Finn relaesed

Oliver Uschmann

Loewe, Januar 2012

256 Seiten, €  9,95

ab 11 Jahre

 

 

 

Inhalt:

Lukas, Flo und Finn sind beste Freunde, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Lukas ist ein leidenschaftlicher Fußballspieler und ständig in Bewegung, Flo ist genau das Gegenteil, er spielt auch leidenschaftlich gerne, allerdings lieber sitzend und trotzdem ausdauernd vor dem PC diverse Computerspiele. Finn ist irgendwie dazwischen, er beobachtet viel lieber Menschen, liebt es, sich mit ihnen in kunstvollen Wortgefechten auseinander zu setzen. Es gibt keine Situation, aus der er sich und seine Freunde nicht mit einer gewagten Idee, und sei sie auch auf einer Lüge aufgebaut, wieder herausboxt. Während des Spiels „Pippi Langstrumpfs Küche“ im Sportunterricht kommt ihnen die geniale Idee für eine gemeinsame Quest: Einen Tag = 12 Stunden lang gehen sie immer geradeaus in einem Korridor von sieben Meter Breite. Alles, was außerhalb dieses Korridors liegt, dürfen sie nicht betreten. Damit die Quest einen ordentlichen Ablauf hat, dafür sorgt Flo in einem umfangreichen Regelwerk. Allerdings hat keiner von den Dreien daran gedacht, etwas zu essen mitzunehmen, was nur ein Problem darstellt. Was die drei während dieser 12 Stunden erleben, ist spannender und aufregender als jedes Computer- und Fußballspiel und bringt sogar den Wort- und situationsgewandten Finn an seine Grenzen.

Rezension:

Nach seinen Romanen „Das Gegenteil von oben“ (script 5, 2009) und „Nicht weit vom Stamm“ (script 5, 2011) für Jugendliche hat Oliver Uschmann nun eine Geschichte für die jüngere Lesegruppe ab 11 Jahren geschrieben. Obwohl hier drei Jungs die Protagonisten sind, ist die temporeiche Geschichte genauso ein herrlich komischer wie unterhaltsamer Lesestoff für Mädchen. Vom ersten Satz an ist man in der Geschichte drin, die bis zum Schluss spannend und unterhaltsam ist. Oliver Uschmanns Sprache ist frech aber nicht schnodderig und wirkt nicht bemüht jugendlich aufgesetzt, die Finn sowie seinen Freunden Flo und Lukas einen liebenswerten Charme mit natürlichem Wiedererkennungswert gibt. Während Lukas sich über seine Leidenschaft Fußball identifiziert und der einzige von den dreien ist, der schon eine Freundin hat, gibt Flo den typischen PC-Zocker mit Sitzfleisch und leichtem Bauchansatz. Finn ist ein Wörterverdreher und durch seine hervorragende Beobachtungsgabe – und auch sensibles Einfühlungsvermögen – ein unerschrockener Herr über (fast) alle Situationen, die sich im Laufe des Buches ergeben. Trotzdem ist er nicht überheblich, denn dafür ist er zu feinfühlig und würde sich sonst keine Gedanken über alte, kranke Menschen, den Tod machen oder überlegen, wie er seinen Eltern aus ihren Existenznöten helfen kann. Auch mit 13 Jahren ist das Leben nicht immer sorgenfrei leicht und Oliver Uschmann zeigt so ganz nebenbei die vielen unterschiedlichen Alltagsprobleme- und sorgen, mit denen Finn und seine beiden Freunde leben – und die jeder irgendwie kennt. Das macht die Story nicht nur unterhaltsam sondern gibt ihr auch die nötige Tiefe. Während Flo und Lukas manchmal noch wie kleine Jungs ein Problem kameradschaftlich handgreiflich austragen, steht Finn dann ein wenig abseits, beobachtet und präsentiert ganz lässig und mit Köpfchen eine Alternative, die manchmal einfach nur komisch ist, aber auch seine persönliche Ausstrahlung ausmacht. Er schafft es durch seine hervorragende Beobachtungsgabe und einer manchmal rotzfrechen Art Erwachsene zu manipulieren und sie mit seiner rhetorischen Magie dahin zu bewegen, wo er sie haben will, ohne dass es übertrieben erscheint. Die Hürden auf der Quest werden immer schwieriger, trotzdem halten die drei Freunde immer zusammen und zeigen, was Freundschaft und Loyalität ausmacht.

Eine temporeiche, mitreißend erzählte Geschichte in lockerer, frecher Sprache – aber trotzdem intelligent und mit Hintersinn. Mit diesem Buch kann man Jungs, die ja angeblich so schwer hinter ein Buch zu locken sind, ganz locker zwischen Buch und Deckel einfangen. Und da Mädchen sowieso wenig Berührungsängste haben, auch Bücher über Jungs zu lesen, werden die sowieso davon begeistert sein.

Sabine Hoß

Bewertung:

 

 

 

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