Brennendes Wasser

Brennnendes Wasser KLEIN

Lukas Erler

Arena, Juli 2014

272 Seiten, € 14,99

ab 14 Jahre

 

 

 

Hydraulic Fracturing, kurz Fracking genannt, ist die Bezeichnung für das höchst umstrittene Verfahren, auf der Suche nach Erdgasvorkommen große Mengen Wasser, das mit Chemikalien und Sand gemischt wird, tief in die Erde zu pressen. Dadurch wird ein sehr hoher Druck erzeugt, der das Gas an die Oberfläche transportiert. Welche Chemikalien das genau sind, darüber schweigen die Firmen. Während in verschiedenen Bundesstaaten in den USA dieses Procedere bereits erfolgreich und nicht selten praktiziert wird, gibt es hier ebenso viele Beschwerden über verunreinigtes Trinkwasser, das in der Nähe der Fracking-Bohrungen festgestellt wurde. Die Firmen, die hinter dieser fragwürdigen Fördermethode stehen, haben allerdings für viele Farmer schwer zu widerlegendes Argument: Sie bieten hohe Abkaufsummen für das Land, die den Menschen zwar Wohlstand und ein abgesichertes Leben bieten, auf der anderen Seite müssen sie aber auch damit rechnen, dass ihr Land unbrauchbar geworden und das Wasser aus den eigenen Brunnen nicht mehr genießbar ist, vielmehr noch, krank macht.

Als Krimi-Autor hat sich Lukas Erler mit 2010 mit „Ölspur“ und „Mörderische Fracht“ bereits einen Namen gemacht, für seinen ersten Jugendroman hat er das hoch aktuelle wie brisante Thema Fracking, das bisher noch nicht in der Jugendliteratur thematisiert wurde, gewählt. Mit verschiedenen Schauplätzen von Kantheim in Norddeutschland über Colorado in den USA bis zu Toronto und Vancouver in Kanada verbindet Erler raffiniert seine Handlung:

In Kantheim, Norddeutschland, beobachten die drei Freunde Caro, Josh und Speedy heimlich einen seltsamen, alten Mann bei ausgeflippten Tänzen in seinem heruntergekommenen Haus. Als sie sein merkwürdiges Gebaren auf Video festhalten wollen, werden sie nicht nur Zeuge seiner verrückten Tanzeinlage sondern auch, wie aus dem Wasserhahn eine Stichflamme schießt und das Haus explodieren lässt. Der alte Mann überlebt die Explosion nicht und die drei Freunde kommen schwer verletzt ins Krankenhaus. In Denver, Colorado zwingt der siebzehnjährige Gary Warshinski mit Waffengewalt die Manager von National Gas & Oil, die auf dem Boden der Farm seines Vaters nach Erdgas gebohrt haben, von dem verseuchten Trinkwasser zu trinken. Sechs Wochen nach den Bohrungen veränderte sich dort das Wasser in eine ungenießbare Brühe, die Firma stritt jeden Einfluss durch die Bohrungen ab und auch die Gutachten eines angeblich unabhängigen Umweltinstituts bescheinigte, dass das Trinkwasser unbedenklich sei. Garys Vater ist an dem Ärger und der Ohnmacht gegenüber National Gas & Oil zerbrochen und an Herzversagen gestorben. Für Gary ein Grund, Rache an dieser Firma zu nehmen, allerdings mehr impulsiv als durchdacht. In Boulder, Colorado übernimmt die Rechtsanwältin und Spezialistin für Umweltfragen Gillian Hayes im Auftrag von CLEAN WATER FUND die Vertretung von Gary, der ziemlich tief in der Klemme sitzt. Mittlerweile ist bis in die USA die Explosion in Kantheim bekannt geworden, was einige Probleme mit sich bringt, denn Deutschland ist alles andere als offen für die umweltrechtlich zweifelhafte Bohrmethode. In Toronto, Kanada steht der für Europa zuständige Robert D. Coldstone der „International Energy Exploration Systems“ am Ende seiner beruflichen Karriere, den die Bekanntgabe der Gasexplosion durch die drei Teenager mit Bildbeweis wirft die jahrelange Arbeit und kostspieligen PR-Kampagnen mit verheerenden Folgen zurück. Coldstone hat nur eine Möglichkeit, seinen Ruf und Platz zu sichern…

Lukas Erler überfrachtet nicht mit Expertenwissen, stellt aber in seiner Umweltgeschichte eindeutig die Gefahren dieser, in der Tat mehr als fraglichen Gasfördermethode klar. Ebenso zeigt er auf, welche Fäden und Firmen im Hintergrund mit Geld und Macht miteinander verbunden sind und für die es keine ethischen Grenzen gibt. Mit durchdachter Struktur verbindet er die abwechselnden Schauplätze zu einem spannenden Umweltthriller, bei dem natürlich auch ein „love interest“ nicht fehlt. Die letzten einhundert Seiten konzentrieren sich zwar überwiegend mit den Geschehnissen in einem deutschen Krankenhaus, die zugegeben sich höchst spannend zuspitzen, der Umweltaspekt tritt hier aber leider etwas in den Hintergrund. Trotzdem ist es ein packender Thriller, der sich mutig mit dem brisanten Ökothema der höchst umstrittenen Methode der Erdgasgewinnung und seinen Hintergründen auseinandersetzt. Ein Roman, der auch sonst lesefaule Jungs interessieren kann, da er Umwelt, Technik und Spannung bestens vereint.

Sabine Hoß

Bewertung:

 

 

 

 

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