Star

Star KLEIN

Salah Naoura

Beltz & Gelberg, 09.09.2013

210 Seiten, € 12,95

ab 11 Jahre

 

 

 

Inhalt:

Eigentlich wollte Marko gar nicht auf die Pferderennbahn und nur weil seine Mutter Geburtstag hat, begleitet er sie. Durch einen Zufall hört Marko einen Tipp, welche Pferde als Favoriten gehandelt werden und kann seine Mutter zu einem Wetteinsatz überreden. Und tatsächlich haben sie alle drei Pferde richtig getippt und gewinnen 6.000 Euro. Für Marko und seine Mutter eine unglaubliche Summe. Schließlich leben die beiden alleine und das Gehalt als Friseurin lässt keine großen Sprünge zu. Während Marko froh ist, dass sie jetzt nicht jeden Cent zweimal umdrehen müssen, hat seine Mutter ganz andere Vorstellungen. Sie glaubt an hellseherische Fähigkeiten ihres Sohnes und weiß das geschickt einzusetzen. Nach einem Artikel in der Zeitung folgt eine Einladung in die Fernsehshow „Little Star“, in der Kinder ihre Talente vorführen können. Marko will auf keinen Fall dorthin und sich zum Affen machen und irgendwelche hellseherischen Tricks vorführen, die er nicht kann. Aber der Gewinner der Show bekommt 100.000 Euro. Und Marko wünscht sich so sehnlich ein Smartphone. Während seine Mutter das gewonnene Geld der Pferderennbahn mit vollen Händen ausgibt, sie in ein teures Wohnviertel ziehen, weg von Markos alten Freunden, einen eigenen Friseursalon eröffnen will, versucht Marko sein altes Leben wieder zu bekommen. Sein bester Freund Greg unterstützt ihn dabei gewitzt und frech, was zu abenteuerlichen Situationen führt…

Rezension:

Salah Naoura ist ein Autor, der es immer wieder schafft, auf maximal 200 Seiten eine spannende, lebendige Geschichte mit Wortwitz und Tiefgang zu präsentieren, die Kinder wie Erwachsene gleichermaßen begeistert. Mit „Star“ greift er die leidige Hysterie um den bizarren Trend der Castingshows auf und die Tatsache, dass Erwachsene konsequenzenreiche Höhenflüge bekommen, wenn sie plötzlich über viel Geld verfügen. Selbst wenn alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig und nicht beabsichtigt sind, erkennt man ziemlich genau Parallelen zu bekannten Promi-Juroren, die „oooohn-glaub-lick amazing“ sind, mit einer schnodder-frechen Sprache die Teilnehmer und Kollegen herunterputzen oder mit einem aufgesetzten Lächeln „the show must go on“ spielen und sich alles gefallen lassen.

Naoura weiß sensibel die scheinbare Souveränität der Erwachsenen zu entlarven. Markos allein erziehende Mutter ist noch jung, was sie mit entsprechender Kleidung und Aussehen gerne betont und Marko manchmal nur peinlich findet.

Verständlich ist die große Freude über den unverhofften Geldsegen, doch während Marko mit einem heißersehnten Smartphone zufrieden ist, schlachtet die Mutter die Situation übertrieben und unüberlegt aus und führt Marko gegen seinen Willen regelrecht vor. Er macht gute Miene zu diesem folgenreichen Spiel, denn auch er weiß, dass Geld ein sorgenfreies Leben ermöglicht. Doch mit seinen angeblichen hellseherischen Fähigkeiten baut er sich ein Netz von Lügen, das immer unübersichtlicher wird. Auch er hat keine Hemmungen, diese Situation auszunutzen, was ihm jedoch nur kurze Zeit Freude macht und sogar die Freundschaft mit seinem besten Kumpel Greg gefährdet.

Eine amüsante und lebendig geschriebene Geschichte, die bei allem Witz durchaus nachdenklich macht. Salah Naoura zeigt mit Wärme und Herz die kleineren und größeren Fehlbarkeiten bei Erwachsenen und Kindern, die sich zeigen, wenn man etwas vorgibt, was man nicht ist.

Ein wunderschönes Cover ist die passende Einladung zum Lesen oder Vorlesen dieses Buches, bei dem Erwachsene wie Kinder ihren Spaß haben werden.

Sabine Hoß

Bewertung:

Ein Interview mit dem Autor findet Ihr hier:

 

 

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