Auf immer und ewig

Margret Steenfatt

rororo rotfuchs, September 2010

240 Seiten, € 6,95

ab 10 Jahre

Inhalt:

Hamburg, 1938. Nike, Nathan und Paul sind Freunde. Freunde auf immer haben die drei sich geschworen und es ist bisher auch kein Problem, dass Nathan Jude ist. Sie sind  ein eingeschworenes Trio und bilden die kleine Bande „Schwarze Hand“, die nach vollbrachtem Streich einen solchen Abdruck als Erkennungszeichen hinterlässt. Doch ihr festes Band bekommt langsam Risse, denn die unbarmherzigen Hetzparolen verbunden mit ungerechten Einschränkungen gegen die Juden breiten sich in alle Lebensbereiche aus, was auch die Freundschaft belastet. Nike und Nathan haben sich ineinander verliebt und die sensible Nike kann und will diese ungeheuerlichen Veränderungen nicht verstehen und widersetzt sich, wo sie nur kann. Der ungestüme, unüberlegtere Paul produziert sich zwar als Rädelsführer ihrer Streiche, ist aber aus Angst vor der Prügelstrafe seines Vaters zu feige, sich auch der Verantwortung zu stellen. Die schiebt er gerne auf Nike und Nathan ab. Schnell wird er von der Hitlerjugend und den nationalsozialistischem Gedanken beeinflusst und durchschaut wie viele andere nicht die Hintergründe. Da Nathan als Jude nun mit Leichtigkeit als Schuldiger für den angestellten Schabernack gefunden ist, beginnt für Nathan und Nike eine qualvolle Zeit. Doch die beiden haben sich geschworen auf immer und ewig zusammenzuhalten.

Rezension:

Die Zeit des sich verbreitenden Nationalsozialismus und der Judenverfolgung werden am Beispiel drei Heranwachsender und ihren Eltern beschrieben. Nathan ist der musikalische und feinfühlige der Dreiergruppe. Nike ist die oft hinterfragende und besitzt einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Den Hetzparolen gegen die Juden sieht sie sich mit Wut ohnmächtig gegenüber. Paul ist der vorlaute Ideengeber ihrer Streiche. So hat er den Blockwart, einem vermeintlichen Nazi-Anhänger, zu seinem beliebtesten Opfer auserkoren. Da das bekannte Trio immer einen schwarzen Händeabdruck als Zeichen hinterlässt, ist schnell klar, wer dahinter steckt. Die Strafe schiebt Paul jedoch gerne an Nike und Nathan weiter, da sein Vater die Possenspiele mit harten Prügeln quittiert. Paul hinterfragt wenig und lässt sich schnell von der Hitlerjugend faszinieren. Jetzt sitzt er zwischen zwei Stühlen, auf der einen Seite die Hitlerjugend mit ihren eindeutigen Parolen, auf der anderen Seite seine beiden Freunde, von denen einer Jude ist. Er versucht zwar sein Mitmachen bei der Hitlerjugend zu verharmlosen, doch schnell wird er von den Nazigedanken gefangen genommen. Nike, die für diese Zeit ein sehr burschikoses und aufgewecktes, Mädchen ist, weiß, dass die Liebe und Freundschaft zu Nathan unter dem politischen Gedankengut  verboten ist. Das kann und will sie nicht akzeptieren, doch immer öfter müssen die beiden sich verstecken. Auch wenn die Eltern von Nike und Nathan mit ihren Kindern offen über die politische Situation sprechen, liegt über allem die Angst, unbedacht die Wahrheit in der Öffentlichkeit auszusprechen, was für alle Lebensgefahr bedeutet. Der Nationalsozialismus konfrontiert die Eltern auf ganz unterschiedliche Weise. Nikes Eltern führen ein Antiquariat und müssen die Bücherverbrennung, das Verbot, Werke vieler bedeutender Schriftsteller ertragen. Nathans Vater ist ein hervorragender Geigenbauer, der als Jude seine Existenz und Wohnung verliert. Immer mehr Menschen aus ihrem Bekanntenkreis verschwinden plötzlich. Wenige weitsichtige Menschen retten sich in die Emigration, wenn sie es sich finanziell leisten können.

Die Geschichte erzählt sensibel und in einer klaren Sprache die Gefühle und Gedanken der drei Heranwachsenden wie auch die Sorgen der Eltern. Obwohl es in sich stimmig ist, denn Nike und Nathan pflegen mit ihren 13 Jahren für die damalige Zeit eine schon sehr innige Liebesbeziehung, ist mir das Ende einfach zu pathetisch und einige Selbstverständlichkeiten der Gegenwart sind mir zu gewollt in die Vergangenheit kopiert.

Letztendlich ist es aber ein wichtiges Stück Zeitgeschichte, das deutlich macht, wie die bisherige enge Freundschaft drei junger Menschen unter den politischen Einflüssen des Naziregimes plötzlich auseinander gerissen wird.

Sabine Hoß

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