Elanus

Elanus KLEIN

Ursula Poznanski

Loewe, 22. August 2016

480 Seiten, € 14,95

ab 14 Jahren

 

 

 

Der mathematisch-technisch hochbegabte 17-jährige Jona bekommt ein Stipendium an der Victor-Franz-Hess-Privatuniversität mit großer Unterstützung des Direktors Dr. Carl Schratter. Da Jona zwar was Intelligenz und Auffassungsaufgabe anderen weit überlegen ist, so zeigt er in seiner Sozialkompetenz erhebliche Defizite, oder um es anders auszudrücken, er benimmt sich anderen gegenüber unglaublich arrogant, überheblich und unverschämt, bringen seine Eltern ihn bei der Gastfamilie Helmreich unter, damit er nicht in einer Studentenbude vereinsamt. Doch kaum dort angekommen, macht er sich mit seinem unmöglichen Verhalten weder bei seiner Gastfamilie noch bei seinem ersten Auftritt an der Uni Freunde. Kaum auf dem Unigelände, will er sein Wissen direkt seinen Kommilitonen und seinem Mathedozenten Professor Lichtenberger präsentieren und macht sich mit seinem unangenehmen überheblichen Benehmen auf Anhieb unbeliebt. Jona ist trotz seiner Art feinfühlig genug, sich der Ablehnung bewusst zu sein. Es ärgert ihn zwar, aber er lenkt sich mit seinem eigenen Forschungsobjekt sehr gut ab. Er hat eine Drohne entwickelt, die in einem kleinen Koffer handlich verpackt, leise und mit einer hochauflösenden Kamera ausgestattet mit Hilfe seines Notebooks und einer speziell dafür entwickelten App in der Lage ist, andere Leute auszuspionieren. Sobald Jona die Handynummer einer Person hat, kann er diese mit seiner App vernetzen und die Person ausspionieren. Die Drohne ist so perfekt programmiert, dass sie rechtzeitig vor Akkuabsturz wieder den Heimflug antritt. Als Jona auf die ältere Linda trifft, die ebenfalls an der Uni studiert, verliebt er sich auf Anhieb in sie. Doch sie zeigt wenig Interesse für den jüngeren, eingebildeten Jungen. Als Jona die Drohne auf Reise Richtung Linda schickt, macht er eine merkwürdige und unheimliche Entdeckung, denn Linda trifft sich mit einem älteren Mann in einer Wohnung. Jona ist eifersüchtig und will herausbekommen, wer dieser Mann ist und in welcher Beziehung Linda zu ihm steht. Dann gibt es noch Marlene, die er weniger attraktiv findet, die aber die einzige ist, die freundlich zu ihm ist und Pascal, der Nachbarjunge, der sich in seiner herrlich erfrischenden, gewinnenden Art nicht von Jonas Auftreten abschrecken lässt und ihn dazu auffordert, ihm Nachhilfe in Mathe zu geben, was Jona sogar macht.

Jeden Abend lässt Jona seine Drohne fliegen und macht immer wieder mysteriöse Entdeckungen. Weil Linda ihn nach wie vor auf Abstand hält und eigentlich klar ausspricht, dass er sie in Ruhe lassen soll, stachelt das Jona umso mehr an. Er tippt ein paar Zeilen, die andere in Unruhe versetzen soll und zeigen, dass sie unter Beobachtung stehen und verteilt diese versteckt an verschiedene Personen, unter anderem Linda und der Mathedozent Lichtenberger, der ihn vor allen so abgekanzelt hat. Als kurze Zeit später Lichtenberger tot im Vorlesungssaal gefunden wird, macht sich Jona Vorwürfe. Linda ist seitdem völlig von der Rolle und läuft verweint und völlig verwirrt durch die Gegend. Jona versucht mit Hilfe seiner Drohne herauszufinden, was dahinter steckt, nicht zuletzt auch, weil er glaubt, an dem Tod des Dozenten mit schuld zu sein. Doch Jona ahnt nicht, in welche gefährlichen Verstrickungen er hineingerät und welchen Geheimnissen er auf der Spur ist. Einem Geflecht aus Dozenten, Studenten und Eltern, die in einer unglaublichen Tat miteinander verwoben sind. Verstrickungen, die nach Jonas Leben trachten…

Ursula Poznanski hat in einem hervorragend aufgebauten, von der ersten bis zur letzten Seite hochspannenden Plot das aktuelle Thema von Überwachung durch Drohnen und die daraus resultierende Manipulation verpackt. Jona ist einem auf Anhieb herzlich unsympathisch und es ist interessant, wie man sich ihm im Laufe der Geschichte immer mehr nähert und ihn am Schluss nahezu sympathisch findet. Der Autorin gelingt es überzeugend, mit zahlreichen überraschenden und fesselnden Wendungen der Handlung einen ungeahnten Verlauf zu geben. Die Personen zeigen sich im Wesentlichen glaubwürdig und nachvollziehbar, wobei dennoch einige Figuren, wie der Caterer Roginski oder die Gasteltern Helmreich und die Ärztin dennoch oberflächlich und nicht immer schlüssig bleiben.

Ursula Poznanski zeigt mit diesem aktuellen, brisanten Thriller, was Überwachung durch fast unsichtbare Drohnen für Ausmaße erreichen kann. Verbreitung von Gerüchten, Manipulation von anderen, Beeinflussung und ständige Beobachtung anderer sind nur ein Teil der furchtbaren Folgen. Wie es im Deutschen so nett heißt, ist dieser Thriller ein „Pageturner“, den man nur ungern aus der Hand legt und zeigt, dass es besser ist, den offenen, aufmerksamen Blick auf anderes und über andere lieber im gewohnten Radius eines „normal“ schweifenden Auges zu haben. Alles andere kann höchst gefährliche, bisweilen tödliche Gefahren in sich bergen.

Sabine Hoß

Bewertung:

 

 

 

 

 

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