Meine Mutter, der Krebs und ich

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Anne Percin

Aus dem Französischen von Anja Kootz

Knesebeck, 21. September 2016

128 Seiten, € 12,95

ab 12 Jahren

 

Tanja, 14 Jahre alt, lebt mit ihrer Mutter zusammen, der ältere Bruder ist bereits ausgezogen und in der Ausbildung bei der Polizei. Mutter und Tochter betreiben beiden einen Web-Blog, der sich aber grundlegend unterscheidet. Bei Tanja geht es um Werwölfe und dunkle, mythische Gestalten, ihre Mutter erzählt auf ihrer plüschigen und im Landhausstyl gehaltenen Seite noch immer von einer glücklichen Familie, obwohl die schon lange Vergangenheit ist. Tanja findet das und überhaupt so manches von ihrer Mutter einfach nur peinlich, denn der Vater lebt nämlich schon seit vielen Jahren nicht mehr bei seiner Familie, sondern mit seiner neuen und wesentlich jüngeren Lebensgefährtin zusammen. Obwohl Tanja diese nicht ausstehen kann, hält sie mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt zu ihm.

In der Schule trainiert Tanja für einen Crosslauf, obwohl sie Sport abgrundtief hasst. Ihre Freundinnen motivieren sich gegenseitig, getrieben von einem überaus ehrgeizigen Lehrer, der alles daran setzt, dass seine Schule als Erste durch das Ziel läuft.

Als die Mutter die Diagnose Brustkrebs bekommt, wird das Band zwischen Tanja und ihrer Mutter enger. Vieles, was Tanja vorher ziemlich peinlich an ihrer Mutter gefunden hat, tritt in den Hintergrund und wird durch Angst und Sorge über die Folgen und Auswirkungen der Krankheit ersetzt. Zunächst versucht die Mutter Tanja zu schützen, doch es wird schnell klar, dass das nur bedingt gut geht. Obwohl es der Mutter nach der Brustamputation, Bestrahlungen und Chemo sehr schlecht geht, ist sie eine starke Kämpfernatur. Beide durchleiden die Folgen der Krankheit und deren Bekämpfung, jeder auf seine ganz eigene Weise und trotzdem bleiben sie im Gespräch und es entsteht eine ganz besondere Bindung.

Anne Percin gelingt es mit einem teils bissigen und ironischem Unterton dem schwierigen Thema Krebs ein wenig die Schwere und Dramatik zu nehmen, ohne dabei oberflächlich zu werden. So ist die Szene, als der Mutter der künstliche Brusteinsatz beim Sprung ins Schwimmbecken herausrutscht und oben auf der Wasseroberfläche treibt, keine billige Situationskomik, sondern zeigt  in dem spontanem Verhalten von Mutter und Tochter ihre gegenseitige Kraft und Zuneigung – und letztlich auch den überlebensnotwendigen Galgenhumor.

Die Autorin lässt ihre Protagonistin Tanja erfrischend authentisch zwischen pubertär nach oben gerollten Augen über manches Verhalten ihrer Mutter und tiefgründiger Weisheit entwickeln. Mutter und Tochter nähern sich durch diese Krankheit auf behutsame Weise immer enger und entdecken beim anderen neue Seiten, was beide überrascht. Während die Mutter wie eine Löwin um ihr Leben kämpft, trainiert Tanja zum ersten Mal wirklich ernsthaft den Crosslauf, den sie nur für ihre Mutter gewinnen will.

Ohne viel Pathos hat die Übersetzerin Anja Kootz eine sensible und humorvolle Geschichte transportiert, die von einer zerstörenden Krankheit ohne Schönschreibung erzählt, neben vielen traurigen und schweren Momente aber auch die der Hoffnung und Zuversicht beschreibt.

Das Cover fällt auf und gefällt.

Sabine Hoß

Bewertung:

 

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