Crank

Ellen Hopkins
Aus dem Englischen von H. Ahrens
Carlsen, August 2010
544 Seiten, € 14,00
“All Age”

Inhalt:

Kristina, 16 Jahre alt, ist ein freundliches, wohlerzogenes Mädchen aus einer „normalen“ amerikanischen Familie. Ihr leiblicher Vater hat sich seit Jahren nicht mehr um sie gekümmert, lebt auch weit entfernt in einer anderen Stadt. Doch Kristina will ihn kennenlernen und besucht ihn in für drei Wochen in den Ferien. Die Begegnung mit ihrem Vater verläuft überhaupt nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat. Ihr Vater ist ein oberflächlicher Mensch, der keinen festen Job hat und drogenabhängig ist. Kristina fühlt sich einsam und im Stich gelassen, gleichzeitig lernt sie den Nachbarsjungen Adam kennen und verliebt sich in ihn. Adam verführt sie, nicht nur in Sachen Liebe sondern auch mit Drogen. Für Kristina ist die Berührung mit Drogen überhaupt völlig neu und findet es toll, wenn sich der ganze Frust, die Realität und Einsamkeit im Rausch verschwindet. Doch ihr Urlaub bei ihrem Vater ist bald zu Ende und Kristina kehrt nach Hause zurück. Als Abhängige von „Crank“, wie sie die Drogen bezeichnet, entfernt sie sich immer mehr von ihrer bisherigen Persönlichkeit. Ihre Familie erkennt sie nicht wieder, ist aber hilflos und weiß nicht, ob und wie sie reagieren soll. Kristina ist eine zweigespaltene Persönlichkeit geworden: Auf der einen Seite Bree, die den Drogenrausch liebt und braucht, auf der anderen Seite Kristina, die tief in ihrem Inneren weiß, dass sie auf einem ganz gefährlichen Trip ist. Sie vegetiert völlig verzweifelt zwischen Sucht, Suche nach Hilfe und gleichzeitiger Ablehnung.

Rezension:

Wenn im Vorwort der Hinweis der Autorin erfolgt, dass das vorliegende Buch –auch- die persönliche Familiengeschichte beschreibt, kann man gespannt sein. Das kann zum niedergeschriebenen rührseligen Seelenstriptease führen oder zu einem überraschenden, berührenden Werk, dass aus einer ganz besonderen Sicht zeigt, wie wertvoll das Leben ist.

Kristina beschreibt aus ihrer Sicht die Entwicklung vom braven, wohlerzogenem Mädchen zum ausgebrannten Drogenjunkie. Die Geschichte wird  in Versform mit treffendem optischem Aufbau erzählt. Kristina legt ihr Familienleben, ihr persönliches Innenleben, ihre sich verändernde Persönlichkeit schonungslos dar. Wenn man glaubt, dass die Versform vor Beklommenheit, Entsetzen und Bestürzen schützt, der irrt hier gewaltig. Denn gewaltig ist die Sprache, gewaltig die reine Offenheit und Ehrlichkeit, mit der die gespaltenen Persönlichkeiten Kristina und Bree miteinander kämpfen. Glaubt Kristina noch am Anfang in Adam ihre erste feste Beziehung zu finden, wird sie später bitter enttäuscht. Als Hinterlassenschaft dieser „Liebe“ hat sie nur die neue Sucht nach „Crank“, den Drogen. Nach dem ersten Schnupfen von Kokain kommt sie davon nicht mehr los und die Besessenheit nach einem immer größeren Rausch wird Lebensinhalt. Mit dieser Sucht ändert sich ihr komplettes bisheriges Leben: alte Freunde werden langweilig, anstrengend, neue Freunde im Dunstkreis der Drogen sind nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Obwohl die Ausbreitung und Wirkung der Drogensucht schockiert, sind die bilderreichen Beschreibungen an keiner Stelle übertrieben. Der Vers- und Satzaufbau ist mit Bedacht und akzentuiert gewählt, leider werden jedoch einige Passagen etwas zu lang ausgeführt.

„Crank“ ist ein Buch, das das Thema Drogensucht mit einer aus dem Rahmen fallenden Sprache darstellt. Der Leser wird von Beginn an in die dramatische Entwicklung von Kristina einbezogen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Vielleicht ist dieses Buch manchem zu schockierend, zu brutal – doch selten ist zu diesem Thema  so authentisch aus der Sicht einer Betroffenen (Mutter) in dieser außergewöhnlichen Struktur geschrieben worden.

Sabine Hoß

Bewertung:

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