Im Zeichen des Mondefestes

Barbara Laban

Chicken House, Oktober 2012

249 Seiten, €  12,95

ab 12 Jahre

 

 

Inhalt:

Sienna zieht aus beruflichen Gründen ihres Vaters mit ihm von London nach China, in die große Stadt Schanghai. Mit dabei ist ihr treuester Freund und ständiger Begleiter, der unsichtbarer Hund Rufus. Ihr Vater kann wie andere Erwachsene Rufus nicht sehen und hat daher  wenig Verständnis für Siennas Selbstgespräche. Schließlich ist sie jetzt schon ein großes Mädchen uns sollte sich auch so verhalten. Vor einigen Monaten Siennas Mutter in China wie vom Erdboden verschwunden. Sie ist Expertin für Archäologie und spezialisiert auf chinesische Geschichte. Während ihres letzten Auftrages in der Provinz Henan hat sie von einen auf den anderen Tag kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Nachdem die Polizei und Siennas Vater monatelang vergeblich nach hr gesucht haben, mussten sie vom Schlimmsten ausgehen. Doch Sienna ist überzeugt davon, dass ihre Mutter noch lebt. Als Sienna in Shanghai ankommt, ist sie überwältigt von den vielen neuen Eindrücken, die auf sie einstürzen. Hinzu kommt, dass ihr Vater nie Zeit für sie hat und sich statt dessen eine sehr unfreundliche und hinterhältige Hauslehrerin Ling um sie kümmert. Sienna ist verzweifelt, denn Ling hält sie in der Wohnung gefangen und tyrannisiert sie. Als Sienna eines Tages beobachtet, dass Ling den Schmuck ihrer Mutter an einen mysteriösen Unbekannten verkauft und Sienna auch ihr vermisstes Schatzkästchen mit Erinnerungen an ihre Mutter im Safe findet, ergreift sie die nächste Chance und haut ab. Doch wo soll sie hin, sie kennt sich doch in der großen Stadt nicht aus? Der Junge Langlang fängt Sienna bei ihrer Flucht ab und bringt sie zu sich nach Hause. Dort findet Sienna zum ersten Mal Geborgenheit und kann endlich alles erzählen. Lamia, bei der Langlang lebt, versteht Sienna und kann auch Rufus sehen. Schnell ist klar, dass Lings kriminelle Machenschaften, das Verschwinden von Siennas Mutter und Langlangs Ziehbruder miteinander verknüpft sind. Um die Spur zu verfolgen müssen Sienna und Rufus mit Langlang  zum Tempel des duftenden Berges, in die Stadt Pingdishan in der Provinz Henan. Das ist der Ort, an dem Siennas Mutter zuletzt gearbeitet und gesehen worden ist. Für Sienna, Langlang und Rufus beginnt eine gefährliche und abenteuerliche Reise…

Rezension:

„Der goldene Pick“ ist eine Auszeichnung, mit der seit 2010 der Verlag Chicken House (Carlsen) und die Fünfköpfige Jury der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das Debüt, d.h. ein noch unveröffentlichtes Manuskript junger Autoren, des Jahres suchen. Bereits 2010 konnte Regina Dürig mit „Katertag oder: Was sagt der Knopf bei Nacht?“ (Rezension auf dieser Seite) überzeugen. So war ich auch dieses Jahr auf das neue Debüt neugierig.

Bereits auf der ersten Seite wird für den Leser klar, dass es in der Geschichte auch um sprechende Tiere geht, die Kindern ein ständiger Begleiter sind,  von Erwachsenen jedoch nicht gesehen werden. Sicher, das ist im Bereich Fantasy wirklich nichts Neues und trotzdem nimmt die Handlung den Leser gefangen. Vielleicht liegt es an der wunderbaren und gekonnten Mischung von Fantasyelementen und Realität. Chinesische Traditionen, wie beispielsweise das Mondscheinfest begegnet europäischer und asiatischer Gegenwart, was sich nicht ausschließt sondern harmonisch miteinander verbunden wird. Die spannend aufgebaute und gefühlvoll erzählte Abenteuergeschichte wird in einer bilderreichen Sprache temporeich erzählt, ohne den roten Faden zu verlieren. Auch wenn man noch niemals in China gewesen ist, beschreibt Barbara Laban anschaulich und verständlich die Eigenarten und Besonderheiten des Landes. Man riecht, fühlt und spürt das Leben in der großen chinesischen Metropole. Es sind so viele Eindrücke, die auf Sienna hereinstürzen und ganz langsam verarbeitet werden müssen, denn alles ist so anders, wie das gewohnte Leben in London. Hinzu kommt noch die Trauer und Sehnsucht über das Verschwinden ihrer Mutter. Die verschiedenen Charaktere sind lebendig und nachvollziehbar, sei es die zunächst überforderte und  verunsicherte Sienna, die im Laufe der Handlung an Stärke und Selbstbewusstsein gewinnt, der Vater, der zwischen Sorge und Verdrängen agiert oder Ling, die auf Anhieb einfach nur unsympathisch ist und bleibt. Herrlich der stets leicht grantelnde Hund Rufus, der die Taten und Verhaltensweisen der Erwachsenen mit einem bissig-trockenen Humor kommentiert, und sich als unsichtbarer Begleiter für Erwachsene mit Herz und Verstand in das Herz des lesenden Derselbigen schleicht. Damit erweitert die Autorin die spannende und vielseitige Fantasy-Abenteuergeschichte mit einer weiteren Erzählebene, die sich mit der Tatsache beschäftigt, dass sich beim Übergang von Kindheit ins Erwachsenenalter viele wunderbare Fähigkeiten der Phantasie verlieren. Damit ist die Schwierigkeit verbunden, Phantasie von der Realität abzugrenzen und zu reflektieren. Was sich hier höchst komplex und theoretisch liest, bindet Barbara Laban mit kluger Leichtigkeit in ihrer Geschichte ein, so dass es auch für Kinder verständlich ist.

Wie das Abenteuer ausgeht, wird natürlich nicht verraten. Nur so viel, dass man die Autorin im Auge behalten sollte. Denn auf ihr nächstes Buch, sei es eine Fortsetzung ihres wirklich überzeugenden Kinderbuchdebüts, das Jungen und Mädchen, (entgegen der für mich unverständlichen wie unpassenden Verlagsempfehlung) gleichermaßen anspricht oder einer ganz neuen Geschichte bin ich jedenfalls sehr gespannt.

Die Farbe des Cover ist sicher Geschmackssache und zielt eindeutig auf Mädchen ab, wovon man sich allerdings nicht beirren lassen sollte. Der abgebildete Drache taucht zwar in der Handlung auf, ist jedoch auch das klassischste und damit nicht ausgefallenste Bild, das hierzulande mit China in Verbindung gebracht wird , darüber hinaus werden die Osmanthus Duftblütenfalsch dargestellt.

Sabine Hoß

Bewertung:

 

 

 

 

 

 

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