Im Spinnennetz – Die Geschichte von David und Anna

Klaus Kordon

Beltz & Gelberg, August 2010

560 Seiten, € 19,95

Ab 12 Jahre

 

 

 

Inhalt:

Der Abschlussband der Trilogie über die Anfänge der Demokratiebewegung spielt 1890 in Berlin. Der 16-jährige Zimmermannssohn David verliebt sich in Anna, die in bitterster Armut mit ihren Geschwistern lebt. Da ihr die nötige Schulbildung fehlt, versucht sie als Verkäuferin in einem Knopfladen ein wenig zum Familienunterhalt zu verdienen. David ist von ihrem frechen und selbstbewussten Charme fasziniert, aber er braucht schon Überzeugungskraft, dass auch Anna sich auf ihn einlassen kann. Als David beim Kleben staatsfeindlicher Plakate erwischt wird, fliegt er vom Gymnasium. Da er ohnehin nur seiner Familie zuliebe dorthin geht und von den meisten Lehrern und Schüler als „Kuckucksei“ bezeichnet wird, ist er darüber nicht wirklich traurig, denn nun kann er endlich das werden, was er immer wollte: Zimmermann. Als ihm Gefängnis mit der Anklage gegen das „Sozialistengesetz“ verstoßen zu haben droht, verspricht Anna auf ihn zu warten.

Rezension:

Kaum einer kann deutsche Geschichte so lebendig beschreiben wie Klaus Kordon. In seinem komplexen Abschlussroman der  „Jacobi-Saga“ lässt er die Zeit um 1890 anschaulich erstehen. Politische Entwicklungen und gesellschaftliche Zustände werden eingängig am Beispiel der Lebensgeschichte der Familie Jacobi beschrieben. Alle Charaktere sind geschliffen und hervorragend herausgearbeitet und man fühlt sich beim Lesen als Familienmitglied mit einbezogen. Selbst politische Verknüpfungen des damaligen Kaiserreichs werden nicht staubtrocken sondern leicht verständlich festgehalten. Dass die Bespitzelung der Männer und Frauen, die für die soziale Demokratie im Untergrund kämpfen mussten, sich wie ein riesiges Spinnennetz über sie spannte, ist auch heute noch in einigen Ländern aktuell. Man erlebt die persönliche Entwicklung von David vom müden, lustlosen Gymnasiasten, für den der Rausschmiss von der Schule nach seiner Festnahme etwas Erlösendes hat, denn jetzt kann er endlich Zimmermann werden, zum selbstbewussten jungen Mann. Sein Vater war Zimmermann wie sein Großvater und auch David fühlt darin seine Berufung. Doch nicht nur der Beruf vereint die Männer unterschiedlicher Generationen, auch der gemeinsame Kampf für soziale Gerechtigkeit gegen das herrschende Kaiserreich, selbst wenn er mit Gefängnis bestraft wird. Die immer größere werdende Schere zwischen protzigem Reichtum der oberen Schicht im krassen Gegensatz zur sozialen unteren Gesellschaft erinnert an aktuelle Entwicklungen.

Klaus Kordon ist ein warmherziger und mit Berliner Schnauze sprachlich charmanter Abschlussband über einen geschichtsträchtigen und bedeutenden Zeitabschnitt der deutschen Geschichte gelungen. Dieses Buch ist  jedem zu empfehlen, der in manch müdem Geschichtsunterricht eingeschlafen ist,  hier wird er wach und begeistert sein.

Sabine Hoß

Bewertung:

Ein Interview mit dem Autor findet Ihr hier:

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