Die Farben der Freundschaft

Linzi Glass

Aus dem Englischen von Ulli und Herbert Günther

Hanser, Februar 2012

224 Seiten, € 14,90

ab 13 Jahre

 

Inhalt:

1976 in Johannesburg, Südafrika. Obwohl die 17-jährige Ruby eine Weiße ist und in einem gepflegten und ruhigen Viertel lebt, engagieren sich ihre Eltern auf unterschiedliche Weise gegen die Apartheidpolitik. Ihre Mutter besitzt eine Galerie und unterstützt heimlich farbige Künstler, der Vater ist Rechtsanwalt und kämpft auch gegen die Ungerechtigkeiten gegenüber den Schwarzen. Sie verstecken in ihrem Haus Julian, einen farbigen und sehr talentierten Künstler. Seine Bilder, die das Leben in den Townships zeigen, berühren durch eine tiefe Aussagekraft. Ruby fühlt sich zu Julian hingezogen und auch sie hat auf ihn eine inspirierende Wirkung. Als Ruby das Mädchen Loretta nach einem Rugbyspiel kennenlernt, ist sie zunächst unsicher, wie sie sich ihr gegenüber verhalten soll, obwohl die beiden Mädchen sich auf Anhieb verstehen. Denn Loretta ist eine Burin bzw. Afrikaanderin. Afrikaander sind für eine eindeutige Abgrenzung zwischen Schwarz und Weiß und Loretta geht auch auf eine Schule, in der nur afrikaans gesprochen wird, während Ruby auf eine englischsprachige Schule geht. Doch Loretta begegnet Ruby herzlich und unkompliziert und überzeugt sie, dass ihre persönliche Einstellung liberaler und offener ist. Als Ruby sich in Lorettas Bruder Johann verliebt, gerät sie immer mehr zwischen diese zwei Welten. Damit die Untergrundarbeit ihrer Eltern nicht gefährdet wird, darf sie keine Schulfreunde mit nach Hause nehmen und auch Johann darf nichts von den Aktivitäten ihrer Eltern – und von Julian wissen. Ruby wählt Johann als Begleitung zum Schulball aus, was für beide eine folgenreiche Veranstaltung wird: Johann wird in eine Schlägerei verwickelt, worauf Ruby ihre Position als Vertrauensschülerin aberkannt wird und ihr nahe gelegt wird, die Schule zu verlassen. Plötzlich ist auch Ruby eine Außenseiterin, obwohl sie eine Weiße ist.

 

Rezension:

Die südafrikanische Apartheidpolitik liegt der Autorin Linzi Glass sehr am Herzen. Dieses Thema war bereits Leitmotiv in ihrem beeindruckenden Debüt „Im Jahr des Honigkuckuck“, wie auch nun in ihrem zweiten Buch. Die Geschichte um die sympathische Protagonistin Ruby baut sich mit einer feinen und subtilen Spannung auf, die sich im Laufe der Handlung steigert und bis zum Schluss fesselt. Die Autorin schafft in einer sensiblen und anmutigen Sprache überzeugende Charaktere, in die man sich gut reindenken kann und die nachvollziehbar sind. Ruby ist am Anfang fest entschlossen, den Kampf gegen die Apartheid wie ihre Eltern aufzunehmen und sie zu unterstützen. Trotzdem muss sie bitter feststellen, dass die Hilfe recht schnell an ihre Grenzen stößt und sogar das Leben ihrer Eltern gefährdet. Ruby selbst wird durch ihre Freundschaft mit Johann zur Außenseiterin, da sie die gesellschaftlichen Regeln verletzt hat und fühlt sich wie eine Figur auf dem Schachbrett der Weißen Gesellschaft. Was die Liebe zur Kunst und Musik an Kraft zu schenken vermag, zieht sich wie eine Melodie durch das Buch. Ein kleines Beispiel ist dieser wunderbare Satz: „Musik ist die rechte Hand und Malerei die linke. Die eine stützt die andere. Zusammen sind sie gleichwertige Teile kreativer Vollkommenheit.“ Daraus schöpfen der Maler Julian und Rubys Eltern ihre Kraft, um täglich den perfiden Kampf gegen die Apartheid aufzunehmen und den Farbigen ihre Unterstützung, wo und wie immer es geht, zu schenken. Es ist der Autorin auch in diesem Buch beeindruckend gelungen, das gesellschaftliche Bild des Südafrikas Ende der siebziger Jahre aufleben zu lassen, in denen Farbige wie Abschaum behandelt werden, was den Leser noch heute betroffen macht. Das Einzige, was ein wenig stört, ist die Tatsache, dass die Geschichte doch einen großen Schwerpunkt auf den sogenannten „love interest“ hat und an ein „Romeo und Julia“-Szenario erinnert. Damit wird dieses Buch sicher eher von weiblichen Lesern entdeckt werden als von Jungs, was schade ist.

Auch wenn „Im Jahr des Honigkuckucks“ das Thema der Rassentrennung außergewöhnlicher und vielschichtiger beschreibt, überzeugt die Autorin auch mit ihrem zweiten Werk, nicht zuletzt durch ihre einnehmende Sprache. Wobei an dieser Stelle Ulli und Herbert Günther für ihre sensible und gelungene Übersetzung  ein Lob ausgesprochen werden muss.

Linzi Glass zeigt ein  gesellschaftliches Leben Südafrikas kurz vor den Aufständen von Soweto, das auch im Nachhinein bestürzt und mahnt, keine Unterschiede zwischen Hautfarben zu machen.

Das Cover ist stimmig und perfekt.

Sabine Hoß

Bewertung:

 

 

 

 

 

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