Füchse lügen nicht

Füchse lügen nicht KLEIN

Ulrich Hub

Mit Bildern von Heike Drewelow

Carlsen, Februar 2014

144 Seiten, € 12,90

ab 8 Jahre

 

 

Wer weiß, vielleicht ist dem Theaterschriftsteller, Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor Ulrich Hub die Idee zu dieser schräg-anarchischen Geschichte während stundenlangen Wartens in der Flughafenlounge bei einem der diversen Streiks gekommen?

„Alle Flüge sind ersatzlos gestrichen“ sagt der Hund vom Sicherheitsdienst. Nun sitzen ein Affe, eine Gans, der artengeschützte Pandabär, ein Tiger und zwei Schafe in der Animallounge fest. Ob sie wollen oder nicht, sie kommen mit all ihren persönlichen Eigenheiten, Macken ins Gespräch, alleine um die unendlich lange Wartezeit zu verkürzen. Die leicht hysterische Gans sucht ständig ihren Reisepass, der Affe wirft sich aus seiner Reiseapotheke diverse Pillen ein, der Tiger zeigt mit seiner Sonnenbrille seine über alles stehende Coolness, der Pandabär unterbricht seinen Dauerschlaf nur für übelriechende Pupser, (die er nonchalant mit seinem Artenschutz entschuldigt) und die beiden Schafe sind verloren und ratlos mit der Situation überfordert. Über diese chaotische Gruppe wacht der Hund vom Sicherheitsdienst und glaubt mit seiner herrischen Art alles im Griff zu haben. Bis die anderen Tiere plötzlich hinter einem Gummibaum einen weiteren Gestrandeten in der Lounge entdecken: einen Fuchs – vor dem erst einmal alle gehörigen Respekt haben. Der mischt die Gruppe mit seiner frechen Art auf und plötzlich stellen alle fest, dass keiner von ihnen den Flughafen verlassen kann. Doch der gewitzte Fuchs hat eine Idee: „Der Flughafen gehört euch“ verkündet er und damit stürmen alle den Duty-free-shop und feiern eine riesige Party – zum Entsetzen des Hundes vom Sicherheitsdienst. Als die Tiere nach ihrem Partyrausch feststellen, dass ihre Reisepässe und andere Sachen fehlen, haben alle sofort den Fuchs in Verdacht. Er ist der Lügner, der Betrüger und Verbrecher. Doch der Fuchs hat rasch seinen Fehltritt eingesehen, bereut ihn und bittet die anderen Tiere um Verzeihung. Ganz nach dem Lied „Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste…“

Die Idee, Menschen und ihre Fehlbarkeiten in tierischer Gestalt, mit Ironie überzogen, zu präsentieren ist nicht neu. Ulrich Hub macht mit den skurrilen Eigenheiten der einzelnen Tiere klare und kritische Anspielungen auf verschiedene „Problemzonen“ bei uns selbst und in der Gesellschaft. Zum Beispiel muss die schnatternde Gans ausholen, um sich kurzzufassen, der pillenschluckende Affe macht auf Tierversuche aufmerksam, die beiden geklonten Schafe würden so gerne ihre Eltern kennen. Trotzdem wirken die Figuren blass und distanziert, vielleicht weil der Autor einfach zu viel in einer kleinen Kindergeschichte verpacken will. Zwar ist die Quintessenz der Geschichte klar, dass es um Vorurteile, Lügen und Wahrheit und Freundschaft geht, doch irgendwie bleibt sie verschwommen, denn leider schafft kein Tier es, mit Charme und Schrulligkeit den Funken überspringen zu lassen. Das Geschehen auf dem Flughafen ist so schleppend wie die Warterei für die Tiere, das verbessern auch nicht die flüssigen Wacholderbeeren, die die Duty-free-Stürmer in den Kopf steigen lassen.

„Füchse lügen nicht“ wurde 2012 als Theaterstück „Animal Lounge“ von Ulrich Hub in Dresden am Theater Junge Generation uraufgeführt. Als Theaterstück mag der Plot vielleicht unterhaltsam und mit seiner anarchischen menschlich-tierischen Raffinesse begeistern. Dem Buchautor Hub ist der sicher nicht einfache Balanceakt zwischen einer ironisch-intelligenten, spannenden Freundschaftsgeschichte und Klamauk mit seiner Metapher nur mäßig gelungen.

Heike Drewelow hat den Tieren ihre Charaktere und skurillen Eigenheiten mit schrägem Strich passend und liebevoll herausgearbeitet.

Sabine Hoß

Bewertung:

 

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