Alles was ich sage, ist wahr

Alles was ich sage ist wahr KLEIN

Lisa Bjärbo

Aus dem Schwedischen von Maike Dörries

Beltz & Gelberg, 10. Februar 2014

253 Seiten, € 13,95

ab 14 Jahre

 

 

Alicia ist 16 Jahre alt wächst in einem behüteten Elternhaus mit ihrem fünf jahre alten Bruder auf – und rebelliert. Sie schmeißt die Schule hin, denn sie fühlt, dass große Taten auf sie warten und die werden definitiv nicht in der Schule passieren. Das Entsetzen über ihre Entscheidung ist  dementsprechend bei ihren Eltern und ihrer besten Freundin Fanny groß. Doch alle Bemühungen, sie von ihrem Vorhaben abzubringen scheitern. Als sich die Stimmung daheim in einen permanent hochexplosiven Zustand festsetzt, zieht Alicia zu ihrer Oma. Zu ihr hat sie schon immer ein herzliches und inniges Verhältnis und sie gleicht so manches mit ihrer ruhigen Art aus. Obwohl Oma schon weit über achtzig ist, ist sie für Alicia die coolste Oma der Welt. Nachdem Schule kein Thema mehr ist, hat Alicia einen Job im trendigen „Kaffee & Träume“gefunden. Bei dieser Arbeit hat sie zum ersten Mal richtig Spaß und sie kann zeigen, was sie kann. Hier trifft sie auf einen griechischen Gott: Isak. Ein junger, gut aussehender Typ, der regelmäßig Stunden im Café verbringt. Alicia verliebt sich auf den ersten Blick in ihn, obwohl ihre Kolleginnen ihr verraten, dass er eine feste Freundin hat.

Ihre beste Freundin Fanny hat von Alicia Abstand genommen, als diese die Schule geschmissen hat. Doch Alicia geht auf sie zu und ihre lange Freundschaft findet wieder eine Basis. Gemeinsam überlegen sie, wie die nächste Zukunft ausschauen mag, in der bei Alicia natürlich Isak dazugehört, auch wenn sie noch nicht weiß, wie.                                    Als Alicia eines Tages von der Arbeit heimkehrt, findet sie ihre Oma im Badezimmer auf dem Boden liegend und blau vor Kälte. Sie ist unter der Dusche ausgerutscht und hat sich schwer verletzt. Die Operation des gebrochenen Oberschenkelknochen übersteht die Oma erstaunlich gut, daher ist es für alle unfassbar, dass sie an den Folgen der Operation unerwartet verstirbt. Plötzlich gerät für Alicia die Welt aus der Bahn. Ihr geliebte Oma, von der sie auch Kritik angenommen hat, ist nicht mehr da. Ist sie wirklich stark genug, alles alleine so zu stemmen, wie sie es sich vorgestellt hat?

Kann man pubertierende Rebellion, die erste Liebe, die einen Hals über Kopf überfällt und das kompakte Thema Tod auf 250 Seiten sinnvoll zusammenpacken? Man kann, das zeigt die junge schwedische Autorin Lisa Bjärbo mit ihrer ersten Veröffentlichung in deutscher Sprache.

Unaufdringlich locker, dabei gleichzeitig mit kluger Ernsthaftigkeit und Witz beschreibt sie den Frust von Pubertierenden in ihrem engen Schulkorsett, dem Ansturm von Gefühlen und dem rebellierenden Verhalten gegenüber den Erwachsenen, selbst bestimmend und anders leben zu wollen, als erwartet. Man kann Alicias Wunsch verstehen, die Schule hinzuschmeißen, um „Großtaten“ zu vollbringen. Auch wenn man als (altkluger) Erwachsener weiß, dass das fast zum Scheitern verurteilt ist. Aber Alicias Eltern sind klug und lassen ihre Tochter sich erst einmal versuchen, denn sie hat offensichtlich mit ihrem Job im „Kaffee und Träume“ zumindest nicht nur Träume, sondern auch einen Plan, wie es weitergehen soll. Alicias Korrektiv ist ihre betagte Oma, die ihr auch die Dinge sagen darf, die sie von anderen nicht hören oder annehmen will – und die ihr aber auch die Freiräume lässt, die Alicia gerade braucht. Als sie ihre Oma nach dem Sturz ins Krankenhaus bringen muss, merkt Alicia, dass die Rolle der verantwortlichen Erwachsenen doch noch nicht gewachsen ist. Das bestätigt sich, als die Oma nach der schwierigen Operation unerwartet stirbt und für Alicia eine Welt zusammenbricht. Sie treibt wie ein Korken auf dem Wasser und weiß plötzlich gar nicht mehr, was sie eigentlich will. Es gelingt ihr, Isac für sich zu gewinnen und in einem Gefühlsrausch sich ihm hinzugeben, doch wirkliche Freude hierüber kommt zunächst nicht auf. Dennoch gelingt es ihr gemeinsam mit Isac einen neuen Blick auf ihre Zukunft zu richten. Der Tod der Oma hat innerhalb der Familie dazu geführt, wieder ein kleines Stückchen näherzurücken, miteinander zu reden und sich gegenseitig zuzuhören.

Der Autorin gelingt es in ihrem deutschen Debüt auf einfühlsame Weise vielfältige Themen im psychischen wie physischen Adoleszenz-Entwicklungsprozess mit humorvoller Tiefe und selbstkritischer Erkenntnis zu beschreiben.

Ein Buch, das Spaß beim Lesen macht und deren Protagonistin “hängen bleibt”.

Maike Dörries hat die Sprache und Stimmungen von Lisa Bjärbo wunderbar aus dem Schwedischen ins Deutsche  transportiert.                                                                                      (Ebenso wie in dem Kinderbuch „Leo und das ganze Glück“ von Synne Lea, Oetinger)

Das Cover ist wie der Titelschriftzug ein wenig schrill und laut, passt aber mit der jungen Frau, die sich hinter einer großen Sonnenbrille versteckt, perfekt zur Geschichte.

Sabine Hoß

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