Schlimmes Ende

Schlimmes Ende von Philip Ardagh

Philip Ardagh

Aus dem Englischen von Harry Rowohlt

Mit s/w-Illustrationen von David Roberts

omnibus, November 2004

128 Seiten, € 5,90

ab 10 Jahre

 

In den Massen der Novitätenerscheinungen tut es gut, hin und wieder einmal einen Blick auf die sogenannte „Backlist“ (schönes deutsches Wort) zu werfen, sprich auf die Bücher, die bereits seit mehreren Jahren erfolgreich verkauft werden. Deshalb möchte ich an das erste Buch einer mehrbändigen Reihe erinnern, das mit dem Titel „Schlimmes Ende“ von Philip Ardagh anfängt.

Der  11-jährige Eddie Dickens wird von zu Hause weggeschickt, da seine Eltern an einer merkwürdigen Krankheit leiden, bei der sie gelb, an den Rändern wellig sind und zudem nach alten Wärmflaschen riechen. Bevor diese Krankheit auch noch Eddie befällt, wird er von dem Wahnsinnigen Onkel Jack und der Wahnsinnigen Tante Maud abgeholt, die nie ohne ihr ausgestopftes Wiesel gesehen wird. Bis zum Ende, das gar nicht so schlimm ist, bleibt es aber im Dunkeln, ob das Wiesel Sally oder Malcolm heißt. Die beiden bringen Eddie zu ihrem Anwesen „Schlimmes Ende“. Eddie scheint hier der einzig nicht Verrückte zu sein, denn eine weitere skurrile Person erscheint ihm hier: Mr Pumplesnook, der Direktor einer Bande streunender Theaterleute. Gott sei Dank ist das Ende alles andere als schlimm, denn sonst gäbe es nicht weitere Bücher, in denen Eddies Abenteuer fortgesetzt wird.

Der Brite Philip Ardagh präsentiert skurrilen, süffisant-britischen Humor in einer von herrlich absurden Ideen strotzenden komplett verrückten Geschichte. Einen roten Faden scheint es nicht zu geben, denn immer wieder weicht er von seinem Haupterzählstrang ab, um dann mit wilder Verwegenheit irgendwie wieder zurückzukehren und das offenbar unzusammenhängende bizarr zusammen zu ketten. Die Figuren sind wie die Story absurd und schräg, der einzig halbwegs „normale“ ist Eddie, der mit stoischer Ruhe und Gelassenheit den Wahnsinn erträgt. Es erfordert bei so viel Durchgeknalltheit beim Lesen manchmal schon ein wenig Konzentration, damit man bei den zahlreichen Abschweifungen nicht ganz ausfranst. Trotzdem ist es ein wunderbar verrückter Lesespaß an grauen Tagen und auch an denen, wenn es heller wird.

Der große Lesespaß ist sicherlich auch der Übersetzung von Harry Rowohlt zu verdanken, der den britisch-trockenen Humor grandios übertragen hat. Herrlich!

2003 erhielt dieses Buch den Deutschen Jugendliteraturpreis von der Kritikerjury.

Sabine Hoß

Bewertung:

 

Auch wenn das Original mit Sicherheit ein Feuerwerk an verrücktem Sprachwitz und groteskem Humor bietet, möchte ich dennoch Harry Rowohlt zu Ehren auf diese witzige Zeichnung aufmerksam machen:

(c) Hauck & Bauer

(c) Hauck & Bauer

 

 

 

 

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