Winterspiele

Jean-Claude Mourlevat

Aus dem Französischen von Bettina Bach

cbt, November 2010

416 Seiten, € 12,99

ab 12 Jahre

Inhalt:

Eine harter Winter liegt über dem Land. Das Volk ist aber nicht nur durch die frostige Kälte wie erstarrt, auch durch die Herrschaft der Phalanx ist das Leben bewegungslos, denn sie lässt keinen Widerstand zu. Milena und Helen leben als Waisen in einem streng geführten Internat, das mehr einem Gefängnis gleicht. Als Helen sich mit ihrer Freundin auf den Weg zu ihrer Trösterin macht, treffen sie auf Bartolomeo und Milos, die ebenfalls in einem Jungeninternat leben. Als Helen ihre Freundin wieder beim vereinbarten Treffpunkt abholen will, ist diese verschwunden, mit ihr Bartolomeo. Von Milos erfährt Helen die Hintergründe der gemeinsamen Flucht. Ihre Eltern haben gegen die totalitäre Herrschaft der Phalanx gekämpft  und sind bei einem Putsch getötet worden. Die beiden beschließen, ebenfalls zu fliehen, um Bart und Mills zu suchen und sie bei ihrem Widerstand zu unterstützen. Diese werden nach ihrem Ausbruch von einer blutigen Mischung aus Hund und Menschen der Phalanx gejagt. Milos gerät durch eine Verletzung in die Fänge der Herrschaft und muss um sein Leben als Gladiator bei Kämpfen in einer Arena ringen. Helen ist auf sich alleine gestellt und findet Unterschlupf bei einer geheimen Gruppe von Widerständler der Phalanx. Aber auch Milena und Bartolomeo sind nicht untätig und nehmen ihre Spur auf. Sie alle geben die Hoffnung nicht auf, das Regime zu stürzen.

Rezension:

Eine bedrohliche Atmosphäre liegt über der Geschichte. Kinder, die in einem gefängnisartigen Internat aufwachsen, weil ihre Eltern beim Kampf gegen das herrschende Regime getötet wurden. Die Hintergründe werden vertuscht und geheim gehalten. Die Herrschaft der Phalanx duldet keinen Widerstand. Es wird eine Gesellschaft in einer fesselnden, epischen Sprache beschrieben, die zwar fiktiv ist, deren bedenkliche Entwicklung uns aber durchaus in der Gegenwart aufmerksam machen und sensibilisieren sollte.

Mourlevat beginnt seine Dystopie zunächst sehr ruhig und unscheinbar, die aber im Laufe der Handlung an Dramatik und Intensität zunimmt. Die vier Freunde zeigen in ihren Handlungen und ihrer Wahrnehmung der Bedeutung von persönlicher und politischer Freiheit, was Freundschaft, Mut und Widerstand zu vollbringen vermag. Die Charaktere der Protagonisten sind klar beschrieben und die unterschiedlichen Erzählebenen werden geschickt mit einem hohen Spannungsbogen miteinander verbunden. Auch wenn der Titel eine Assoziation an die „Tribute von Panem“ wecken, ist die Geschichte weder abgeschaut noch eine schlechte Kopie. Stimmig gelungen ist das Ende, in dem nach einem langen, harten Winter ganz sachte der Frühling erwacht und den Beginn einer neuen, besseren Zukunft anklingen lässt.

„Winterspiele“ ist ein spannendes Abenteuer, das Fiktion, Spannung, Liebe, Freundschaft und den Mut zum Kampf gegen ein rigides, totalitäres System miteinander verbindet. Eine Phalanx gibt es in der Gegenwart, Gott sei Dank nicht. Eine Sensibilisierung gegen Unterdrückung, autoritären Bestimmungen in unserer alltäglichen Umwelt ist jedoch damit eindrücklich gelungen und daran erinnert zu werden, dass es immer lohnt, sich gegen Ungerechtigkeit zu wehren.

Sabine Hoß

Bewertung:

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