Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch

Andreas Steinhöfel

Mit Bildern von Peter Schössow

Carlsen Verlag, Oktober 2017

272 Seiten, € 14,99

ab 10 Jahren

 

 

Drei Jahre hat sich Andreas Steinhöfel Zeit gelassen, um die herrlich humorvolle und vielschichtige Geschichte um den tiefbegabten Rico und seinen hochbegabten besten Freund Oskar mit einer Weihnachtsgeschichte in einem dritten Band fortzusetzen. Am Heiligen Abend gehen Rico und Oskar trotz heftigem Schneegestöber und angekündigten Sturm, der Berlin lahm legen soll, für die letzten Weihnachtseinkäufe in das nahegelegene Kaufhaus. Dabei kommen die beiden besten Freunde an einer Mauer vorbei, hinter der sich ein großer Hinterhof befindet, der von außen nicht sichtbar ist. Oskar spricht kein Wort und verzieht keine Miene, während sie dort  entlang gehen, denn er hat keine gute Erinnerungen an das, was er zuletzt hinter der Mauer erlebt hat. Rico führt in drei Teilen den Leser zurück in den Sommer, als er diesen Hof und neue Freunde entdeckte, während Oskar Urlaub in Dänemark machte. Nach seiner Rückkehr läd Rico seinen Freund ein, ihn zu dem Hof und seinen neuen Freunden zu begleiten, was Oskar zunächst etwas skeptisch macht, sich dann aber freut, ebenfalls in dem neuen Freundeskreis aufgenommen zu werden. Als ihm am Ende des Sommers etwas gestohlen wird und er jemanden aus dem Freundeskreis verdächtigt, ohne Beweise zu haben, gleichzeitig darum bittet, man möge ihn das Gestohlene zurückgeben, gibt es einen großen Streit zwischen Oskar und den anderen Kindern. Oskar verlässt die Gruppe und prophezeit den anderen, dass das Misstrauen die übrigen Gruppenmitglieder auf kurz oder lang auseinander brechen lässt. Selbst Rico braucht ein wenig Zeit, um sich zu sortieren, aber Oskar ist und bleibt sein bester Freund und sie gehen gemeinsam durch dick und dünn.

Doch jetzt ist Winter und in der Dieffe 93 herrscht vorweihnachtliches Chaos am Heiligen Abend. Ricos Mama erwartet jeden Moment ein Baby und der Bühl ist entsprechend nervös. Eigentlich war abgesprochen, dass Rico mit ihm gemeinsam den Tannenbaum aussucht, doch der Bühl ist bereits unterwegs und ein Versprechen von Erwachsenen ist mal wieder nicht gehalten worden. Bei den letzten Erledigungen im Kaufhaus beobachtet Rico, wie Oskar Damenunterwäsche einkauft, aber auch sonst benimmt sich sein Freund manchmal eigenartig und Rico fragt sich, was das soll. Als die beiden Freunde sich durch den immer heftiger werdenden Schneesturm wieder in die sichere Dieffe gerettet haben, ist bald von heiliger Nacht nichts zu spüren. Bei Ricos Mama setzen die Wehen ein, Irina steht vor der Tür und hat ihrem Sebastian mal wieder den Laufpass gegeben und plötzlich steht eine Abordnung der Freunde vom Sommer-Hof vor Ricos Tür und wollen eigentlich zu Oskar. Der ist aber schon eine Ewigkeit in der Wohnung von Massoud, angeblich um in seiner Abwesenheit nach der Heizung und den Blumen zu sehen. Doch was macht er da so lange?

Andreas Steinhöfel erzählt mit viel Herz, Wärme, hinter- und tiefsinnigem, teilweise ironischem Humor eine wunderbare Weihnachtsgeschichte mit Rico, Oskar und vielen bekannten Gesichtern, die einen Hauch von Sommer mit sich trägt. Ohne moralischen Finger aber mit liebevoller Empathie beschreibt er auch in dieser Fortsetzung Figuren und Milieu ohne Übertreibung und Klischee. Rico kämpft noch immer mit dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, doch hat er im Laufe der Zeit, auch durch die Freundschaft mit Oskar, viel dazu gelernt. Steinhöfel schafft es mit seiner Sichtweise und Gegenüberstellung eine ganz eigene Verbindung zu der Definition von Intelligenz und Bildung zu zeigen. Das Vomhimmelhoch ist eine ganz außergewöhnliche Weihnachtsgeschichte mit witzigen Illustrationen des mehrfach ausgezeichneten Illustrators Peter Schössow, die in der Rico & Oskar-Reihe nicht mehr wegzudenken sind. Natürlich geht es wieder um Freundschaft, Vertrauen, Verbindendes und Trennendes  – in einer wunderbaren, humorvollen Sprache, einem spannenden Geschichte und einem treffenden Blick für unterschiedliche Menschen und Leben. Selten wurde der Begriff „Integration“ so einfach und treffend am Beispiel von Nuri, einem türkischen Jungen erklärt, der Basketball und Balladen liebt.

„Integration“: Wenn du wohin kommst, wo du dazugehören möchtest, und deshalb denen, die schon da sind, nachmachst, was sie dir vormachen. Plus, sie machen dir auch ein bisschen nach, was du ihnen vormachst, weil das spannend ist und ihre Kultur befruchtet. Zuletzt habt ihr beide was gelernt, zum Beispiel sportliche Gedichte über Basketball, Tauchen oder Ringen.“ (Auszug aus dem Buch, Seite 33)

So einfach ist das!

Drei Jahre Wartezeit auf eine neue Geschichte, die sich gelohnt hat. Einfach nur wunderbar – nicht nur in der Vorweihnachtszeit.

Sabine Hoß

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