Ostrich Boys

Keith Gray

Deutsch von Michael Gutzschhahn

rororo rotfuchs, November 2010

320 Seiten, € 12,95

ab 13 Jahre

Inhalt:

Als die Beerdigung von Ross vorbei ist, beschließen die drei Freunde Kenny, Sim und Blake, dass dies alles andere als ein würdiger Abgang für ihren ehemaligen besten Freund gewesen ist. Ross wollte Schriftsteller werden und zu Lebzeiten immer zu einem gleichnamigen Ort in Schottland, um sich selbst zu finden. Da jeder von den dreien der Meinung ist, nur sie hätten Ross am besten gekannt, wollen sie ihm nun diesen Freundschaftsdienst erweisen. Es gelingt ihnen, die Urne zu stehlen und sich auf eine turbulente, abenteuerliche Fahrt ins südliche Schottland aufzumachen. Auf dieser Reise kommen sie sich auf unkonventionelle Art und Weise nahe. Die drei Freunde lernen ihre Grenzen kennen, erfahren vieles über sich und ihre Beziehungen untereinander und lernen die Werte einer wirklichen Freundschaft zu schätzen. Sie müssen aber auch erkennen, dass ihr bester Freund Ross ihnen nur eine Fassade seiner Persönlichkeit gezeigt hat und sie ihn in Wirklichkeit gar nicht kannten. Das stellt nun auch die Beziehung der Drei auf eine Zerreißprobe.

Rezension:

Ostrich Boys“ ist ein turbulentes, temporeiches Roadmovie mit ironischem, schräg-britischem Humor. Herrlich skurrile Szenen, die dennoch nie platt oder primitiv wirken, geben der Geschichte um eine geklaute Urne einen ganz speziellen Biss.

Blake entführt den Leser gemeinsam mit seinen beiden Freunden Kenny und Sim auf eine chaotische, abenteuerliche Bahnreise von dem englischen Ort Cleethorpes bis rauf nach Südschottland, ohne dass man genaue geografische Kenntnisse über die Route haben müsste. Die Geschichte spielt sich wie ein Film mit hoher Geschwindigkeit und einem brillant gehaltenen Spannungsbogen vor dem lesenden Auge ab, der wichtige rote Faden geht dabei aber nie verloren. Die einzelnen Charaktere des Trios werden geschliffen präsentiert: der verwöhnte und verschusselte Kenny, der lässige, extrovertierte und schnell verbal über das Ziel hinausschießende Sim und der übergewichtige und eher bedächtige, nachdenkliche Blake. Während der Reise müssen sie sich von ihren eingespielten, verteilten Rollen als ehemaliges Quartett trennen und neu zusammen finden, was ihre Beziehungen untereinander verändert. Hin und wieder müssen sie auch die eigenen Grenzen überspringen, was nicht jedem gelingt. Es gibt herrlich komische Dialoge und Beschreibungen, die eine Bandbreite von hintergründigem Lächeln bis zu lautem Auflachen haben. Jeder von den dreien ist der Meinung, dass er derjenige ist, der Ross am besten gekannt hat. Im Verlaufe dieser wahnsinnigen Reise müssen sie aber erkennen, dass dies offensichtlich nicht so gewesen ist, obwohl man sich schon so lange gekannt hat. Die Drei stellen fest, dass diese Reise auch ihre eigene Persönlichkeit und bisherige Einstellungen beeinflusst hat.

Als der Druck für die Freunde durch die Suche nach ihnen über die Nachrichten auf den Höhepunkt kommt, zeigt sich, wie stark das Band der Freundschaft tatsächlich ist. Neben den humorvollen Akzenten gibt es tiefgründige Gedanken über Beziehungen, Leben und Tod. Keith Gray ist eine komplexe Kombination über Freundschaft, der Tatsache, dass man meist nur die äußere Hülle eines Menschen kennt und das sogar unter besten Freunden der Akt des Verrats möglich ist, rundum gelungen. Obwohl die Drei immer wieder daran zweifeln, ob der Freundschaftsdienst und die damit verbundenen Folgen es wirklich wert sind, spricht Blake ein weises Schlusswort: „Man weiß nie was kommen wird, bis es wirklich soweit ist“ – oder anders gesagt: „Der Weg ist das Ziel“.

Dieses Buch hat die sichere Möglichkeit ansonsten eher lesefaule jugendliche Leser mit seiner spannenden Mischung aus schrägem Humor, Tempo und Gedanken über Freundschaft, Leben und Tod hinter ein Buch zu fesseln.

Ein großes Kompliment an Uwe-Michael Gutzschhahn für seine treffende, pointensichere Übersetzung.

Ebenso ein Wort zu dem auffälligen Cover, das zunächst etwas  wirr, verrückt und bunt erscheint aber genauso mit den perfekt gesetzten Details den Charakter der Geschichte stimmig widerspiegelt.

Sabine Hoß

Bewertung:

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