Lesen als Medizin – Die wundersame Wirkung der Literatur

Lesen als Medizin KLEIN

Andrea Gerk

Rogner & Bernhard, Januar 2015

352 Seiten, € 22,95

 

 

 

 

Jeder, der schon einmal erlebt hat, wie sehr Lesen emotional und psychisch in positivem Sinne beeinflussen kann, hat verspürt, was die Kraft der Literatur zu bewegen vermag.

„Bücher können Trost schenken, Mut machen, Spiegel vorhalten, Zuflucht sein, Erfahrungen vermitteln, Perspektiven ändern, Sinn stiften. Bücher amüsieren und berühren. Und sie können ablenken – nicht zuletzt von uns selbst.“

Literatur und Lesen kann helfen, aus Krisen, Krankheiten und vielen anderen belasteten Lebenssituationen herauszukommen oder zumindest Abstand und Reflexion zu erfahren. Die Autorin Andrea Gerk hat sich auf die Reise der Erforschung der heilsamen Lesetherapie begeben, die sie mit vielen wissenschaftlichen und medizinischen Belegen untermauert. Gerk bekennt sich selber dazu, immer wieder durch unterschiedliche Schriftsteller und Geschichten in intensiven, literarischen Leserausch zu verfallen; so in eine andere Welt einzutauchen und gleichzeitig durch die entsprechende Intensität ihrer direkten Umwelt, wie Familie, durchaus damit auf die Nerven zu gehen.

Doch die Literatur kann viel mehr, als in andere Welten und Zustände zu versetzen. Sie kann auch heilen, wie die Biblio- und Poesietherapie belegend zeigt. Während in den USA, Skandinavien und Großbritannien die Biblio- und Poesietherapie anerkannt zur Behandlung von psychischen Erkrankungen eingesetzt wird, ist sie hierzulande kaum bekannt, noch wird sie ernsthaft klinisch eingebunden.

So unterrichtete beispielsweise Siri Hustvedt als ehrenamtliche Mitarbeiterin der Payne Whitney Psychiatric-Clinic einmal pro Woche je eine Gruppe mit jugendlichen und eine mit erwachsenen Patienten. Bei uns bis jetzt noch eine Wunschvorstellung, dass eine ebenso erfolgreiche Autorin oder Autor mit psychisch erkrankten Menschen zusammenarbeitet und ihnen Schreibkurse gibt. Ebenso wie folgende Aktion:

„Seit Mai 2013 kann man sich in England gegen leichte bis mittelschwere Depression Bücher vom Arzt verschreiben lassen. Mit dem Rezept geht der Patient dann nicht in die Apotheke, sondern in die Stadtbibliothek: >Reading Well: Books on Perscription>“

Auf unterhaltsame und verständliche Weise lernt man nicht nur ein Stück Literaturgeschichte kennen, dieses Buch zeigt auch, wie die eigenen Gefühle durch literarische Entdeckungen geweckt werden können und analysiert, wie sehr Lesen Gehirn, Geist und Gesundheit belebt und befreit. Vom Lesen zum ebenfalls heilsamen Schreiben braucht es dann oft nur einen kleinen Anstoß.

Andrea Gerk hat viele Gespräche zu unterschiedlichen Themen mit Ärzten, Wissenschaftlern und Therapeuten zusammengetragen, die sich wie ein Mosaik zu einem perfekten Gesamtbild zusammenfügen. Wunderbar abgerundet wird es mit den persönlichen Lesetipps der Gesprächspartner, die Autoren oder Bücher handschriftlich auf einem Notizzettel festgehalten haben, die in ihrem Leben wichtig waren bzw. immer noch sind.

Ein wunderbares Buch, das in keiner Hausapotheke und in keiner Hausbibliothek fehlen sollte! Es beweist unterhaltsam, verständlich, fundiert und belegt, dass Bücher wirklich leben und das Lesen belebt.

Sabine Hoß

Bewertung:

 

P.S.

Übrigens, „Lesen als Medizin“ wurde von einer Probandin getestet und ohne Nebenwirkungen aber heilsam gegen Flugangst eingesetzt. 🙂

 

 

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