Teenie Leaks – Was wir wirklich denken (Wenn wir nichts sagen)

Teenie Leaks KLEIN

Paul Bühre (15 Jahre)

Ullstein, Januar 2015

192 Seiten, € 16,99

All age 🙂

 

 

 

Ratgeber über Teenager, die uns Eltern meist in unseren nicht weniger Beistand nötigen Wechseljahren oder Midlife-Krise erwischen und die uns die vergessene, unbekannte, fremde Welt unserer Kinder greifbar machen wollen, sind oft nur bemühte, theoretische Weissagungen, da von Erwachsenen geschrieben – auch wenn diese sich gerne als Experten und „Lichtgestalten der modernen Pädagogik“ bezeichnen.

Jetzt endlich hat ein „direkt Betroffener“ sich zu Wort gemeldet: Der 15-jährige Paul Bühre aus Berlin hat den Mut, Eltern mit klaren, erhellenden Worten Licht in die Welt der für uns nebulösen Welt der männlichen Teenager zu bringen.

Herrlich unverkrampft und erfrischend offen spiegelt Paul die Eigenarten und das Verhalten seiner Altersklasse und das der Eltern wieder. Dabei lädt er den Leser sehr offen in die weite Klaviatur seiner Gefühlswelt ein, was ihn sympathisch und authentisch macht. Paul verzichtet auf Übertreibungen, noch macht er sich über uns Eltern lustig. Dafür gibt er uns mit humoristischer Leichtigkeit einen Einblick in die „dos“ und „don`ts“ und „must haves“ seiner Altersgenossen und den Artverwandten Eltern.

Paul erklärt, was in den Köpfen vorgeht, wenn Teenies auf die Handys starren, statt an der frischen Luft sich zu bewegen, wägt durchaus kritisch Faszination und Gefahren von Alkohol und Drogen ab. Ebenso kritisch beäugt er die angesagte Rapper-Gangsta-Musik, insbesondere der deutschen Rapper mit ihren teilweise rassistischen, und diffamierenden, asozialen Texten, was mir persönlich besonders positiv aufgefallen ist. Außerdem gibt er ehrlich zu, dass die Jugendlichen von heute durchaus schon viel früher einen Porno gesehen haben als unsere Generation; die Unsicherheiten, wie man an das Mädchen seiner Wahl herantritt sind aber genauso da wie zu unserer Zeit. Denn einfacher wird durch den frühen Einblick in die Hardcore-Erotik-Zone alles andere um die echte, wahre Liebe nicht – die Probleme sind die gleichen wie vor zwanzig, dreißig Jahren, nur die Umstände haben sich ein wenig verändert. Pubertäre Stimmungsschwankungen sind uns Eltern bestens bekannt – Paul mahnt uns, sie ernst zu nehmen und nicht oberflächlich darüber hinweg zu gehen.

Ein Kapitel hat es mir besonders angetan: „Erziehungsmethoden und ein paar einfach Erziehungstipps aus Sicht eines Betroffenen“, das mit 10 Geboten an die Eltern endet, die man natürlich nicht alle ernst nehmen kann – auch wenn der Autor versichert, dass die Eltern damit die Pubertät gut überstehen würde.

Auch wenn wir Großen hin und wieder meinen, dass unsere Heranwachsenden leidenschaftslos, langweilig und desinteressiert wären – alles ist gut und vieles wird noch besser. Mit diesem Buch und Paul wird uns noch mal klar, dass auch unsere Kinder wie wir damals Wünsche, Träume und Ziele haben und wir Eltern ihnen einfach nur den Rahmen und die Freiheit geben müssen, diese auf ihrem eigenen Weg zu erlangen.

Ich bin selber Mutter eines fast 15-jährigen männlichen Teenager und kann nur sagen: “Danke, Paul für dieses erfrischend offen erzählende Sachbuch – jetzt verstehe ich das ein oder andere über Euch und über uns Mütter ein wenig besser!” 🙂

Sabine Hoß

Bewertung:

Ein Interview mit Paul und Katharina Ilgen, Ullstein Verlag gibt es hier:

 

 

 

 

 

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