widerzuspiegeln, aber sie bleiben zu oberflächlich, als dass sie wirklich betroffen machen oder nachhallen würden.

Vielleicht ist dieses Buch, dass durchaus spannend und ohne moralischen Fingerzeig aufgebaut ist, mit seinem leichten Schreibstil und dem ausgefallenen Inhalt eine Einstiegsmöglichkeit für Lesemuffel, sich mit dem zweiten Weltkrieg zu beschäftigen. Ein mit Tiefe ausgefülltes Stück Zeitgeschichte ist  „Schattenspieler“ eher nicht, dafür liegt zu sehr der unpassende Schleier eines unterhaltsamen Abenteuerromans über diesen dunklen aber wahren Teil der Geschichte Deutschlands.

Ein Glossar am Ende des Buches erklären historische Personen und Bezeichnungen.

Das Cover mit seinem transparenten Schutzumschlag und schwarz aufgedruckten Titel sowie einer alten Straßenkarte von Berlin auf dem Buchdeckel- und Rücken, (wie auch den schwarz-weiß Fotos auf der Innenseite) ist ausgefallen und originell gewählt.

Sabine Hoß

Bewertung:

 

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