Gilberts grausiges Getier

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Saskia Hula – Eva Muszynski

Gerstenberg, Januar 2014

32 Seiten, € 12,95

ab 4 Jahre

 

Für ein Kind im Kindergartenalter können ein paar Minuten alleine daheim zu bleiben eine große Herausforderung sein. So auch für den kleinen Gilbert, der in einem Haus lebt, in dem er hinter jeder Ecke ein furchtbar gefährliches Tier sieht. Da verstecken sich zum Beispiel ein wütendes Nashorn, ein räudiger Wolf bis hin zur giftigen Spinne und einem Schwarm Fledermäuse. Solange die Mama da ist, sind auch die Tiere nicht da, denn sie hat sie gut im Griff. Deswegen will Gilbert auf keinen Fall alleine in der Wohnung bleiben, denn er hat Angst, dass sich die wilden Tiere dann auf ihn stürzen und auffressen. Eines Tages muss die Mama nur mal ganz kurz rüber zur Apotheke und lässt Gilbert kurzerhand für diesen Moment alleine. Bevor dieser sich dagegen wehren kann, ist die Mutter auch schon raus. Nun muss Gilbert tapfer sein. Aber ausgerechnet jetzt merkt er, dass er ganz dringend aufs Klo muss. So was doofes, denn das Klo ist weit entfernt vom Küchentisch. Damit er sich nicht alleine dorthin auf den Weg machen muss, sucht Gilbert einen Verbündeten aus der versteckten, wilden Tierschar. Aber egal an wen er denkt und wo er den Verbündeten sucht, sie bleiben in ihrem Versteck und zeigen sich nicht. Während dieser Suche nähert sich Gilbert immer mehr dem Badezimmer und erreicht ohne Verbündeten das Klo. Selbst den so hoch gelegenen Lichtschalter erreicht er, mutig und mit Mühen. Jetzt sieht Gilbert, dass es auf dem Klo gar kein Krokodil gibt, wie er auch nicht das Nashorn, den Wolf, die Würgeschlange und all die anderen furchtbaren Tiere nicht gefunden hat, mit denen er sich doch eigentlich so gerne verbünden wollte.

Statt dessen sieht er von der Decke herabhängend ein klitzekleines Tierchen. Zuerst will er ängstlich Aufschreien, doch dann ist er sicher, den ungewöhnlichsten aller Verbündeten gefunden zu haben. Einen, den er sich bis dahin gar nicht vorstellen konnte und mit dem er gemeinsam die Zeit überbrückt, bis die Mama wieder da ist.

Saskia Hula beschreibt auf humorvolle Weise und mit warmherzigen Verständnis die Angst von kleinen Kindern, wenn sie mal einen ganz kleinen Moment alleine bleiben sollen. Sie spielt die Angst nicht herunter, noch macht sie sich darüber lustig. In kurzen aber prägnanten Sätzen und bilderreichen Vergleichen zeigt sie die kindliche Einbildungskraft und macht die Angst vor dem Alleinsein auch für Erwachsene verständlich. Trotz der leicht gruseligen Geschichte gibt es Momente, die herrlich witzige Bilder zeigen, die zum entspannenden Kichern einladen.

Eva Muszynski hat gruselige und dennoch liebenswerte Illustrationen mit vielen kleinen Details gezeichnet. So kann man beispielsweise die aufgezählten wilden Tiere suchen, die sich in ganz normalen Gegenständen im Flur des Hauses verstecken. Dann gibt es ganzseitige Bilder, die z.B.   Gilberts Schreck greifbar festhalten, als ihm von einem Moment auf den anderen klar wird, dass er jetzt tatsächlich alleine ist. In passenden dunkel gehaltenen Bildern begleitet man den kleinen Jungen auf seinem Weg zum Klo und auf der Suche nach einem Verbündeten. Obwohl sie leicht unheimlich wirken, überfrachten sie die Kinder nicht, denn sie werden sorgsam mit hellen Zeichnungen und witzigen Texten abgewechselt. Bei dem „Schlussbild“, auf dem dem Gilbert auf dem Klo sitzend seinen wirklichen Verbündeten trifft, ist Kichern fest versprochen.

Bereits für die Kleinen ab 4 Jahre eine wunderbare Vorlesegeschichte, die von Angst vor dem Alleinsein und dem Mut erzählt, wie stolz man ist, wenn man es doch für fünf Minuten schafft.

Sabine Hoß

Bewertung:

Ein Interview mit der Autorin findet Ihr hier:

 

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